Zwei Jugendliche. Einer von ihnen steht unter Verdacht, einen 60-Jährigen attackiert zu haben.

Antisemitischer Angriff: Mutmaßlicher Täter in Festival-Film

Stand: 30.09.2021 20:26 Uhr

Zum Start des Hamburger Filmfests gibt es Wirbel um einen Darsteller: Der 16-Jährige, der vor knapp zwei Wochen einen Juden auf der Mönckebergstraße verprügelt haben soll, tritt in einem Film auf, der am Freitag beim Filmfest läuft.

In dem Film "Evolution", der beim Filmfest im Abaton Kino gezeigt wird, wird der Angriff eines Jugendlichen auf einen Jungen gezeigt. Jetzt stellte sich heraus, dass Angreifer im Film offenbar Aram A. ist, der in dieser Woche in Berlin vom Staatsschutz gefasst wurde. Er soll am 18. September einen Mann jüdischen Glaubens bei einer Mahnwache für Israel auf der Mönckebergstraße verprügelt und so sehr verletzt haben, dass er bleibende Schäden am Auge erlitten hat.

Statement veröffentlicht

Das Filmfest wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern. Doch die Regisseurin, der Regisseur und der Verleih veröffentlichten ein gemeinsames Statement: "Wir sind schockiert und traurig über die Nachricht und fühlen mit dem Opfer dieses abscheulichen und schamlosen Angriffs", heißt es darin. "Wir haben den Film gemacht, weil Antisemitismus und Rassismus jeden Tag vorkommen. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass jemand, der mit uns an diesem Film gearbeitet hat, gegen die Idee des Films handeln könnte."

Die Schauspiel-Agentur von Aram A. hat sich inzwischen von ihm getrennt. Auf der Webseite der Firma wird der 2005 geborene Schauspieler schon nicht mehr aufgeführt. Gegenüber der Agentur-Chefin soll Aram A. den Angriff auf der Mönckebergstraße bereut und angekündigt haben, sich beim Opfer entschuldigen zu wollen.

Opfer kündigt rechtliche Schritte an

Das Opfer des Angriffs., das mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sieht das skeptisch. Der Mann kündigte in einem Telefonat mit dem Hamburg Journal rechtliche Schritte gegen Aram A. an.

Am Sonnabend findet die nächste Mahnwache für Israel in der Mönckebergstraße statt. Es werden 100 Teilnehmende erwartet. Filmregisseur Kornél Mundruczó will sich am Freitagabend im Abaton Kino zu dem ungewöhnlichen Fall äußern.

Weitere Informationen
Teilnehmer einer Mahnwache für Israel und gegen Antisemitismus.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.09.2021 | 19:30 Uhr

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