Stand: 26.09.2019 17:10 Uhr

Bischofskonferenz: Am Ende müssen Reformen stehen

von Florian Breitmeier

Mit großer Mehrheit haben sich die deutschen Bischöfe zu Reformen in der katholischen Kirche bekannt. Bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda beschlossen sie einen Satzungsentwurf, mit dem weitere Vorbereitungen für den Anfang Dezember startenden Reformprozess - den synodalen Weg - getroffen werden. Der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, sprach von einem "guten Ergebnis".

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Florian Breitmeier leitet seit 2017 die Redaktion "Religion und Gesellschaft" bei NDR Kultur.

In Fulda gab es zum Teil heftige Debatten. Unter dem Strich steht zunächst: Die katholischen deutschen Bischöfe wollen das Reformprojekt des synodalen Weges fortsetzen und Konsequenzen ziehen aus dem Missbrauchsskandal. Doch in der Männerrunde bleibt es spannungsreich. Selbst der Papst schrieb vor einigen Monaten den deutschen Katholiken einen Brief. Darin kam auch die Sorge zum Ausdruck, die deutsche Ortskirche könnte einen Sonderweg einschlagen und Beschlüsse fassen, die nur auf Ebene der Weltkirche zu entscheiden sind. Es kam zu Diskussionen zwischen konservativen und stärker reformorientierten Bischöfen, in Fulda setzte sich das fort. Ob also auf dem synodalen Weg alle Oberhirten bis zuletzt zusammenbleiben, das ist ungewiss.

Deutlich wird das daran, dass zum Beispiel Kardinal Woelki aus Köln und der Regensburger Bischof Voderholzer gegen die Satzung des synodalen Weges gestimmt und ihr Votum auch öffentlich gemacht haben - übrigens bevor der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx seinen Abschlussbericht vorlegte. Gemeinsamkeit sieht anders aus. Rund ein Dutzend Bischöfe hat zumindest Vorbehalte gegen den synodalen Weg - komplett aussteigen will bislang aber keiner, was auch in finanzieller Hinsicht wichtig ist. Denn der auf zwei Jahre angelegte Reformdialog mit diversen Vorbereitungstreffen sowie Konferenzen von Bischöfen und engagierten Gläubigen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur kostet Geld.

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Die Bischöfe und Besucher beten beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom.

Vor einem Jahr wurde in Fulda die große Missbrauchsstudie veröffentlicht. Die Ergebnisse waren schockierend. Wurde der katholische Kirche in Deutschland doch wissenschaftlich bescheinigt, dass nicht nur Einzeltäter grauenhafte Verbrechen an Kindern und Jugendlichen begangen hatten, sondern dass die sexualisierte Gewalt von Klerikern kirchlicherseits nicht selten kleingeredet, verdrängt und dreist vertuscht wurde. Das darf sich so nicht mehr wiederholen.

Der synodale Weg kann deshalb nicht nur ein geistlicher Prozess sein. Das würden viele Gläubige nicht mehr mitmachen. Die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Bischöfe macht das geistliche Element des synodalen Weges auch deshalb jetzt so auffällig stark, weil sie es damit tatsächlich ernst meint. Außerdem möchte sie nicht im Dauerclinch mit Teilen der Kurie in Rom verharren.

Und doch muss gesprochen werden über Macht, Gewaltenteilung, Partizipation, die Rolle der Frau in der Kirche - über Ämter und Weihen, die Sexualmoral, die priesterliche Existenz und Lebensform. Aber es darf nicht nur geredet werden, sonst endet der synodale Weg in einer Sackgasse des unverbindlichen Austauschs über Themen die bereits vor 50 Jahren innbrünstig diskutiert wurden. Nur auf dem synodalen Weg unterwegs zu sein, das kann nicht das Ziel sein. Das Ziel ist das Ziel und das bedeutet, dass am Ende Reformen stehen müssen - zum Beispiel die Weihe von Frauen zu Diakoninnen oder eine neue Wertschätzung homosexueller Beziehungen, in denen Menschen gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen.

Die katholische Kirche muss sich verändern, sonst stürzt sie hierzulande hoffnungslos in die Tiefe.

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NDR Info | Kommentar | 26.09.2019 | 17:08 Uhr