US-Künstler Matt Mullican: "Bin das Gegenteil des Formalismus"

Stand: 30.10.2022 09:32 Uhr

Am Sonnabend wurde der US-Künstler Matt Mullican mit dem Possehl-Preis in Lübeck fürs Lebenswerk geehrt. Ab Sonntag zeigt die Kunsthalle St. Annen Werke aus 50 Jahren seines Schaffens.

von Linda Ebener

Der 71-jährige US-amerikanische Künstler Matt Mullican taucht immer wieder ein in eine Welt aus Formen und Symbolen. In der Kunsthalle St. Annen in Lübeck zeigt er jetzt Werke aus 50 Jahren seines künstlerischen Lebens - und wurde mit dem mit 25.000 Euro dotierten Possehl-Preis für Internationale Kunst ausgezeichnet.

Diesen erhält er für sein Lebenswerk, eine besondere Auszeichnung für Matt Mullican. Ein Treffen mit dem Künstler.

Der US-Künstler Matt Mullican vor einem seiner Gemälde "CHURCH" in Lübeck © John Garve, Fotoagentur 54° Foto: John Garve
AUDIO: Matt Mullican erhält in Lübeck den Possehl-Preis (5 Min)

Matt Mullican in Lübeck: "Ich denke in Bildern"

Der US-Künstler Matt Mullican vor einem seiner Gemälde "CHURCH" in Lübeck © John Garve, Fotoagentur 54° Foto: John Garve
Der 71-jährige Künstler Matt Mullican freut sich über seinen ersten Preis: den mit 25.000 Euro dotierten Possehl-Preis fürs Lebenswerk.

Wenn Matt Mullican einmal angefangen hat über seine Kunst zu sprechen, kann er damit nicht mehr aufhören. Das ist kein Wunder, schließlich begleitet ihn die Kunst bereits seit 50 Jahren - und dazu gehört auch das Denken. "Wenn ich denke, denke ich in Bildern. Ich denke nicht in Worten, das ist sicher. Worte sind viel zu langsam im Denken", erzählt der Künstler und ergänzt, "ich denke in Gefühlen!"

Der sympathische US-Amerikaner trägt Brille und ist komplett in schwarz gekleidet. Wenn man durch die Ausstellung "Mapping the world - 50 years of work" mit seiner Kunst geht, ist es interessant zu sehen, wie diese sich in den vergangenen 50 Jahren verändert hat: von der kleinen Bleistiftzeichnung, abstrakten Strichen hin zu großen Formen und kräftigen Farben. 

"Ich gehe vom Objekt zum Subjekt. Ich konzentriere mich auf die Erfahrung und nicht auf das Objekt selbst, denn seit dem Surrealismus muss ich mich hauptsächlich mit dem Objekt befassen. Ich bin das Gegenteil des Formalismus - ich möchte auf das Bild eingehen."

Drei Etagen mit Kunst von Matt Mullican in St. Annen

Die Ausstellung erstreckt sich in der Kunsthalle St. Annen über drei Etagen und ist in die Lebens- und Arbeitsphasen von Mullican eingeteilt. Unten geht es los mit einzelnen abstrakten Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Sie liegen unter einer Glasplatte auf drei großen Holztischen.

Matt Mullicans Kunstwerk: "That world where cartoon characters roam (Subject Sign Frame)" von  2013 © Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich
Dieses Kunstwerk trägt den Titel "That world where cartoon characters roam (Subject Sign Frame)" und stammt von 2013.

Eine Etage höher hängen insgesamt 64 Bettlaken, die Mullican in den 1970er-Jahren bedruckt und bezeichnet hat: oft schwarz-weiß mit einzelnen abstrakten Strichen, auf anderen sind bunte Kreise zu sehen. Matt Mullican arbeitet mit vielen Materialien, etwa mit "Buntglas, mit virtueller Realität, mit Beton. Ganz oben ist eine Steinmetzarbeit, da sind Neonlichter. Ich habe Fahnen, ich habe Abreibungen, ich habe auch Glas geblasen." Es seien verschiedene Materialien, zum Beispiel Platten aus einer Enzyklopädie. "Das sind Objekte aus den frühen 1990er-Jahren, die ich gemacht habe."

Max Schön, Vorsitzender der Possehl-Stiftung in Lübeck, ist fasziniert von dieser Etage: "Mich berührt die oberste Etage, wo er aus einem alten Wissenschaftsbuch die Seiten, die ihm am wichtigsten waren auf Magnesiumplatten gebracht hat. Alle Magnesiumplatten stehen da wie so ein 'Wikipedia', was im Raum ist." Es gebe auch eine Bibliothek, bei der man nicht nur die Buchrücken erkennen können: "Man sieht alle Seiten von dem Buch und plötzlich stehe ich sozusagen in dem Buch." Das findet Max Schön beeindruckend.

Die kupferfarbenen Platten, die ungefähr eine Größe von DIN-A3 haben, stehen neben- und übereinander und lehnen an den Wänden. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Man müsse nicht so tief eintauchen in die Sphären der Kunst, die Mullican mit seinen Farben und Symbolen geschaffen habe: "Es macht einfach etwas mit einem", meint Schön.

Freude über den Possehl-Preis, Begeisterung für die Stadt Lübeck

Das ist es auch, warum Matt Mullican mit dem Possehl-Preis für internationale Kunst ausgezeichnet wird - sein faszinierendes Lebenswerk, das bis heute Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen hat. Bis 2019 war Mullican Professor für zeitbezogene Medien an der HfBK Hamburg, derzeit lebt und arbeitet er in Berlin und New York.

Für Mullican ist der mit 25.000 Euro dotierte Preis eine riesige Ehre. "Das ist mein erster Preis und es ist wunderbar. Ich bin 71 und habe einen Preis bekommen, das ist toll! Außerdem hat Lübeck eine wunderschöne Altstadt." Er habe viel über die Geschichte erfahren und sei im Hansemuseum gewesen: "Das war wunderschön."

Der Possehl-Preis wird seit 2019 alle drei Jahre verliehen. Die Ausstellung "Mapping the world - 50 years of work" ist vom 30. Oktober an bis zum 8. Januar 2023 in Lübeck zu sehen.

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US-Künstler Matt Mullican: "Bin das Gegenteil des Formalismus"

Am Sonnabend wurde der US-Künstler in Lübeck mit dem Preis für sein Lebenswerk geehrt. Ab Sonntag zeigt die Kunsthalle St. Annen Werke aus 50 Jahren seines Schaffens.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle St. Annen
St. Annen-Straße 15
23552  Lübeck
Telefon:
0451-122-4137
E-Mail:
mq@luebeck.de
Hinweis:
Ausstellung: "Mapping the world - 50 years of work"
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 29.10.2022 | 07:20 Uhr

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