Schauspieler und Regisseur Bjarne Mädel (m.) kniet beim Filmfest Hamburg mit Filmhund Cord ein belgischer Schäferhund der Rasse Lekonois - bei der Premiere seines Regiedebüts "Sörensen hat Angst" © Georg Wendt/ dpa Bildfunk Foto: Georg Wendt

Filmfest Hamburg: Mehr als 13.000 Besucher im Kino

Stand: 05.10.2020 09:47 Uhr

Mit dem Film "Nomadland" ist das Filmfest Hamburg am Sonnabend zu Ende gegangen. Mehr als 13.000 Besucher sahen die Filme im Kino, das Streaming-Angebot wurden von knapp 2.500 Usern genutzt.

Das Filmfests Hamburg war eines der ersten größten deutschen Filmfestivals seit Beginn der Corona-Pandemie. Insgesamt waren 76 Filme im Programm - etwa halb so viele Produktionen wie in den vergangenen Jahren. Das Filmfest hat in den Kinos, in denen nur etwa 30 Prozent der Plätze besetzt wurden, 13.690 Besucherinnen und Besucher begrüßen dürfen. Im vergangenen Jahr hatten dem Veranstalter zufolge noch rund 45.000 Menschen das Filmfest besucht. Aufgrund der Corona-Platzbeschränkungen in den Kinos wurden für einige Produktionen auch Streamingtickets angeboten. Das digitale Filmangebot wurde von rund 2.500 registrierten Usern genutzt.

Publikumspreis für "Gunda"

Das Schwein "Gunda" berührt ein Ferkel liebevoll mit der Nase. © Filmwelt Verleihagentur
Liebevoll berührt Gunda ihr Junges mit der Schnauze: Der Film zeigt die Tiere als einfühlsame Geschöpfe.

Der Dokumentarfilm "Gunda", der in Norwegen und in den USA produziert wurde, erhielt den Publikumspreis, den einzigen Preis, der in diesem Jahr im Rahmen des Festivals vergeben wurde. "Gunda" zeigt das Alltagsleben eines Schweines, eines einbeinigen Huhns und zweier Kühe und wurde auf einem Bauernhof in Norwegen gedreht. Regisseur Victor Kossakovsky hat den Film komplett in Schwarz-Weiß gedreht und zeigt die Tiere als Geschöpfe mit eigener Wahrnehmung und eigenem Empfinden. Ohne anzuklagen nimmt der Film somit aktuelle Fragen zu der Einstellung gegenüber Nutztieren und deren Haltung auf. "Gunda" wurde von Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix koproduziert und feierte seine Weltpremiere Anfang des Jahres auf der Berlinale. Im Februar 2021 soll er in die deutschen Kinos kommen.

Filmfest Hamburg: Starke deutsche Produktionen

Aufgrund der Corona-Pandemie ließen sich auf dem zehntätigen Festival fast ausschließlich deutsche Filmschaffende auf dem roten Teppich in Hamburg blicken. Moritz Bleibtreu präsentierte seinen Psychothriller "Cortex", der nicht nur in Hamburg zum ersten Mal gezeigt wurde, sondern auch in Hamburg gedreht wurde und am 22. Oktober in die Kinos kommen wird. Schauspieler Sebastian Blomberg kam zur Aufführung von "Curveball - Wir machen die Wahrheit". Der Geheimdienst-Thriller zeigt, wie die erfundene Geschichte eines vermeintlichen Informanten für den Irakkrieg politisch ausgenutzt wurde und kommt im November in die Kinos.

Am Eröffnungsabend wurde Oskar Roehlers Drama "Enfant Terrible" gezeigt - ein Film über den Autor und Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Für Festival-Chef Albert Wiederspiel genau der richtige Paukenschlag zum Auftakt: "Der Film polarisiert. Aber ich finde, das gehört auch zu einem Festival. Es muss nicht immer nur alles 'Friede-Freude-Eierkuchen' sein". Regisseur Oskar Roehler und Hauptdarsteller Oliver Masucci sowie Peter Lohmeyer, Victoria Trauttmansdorff und Alexander Scheer waren beim Eröffnungsabend des Filmfestes in Hamburg zu Gast.

Internationale Produktionen mit sozialkritischem Blick

Frances McDormand in dem Film "Nomadland" von Chloé Zhao © picture alliance/Everett Collection
Im Film "Nomadland" beginnt die 60-jährige Fern (gespielt von Frances McDormand) ein Leben als Nomadin. Der Film soll im Februar 2021 in die deutschen Kinos kommen.

Neben zahlreichen deutschen Filmen bot das Filmfest aber auch einen interessanten Blick auf internationale Produktionen. Unter anderem wurde das Drama "Sohn - Mutter" der Regisseurin Mahnaz Mohammadi gezeigt, das einen kritischen Einblick in die iranische Gesellschaft gibt. Ein Highlight des Filmfestes war der kanadische Film "Antigone", in dem die antike Tragödie zeitgemäß in die Geschichte einer nach Montreal ausgewanderten Berber-Familie verpackt wurde. Als Abschlussfilm des Festivals durfte das Filmfest Hamburg den bereits bei den Filmfestspielen von Venedig mit einem Goldenen Löwen ausgezeichneten Film "Nomadland" präsentieren, in dem eine 60-jährige Frau aus wirtschaftlicher Not ihr Leben in einer amerikanischen Kleinstadt aufgibt und ein Leben als Nomadin beginnt.

Restaurierte Meisterwerke beim Filmfest Hamburg

Doch nicht nur aktuelle Produktionen wurden beim Filmfest Hamburg gezeigt, auch einige historische Filmwerke waren im Programm. Darunter eine restaurierte Fassung des ersten sowjetischen Tonfilms "Donbass" aus dem Jahre 1931. Auch Fatih Akins Spielfilmdebüt "Kurz und schmerzlos" aus dem Jahre 1998 wurde in einer restaurierten Fassung gezeigt. Der Regisseur und die Schauspieler Adam Bousdoukos und Regula Grauwiller kamen zur Aufführung nach Hamburg.

Viel Norddeutsches in der Fernseh-Sektion des Filmfestes

In der Fernseh-Sektion sind viele Filme mit norddeutschem Bezug gezeigt worden. Darunter "Sörensen hat Angst" mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle. Bei der Verfilmung des Romans von Sven Stricker führte Mädel erstmals auch Regie. Beim Filmfest brachte Mädel nicht nur Filmhund Cord mit, sondern sprach auch mit NDR.de über seine erste Regiearbeit.

Regisseur Oliver Schwabe hat der Hamburger Schauspielerin Helga Feddersen einen eigenen Film gewidmet. Im Dokumentarfilm "Helga - Die zwei Gesichter der Feddersen" zeigt er mit Archivaufnahmen und Interviews mit Weggefährten wie Christine Zierl, Karl Dall und Didi Hallervorden einfühlsam die zwei Gesichter der häufig als "Ulknudel" bezeichneten Schauspielerin. Das NDR Fernsehen zeigt den Film am 7. Oktober, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, ab 0 Uhr. In der ARD Mediathek ist er bereits zu sehen.

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Schauspieler und Regisseur Bjarne Mädel (m.) beim Filmfest Hamburg bei der Premiere seines Filmes "Sörensen hat Angst" mit Schauspielerin Anna-Lena Schwing © NDR Foto: Patricia Batlle

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 05.10.2020 | 19:00 Uhr

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