Stand: 24.08.2015 10:34 Uhr  | Archiv

Henry Vahl - Der "Fernseh-Opa" der Nation

von Bernd Diekmann

Henry Vahl wird am 26. Oktober 1897 in Stralsund als Sohn eines Fischers geboren. Schon während seiner Lehre als Werfthandwerker steht er abends oft als Statist auf der Kieler Bühne. Als 1915 zwei Operettenkomiker erkranken, darf Henry Vahl einspringen. Das ist der Anfang seiner Bühnenlaufbahn. In den ersten Jahrzehnten seiner Schauspielerzeit kann er sich keinen Namen machen. Das ändert sich 1958 schlagartig: Sein Stern geht auf, als er am Hamburger Ohnsorg-Theater für einen erkrankten Kollegen einspringt. In der Rolle des "komischen Alten" ist er so erfolgreich, dass er am Ohnsorg-Theater mehr als 100 Rollen spielt.

Im Rentenalter zum Fernsehstar

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Heidi Kabel und Henry Vahl - kein Name wird je so mit dem Ohnsorg-Theater verbunden sein, wie der, der verstorbenen Volksschauspieler.

Die Zuschauer lieben Henry Vahl in der Rolle des schrulligen, alten Kauzes. Schlagfertig mit trockenem Humor - ein typischer Jung von der Waterkant. Henry Vahl gilt als Hamburger Original. Seine eigentliche Karriere macht er mit nur wenigen Live-Übertragungen der Ohnsorg-Stücke im Fernsehen. Darin spielt er sich nicht nur in die Herzen der Hamburger Zuschauer. Und das, obwohl er immerhin schon 68 ist, als er zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen ist.

Publikumsliebling mit Schwächen

Henry Vahl ist bekannt dafür, dass er Schwierigkeiten mit dem Memorieren von Texten hat. Er ist zwar ein alter Theaterhase, aber vor der Zeit im Ohnsorg-Theater eher abonniert auf kleine Rollen. Im Ohnsorg-Theater steht er im Rampenlicht und spielt Hauptrollen. Seine "Hänger" werden legendär. Nicht nur einmal muss er auf den rettenden Zuruf aus der Kulisse warten. Später verlässt man sich dann lieber auf die Wunder der Technik. Henry Vahl bekommt einen drahtlosen Empfänger ins Ohr, über den ihm die Texte souffliert werden. Leider überschneidet sich die hauseigene Frequenz mit dem Polizeifunk. Es kommt, wie es kommen muss: Henry Vahl hört von diesem "Mann im Ohr" die wiederholte Aufforderung: "Peter zehn, bitte kommen." Schließlich wird es Vahl zu bunt und er sagt laut auf der Bühne: "Peter, nun geh doch endlich mal ran, damit wir weitermachen können."

Tod eines großen Volksschauspielers

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Unvergessen ist Henry Vahl in seiner Paraderolle als "Zitronenjette". Die spielt er allerdings am St. Pauli Theater.

1972 verläßt Henry Vahl das Ohnsorg-Theater und wechselt zum St.-Pauli-Theater, wo er die Frauenrolle der "Zitronenjette" übernimmt. Er spielt sie bis 1975. In dem Jahr stirbt seine Frau Germaine, mit der er seit 1925 verheiratet ist. 1976 erleidet Henry Vahl einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholt. Der große Volksschauspieler stirbt am 21. Juli 1977. Er wird neben seiner Frau auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf beerdigt.

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11.02.2017 | 20:15 Uhr

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