Stand: 28.12.2018 16:00 Uhr

Saxofon ist Musikinstrument des Jahres 2019

von Anina Pommerenke

Seit 2008 kürt der Landesmusikrat Schleswig-Holstein jedes Jahr ein Musikinstrument des Jahres. Mittlerweile machen schon neun weitere Bundesländer bei der Aktion mit. Für 2019 ist die Wahl nun auf ein Holzblasinstrument gefallen: das Saxofon.

Das war wohl der coolste Moment im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft 1992: Im Anzug, mit schwarzer Sonnenbrille und bunter Blümchen-Krawatte trat Bill Clinton - damals noch Gouverneur von Arkansas - in einer amerikanischen Talkshow auf und spielte Saxofon. Wenig später gewann er die Wahl und dürfte seither der weltweit bekannteste Liebhaber des Holzblasinstruments sein.

Vielfältiges Instrument

Conni Nicklaus aus Hamburg hat Musik mit dem Hauptfach Saxofon am Konservatorium in Amsterdam studiert. Sie arbeitet als freie Musiklehrerin und spielt in mehreren Bands. "Was ich so gerne mag, ist die Vielseitigkeit, sowohl vom Klang als auch beim Einsatz", sagt sie. "Jazz, Rock, Pop oder südamerikanische Musik, überall kannst du mit dem Saxofon einsteigen. Ich finde es auch schön, dass die Klangvielfalt so groß ist. Mein Vater ist Komponist und Pianist - und damals hatte er viel mit einem Saxofonisten zusammengearbeitet und bei uns im Keller Aufnahmen gemacht. Dadurch, dass ich das Instrument zu Hause kennenlernen konnte, war ich total begeistert und hin und weg."

Sehr beliebt bei Kindern

Conni Nicklaus posiert mit Saxophon © Pio Pictures
Conni Nicklaus hat schon früh ihre Liebe zum Saxofon entdeckt.

Die Liebe zum Saxofon blieb - und wurde auch dadurch gefördert, dass sie an ihrer Schule - dem Sachsenwald Gymnasium in Reinbek/Schleswig-Holstein das Instrument für ein Jahr leihen und in der Schul-Bigband spielen konnte. Um den Nachwuchs macht sich Nicklaus keine Sorgen: "Ich unterrichte auch an Schulen, und am Anfang des Jahres haben wir Musik-Karussells, wo die Kinder die Instrumente ausprobieren können - und da gibt es einen wahnsinnigen Run aufs Saxofon, bei Mädchen und Jungen. Es sieht schon beeindruckend aus: Es ist gold oder silber. Und man hat auch schnell Erfolgserlebnisse: Es sieht alles so kompliziert aus, aber die Griffe sind ähnlich wie bei der Blockflöte. Es ist sehr beliebt, ja!"

Kein Blechblasinstrument!

Erfunden hat das Saxofon 1840 der Belgier Adolphe Sax. Sechs Jahre später meldete er in Frankreich ein Patent an. Der große Durchbruch des Instruments kam aber erst in den späten 1920er-Jahren mit dem Jazz. Auch der deutsche Jazzpionier Erich Borchard setzte auf das Saxofon.

Frank Brogle in seiner Saxophon-Werkstatt © NDR Foto: Anina Pommerenke
Frank Brogle in seiner Werkstatt in Hamburg-Bahrenfeld.

Auch wenn der metallische Korpus etwas anderes vermuten ließe, gehört das Saxofon zu den Holzblasinstrumenten. Warum, erklärt der "Saxofon-Doktor" und gelernte Holzblasinstrumentenmacher Frank Brogle aus Hamburg: "Man hat einen Generator, der den Ton erzeugt. Das ist das Mundstück mit dem Blättchen, und das Blättchen schwingt gegen das Mundstück - dabei entsteht der Ton. Und beim Blechblasinstrument sind es die Lippen, die den Ton erzeugen. Das ist der Unterschied. Und dann noch die Gesamtlänge: Beim Holzblasinstrument ist die Länge festgelegt, und beim Blechblasinstrument verlängere ich die Gesamtlänge des Instruments, um einen Tonunterschied zu bekommen."

Die Suche nach dem perfekten Klang

In seiner Werkstatt fertigt er nicht nur geduldig Ersatzteile an, er tüftelt auch an einem neuen Feature, um mit dem Sound des Saxofons zu variieren. "Ich stelle eigene S-Bogen-Schrauben her. Je nach Größe und Gewicht ändert sich der Sound und die Ansprache wird leichter."

Auch 178 Jahre nach der Erfindung des Instruments wird also noch am Sound getüftelt. Und auch an der großen Frage, wie sich das Leben der Blättchen verlängern lässt: "Ich habe meine Blättchen in Wodka aufbewahrt", erzählt Conni Nicklaus. "So wie Oboisten ihre Blättchen in Wasser einlegen, hatte ein Kollege von mir diese Idee, und ich habe mir das abgeguckt. Wodka einfach deshalb, weil er desinfiziert und das Blättchen nicht so schnell gammelt (lacht)."

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Dieses Thema im Programm:

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