Abbi Hübner © picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, ulrike blitzner

Hamburger Jazz-Urgestein Abbi Hübner ist tot

Stand: 05.08.2021 08:57 Uhr

Das Hamburger Jazz-Urgestein Abbi Hübner ist tot. Seine größten Erfolge feierte der studierte Allgemeinmediziner - daher der Titel "Doktor Jazz" - auf der Trompete mit den Low Down Wizards.

Laut "Hamburger Abendblatt" ist Hübner schon Ende Juli im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Trompeter war in unterschiedlichsten Jazz- und Blues-Formationen fast 70 Jahre Teil der Musiklandschaft in der Hansestadt Hamburg. Zu seinen bekanntesten Bands zählte die Oldtime-Formation Low Down Wizards.

Über beinahe 70 Jahre prägte Abbi Hübner die Hamburger Musiklandschaft - und entdeckte seine Liebe zum Jazz im Radio: "Ich bin ein Kind des BFN - Ende der 1940er-Jahre hörte man das zuhause - und als ich Armstrong hörte, war mir klar, ich will auch so spielen und singen", erzählte Hübner im Gespräch mit dem NDR. Im britischen Soldatensender hörte er in den späten 40er-Jahren die großen US-amerikanischen Jazzmusiker. "Als ich Armstrong gehört habe, war mir klar ich will auch Trompete spielen und so singen können." Also lernte Abbi Hübner das Trompetespielen.

Abbi Hübners Liebe zum Jazz begann in den 40er-Jahren

Schon als Student begann Abbi Hübner Trompete zu spielen. Der Titel "Doktor Jazz" kommt nicht von ungefähr. Albert Charles Otto, genannt Abbi Hübner, macht in den 60er-Jahren seinen Facharzt in Allgemein- und Arbeitsmedizin. Zu dieser Zeit allerdings gehörte seine eigentliche Liebe längst dem Jazz.

Große Erfolge mit den Low Down Wizards

In den 50er-Jahren gründete er die Low Down Wizards. Neben dem klassischen New Orleans Jazz spielten die Hamburger mit Swing oder lateinamerikanischer Rhythmik. Mit zahllosen Auftritten machten sie sich auch außerhalb Europas einen Namen. Die regelmäßigen sonntäglichen Auftritte der Low Down Wizards auf dem Hamburger Feuerschiff am Baumwall gehören - so wie Abbi Hübner - zur Geschichte der Jazzstadt Hamburg.

Überschäumdende Freude am Musizieren

Freunde und Weggefährten erinnern sich vor allem an sein liebenswertes Wesen, seine überschäumende Freude am Musizieren und an sein unermüdliches Bestreben, Gemüt und Ohren offenzuhalten für die Wurzeln des Jazz. Das tat er auch als Moderator von zahllosen NDR Jazz-Sendungen und als Weltreisender zusammen mit seinen vielen eigenen Bands, ganz egal ob beim Frühschoppen nebenan oder auf großen Jazz-Festivals.

Besonderes Erlebnis in Gettorf

An ein besonderes Erlebnis in seinem langen Musiker-Dasein konnte er sich gut erinnern. "Wir waren vom Jazzclub Gettorf eingeladen worden und das trotz meiner dringenden Warnung, ob wir bei einem Stadtfest die angemessene musikalische Begleitung stellen könnten", sagte Hübner. "Wir erscheinen in diesem riesigen Ballsaal im Rathaus - die Damen in Seidenkleidern, die Herren im schwarzen Anzug und wir als abgerissene Vagabunden."

Fast 70 Jahre lang hatte der Trompeter ein oder mehrere Konzerte pro Woche an den unterschiedlichsten Orten Hamburgs gespielt und das, obwohl er zeit seines Lebens auch seinem Hauptberuf als Arzt treu geblieben war. Jetzt hinterlässt Doktor Jazz eine große Fangemeinde weit über Hamburgs Grenzen hinaus und so manch ein Jazzfan mag einst wie er die Liebe zum Jazz durch das Radio entdeckt haben.

Mit Informationen von Susanne Hasenjäger und Marianne Therstappen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.08.2021 | 18:00 Uhr

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