Stand: 18.09.2018 18:07 Uhr

Flüssiges Erdgas als Umweltretter? Fakten zu LNG

Bislang fahren große Fracht- und Kreuzfahrtschiffe noch mehrheitlich mit Schweröl als Treibstoff - ein billiger Raffinerierückstand, der als sehr umweltschädlich gilt. Experten sagen dem Flüssigerdgas (LNG) eine große Zukunft voraus. Was sind die Vorteile? Und welche Planungen gibt es in Norddeutschland? NDR.de klärt die wichtigsten Fragen.

Was ist LNG?

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LNG ist flüssiges Erdgas. Spezielle Transportschiffe importieren den Brennstoff aus den Produktionsländern in die EU.

LNG bedeutet Liquefied Natural Gas - also verflüssigtes Erdgas. LNG ist farblos, ungiftig und wird produziert, indem Erdgas auf minus 162 Grad Celsius gekühlt wird. Das Volumen wird so um das 600-Fache verringert, was Transport und Lagerung erleichtert. Genutzt wird das Flüssiggas vor allem für die Produktion von Strom und Wärme sowie als Kraftstoff, in der Metallindustrie und Düngemittelproduktion. LNG besteht vor allem aus Methan.

Wie umweltfreundlich ist LNG?

Bei der Antwort muss man zwei Punkte unterscheiden: Die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Auswirkungen auf das Klima. Der Einsatz von LNG in der Schifffahrt ist im Gegensatz zum heute oft genutzten Schweröl deutlich schadstoffärmer. Der NABU schreibt: "Schwefeloxid-, Feinstaub-, Schwermetallemissionen werden vermieden und Stickoxide und ultrafeine Partikel gegenüber der Nutzung von Schweröl und auch Marinediesel erheblich reduziert." Geringere Schadstoffemissionen bestätigt auch Sebastian Timmerberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg. "Schadstoffe wirken lokal. Davon sind also Küstenbewohner und Hamburger betroffen. Der Einsatz von LNG ist für diese Menschen also von Vorteil."

Ob LNG insgesamt betrachtet allerdings auch klimafreundlicher ist, ist nicht klar. Abhängig davon, wie das Erdgas gefördert, zu LNG verarbeitet und dann in Schiffen eingesetzt wird, kann die Bilanz laut NABU positiv, aber auch negativ ausfallen. Dies liegt vor allem daran, dass Erdgas von der Erdgasförderung bis zum Einsatz auf Schiffen entweichen kann. Dies wird als Methanschlupf bezeichnet. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und ungefähr 25 Mal so klimawirksam wie Kohlenstoffdioxid. Methan trägt daher stark zum Treibhauseffekt bei.

"Ob LNG also besser für das Klima ist, hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Herkunft: In Norwegen gibt es eine energieeffiziente Anlage, in der die Verflüssigung des Erdgases sehr emissionsarm passiert. Zudem muss der Kraftstoff bis zu uns nicht weit transportiert werden", erklärt Timmerberg. Für LNG aus den USA hingegen werde oft Fracking zur Erdgasgewinnung genutzt. Der höhere Aufwand bei der Methode, setze mehr Klimagase frei. "Man kann es schaffen, bis zu 20 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber Schweröl einzusparen, wenn man alles richtig macht", so Timmerberg. Eine Einsparung von Treibhaugasemissionen ist also möglich - aber nicht zwingend. Die Klimaschutzziele sind laut der TU Hamburg durch LNG aber nicht erreichbar. Dafür sei es nötig, erneuerbare Kraftstoffe zu verwenden.

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Derzeit gibt es in Deutschland kein LNG-Terminal. In China und Japan stehen besonders viele Anlagen.

Experten befürchten, der Ausbau der LNG-Technologie könnte dazu führen, diese nicht nur für den Übergang auf erneuerbare Energien zu nutzen, sondern dabei zu bleiben. Der NABU plädiert daher dafür, Gas aus erneuerbaren Energien zu gewinnen und eine Zertifizierung für umweltfreundliches Gas einzuführen.

Was passiert in einem LNG-Terminal?

An einem Flüssiggas-Terminal können Tankschiffe, kommend aus Erdgas produzierenden Ländern, anlegen. Das von ihnen transportierte LNG wird in sogenannte kryogene Tanks geleitet und dort sehr kalt gelagert. Kleinere Transportschiffe können das LNG dann zu größeren Schiffen bringen und sie betanken. Lkw können das LNG im Inland verteilen und beispielswiese Schiffe betanken. Zudem kann es im Terminal wieder in Gas umgewandelt - regasifiziert - und in das Gasnetz eingespeist werden.

In den LNG produzierenden Ländern wird das geförderte Gas gereinigt, die Hitze absorbiert und das dann entstandene LNG in isolierten Tanks gelagert, bis Spezialschiffe es exportieren.

Woher kommt derzeit das Gas in Deutschland?

Die Top-Produzenten von Erdgas sind USA und Russland gefolgt von Iran, Kanada, Katar, China und Norwegen. Deutschland bezieht bisher kein LNG über Transportschiffe aus den USA sondern vor allem Erdgas über Pipelines aus Russland, Norwegen und den Niederlande.

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German LNG plant in Brunsbüttel das erste LNG Terminal in Deutschland.

LNG-Terminals in der EU befinden sich in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Zudem im polnischen Swinemünde, im niederländischen Rotterdam, im griechischen Revithoussa, im litauischen Klaipeda, im portugiesischen Sines und im belgischen Seebrügge. Deutschland könnte LNG auch über Terminals im Ausland beziehen und bei den Betreibern vor Ort Kapazitäten mieten.

Welche Planungen gibt es im Norden?

Bisher gibt es in Deutschland kein LNG-Terminal. Dieses wünscht sich der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), allerdings. "Wir müssen sehen, dass die Infrastruktur weltweit vorgehalten wird. Deswegen kämpfe ich für ein Flüssiggas-Terminal hier in Deutschland." Diskutiert wird über eine solche Anlage sowohl im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel, wo die Planungen am weitesten fortgeschritten sind, als auch in Stade und Wilhelmshaven in Niedersachsen.

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Die erste öffentliche LNG-Tankstelle hat im September in Hamburg eröffnet.

Die erste öffentliche LNG-Tankstelle gibt es aber schon in Deutschland: Shell hat sie im September am Georgswerder Bogen in Hamburg eröffnet. Bis dahin gab es nur zwei Versuchstankstellen für LNG-Laster in Ulm und bei Berlin. Für den Straßenverkehr fehlt derzeit eine flächendeckende Versorgung mit Tankmöglichkeiten in Europa. In Papenburg ist kürzlich das weltweit erste durch Flüssiggas (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff entstanden.

Zudem ist im Hamburger Hafen kürzlich die Versorgung von Containerschiffen der Reederei Hapag-Lloyd mit Strom aus sogenannten Powerpacs gestartet. Die zwei Standardcontainer (TEU) großen Einheiten versorgen dank eines Generators und eines LNG-Tanks Schiffe bis zu 20.000 TEU mit Strom, während diese an Land liegen. Die Powerpacs werden an Bord gebracht, das Schiff kann seine Dieselversorgung abschalten. 2015 und 2016 hatte eine ähnliche Art von Stromversorgung - eine LNG Hybrid Barge - ein Kreuzfahrtschiff versorgt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.08.2018 | 18:00 Uhr

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