Stand: 06.03.2019 14:19 Uhr

"Beale Street" mit Oscar-Gewinnerin Regina King

Beale Street
, Regie: Barry Jenkins
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Alle Schwarzen seien irgendwie in der Beale Street zu Hause - schrieb der afroamerikanische Autor James Baldwin 1974 in seinem Roman "Beale Street Blues", der inspiriert wurde von dem gleichnamigen Song von Mahalia Jackson. Nun hat der Oscar-Gewinner Barry Jenkins Baldwins Buch für das Kino adaptiert. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Fonny, gespielt von Stephan James, und Tish, dargestellt von Kiki Layne.

Unschuldig im Gefängnis

Die eigentlich frohe Nachricht, die Nachricht einer glücklichen, zumindest hoffnungsfrohen Zukunft, erfährt der Held dieses Films hinter einer dicken Glasscheibe. Durch das Besuchertelefon des Gefängnisses. Abgetrennt von der Frau, die er liebt, und die das gemeinsame Kind im Bauch trägt.

Fonny, der aus der Schule und aus ein paar Jobs geflogen ist, hatte gerade seinen Weg als Bildhauer gefunden, als ihn eine traumatisierte Latinoamerikanerin fälschlich der Vergewaltigung bezichtigte. Wahrscheinlich wurde sie von einem rassistischen Polizisten manipuliert. Nun wendet sich Tish, Fonnys Verlobte, an uns, die Zuschauer und Zuschauerinnen, mit den Fakten ihrer noch so jungen Geschichte.

Wechsel von Vor- und Rückblicken

Barry Jenkins erzählt die Geschichte der beiden Afroamerikaner Tish und Fonny als melancholische Ballade der 70er-Jahre, unterlegt und sanft vorangetrieben von den Geigenteppichen seines Herzenskomponisten Nicholas Britell, der auch den Soundtrack zu Jenkins' Oscargewinner-Film "Moonlight" schrieb.

Er geht nicht chronologisch vor, sondern im Wechsel von Vor- und Rückblicken, fragmentarisch, mit variierenden Tonlagen, manchmal auch mit leiser Komik. Etwa wenn Trishs warmherzige Mutter Sharon ihrer Tochter hilft, Fonnys frömmelnder Mutter die Nachricht der Schwangerschaft zu überbringen. Die, gelinde gesagt, nicht auf Begeisterung stößt.

Kiki Layne spielt Tish als zartes, sanftes Wesen, das dem Geliebten unverbrüchlich die Treue hält. Sie ist ein wenig zu zurückhaltend, zu lieblich, im Verhältnis zur forschen, pragmatischen Heldin von James Baldwins Romanvorlage. Stephan James wiederum überzeugt im Wechsel von Sanftheit und Entschlossenheit. Mit hintergründigem Lächeln spielt er diesen frisch verliebten jungen Mann, dem das Leben keine Chance lässt. Jedenfalls das Leben, das bestimmt wird von einer Justiz, die ihre Arbeit nicht macht. Etwa, weil ein schwarzer Vergewaltiger immer die bequemste Lösung eines Falles ist.

Justizwillkür gegen Schwarze

Mit dokumentarischen Aufnahmen evoziert Barry Jenkins auch die gegenwärtige Gewalt gegen Schwarze - und lässt sie ineinanderfließen mit dem gewalttätigen Polizei- und Justizapparat der 70er-Jahre. Es ist ein System, das Schwarze, wie etwa Fonnys Freund Daniel, wegen Autodiebstahls für Jahre hinter Gitter bringt, obwohl dieser nicht einmal Auto fahren kann.

Die Wut von "Malcolm X" fehlt "Beale Street" gänzlich. Nur eine Figur verkörpert Kraft, Elan, und eine kämpferische Energie gegen die Verhältnisse: Tishs Mutter Sharon, für deren Darstellung Regina King zurecht den Oscar der besten Nebendarstellerin bekam. In einer bewegenden Sequenz reist sie nach Puerto Rico, auf der Suche nach der Anklägerin ihres Schwiegersohnes. Es ist eine verzweifelte Aktion, die zunächst zum Mann des Vergewaltigungsopfers führt.

"Beale Street" ist eine schöne, melancholische Ballade, etwas zu schön für das Thema. Zu warm sind die Farben, zu stimmungsvoll sind die Hintergründe ausgeleuchtet, zu schmeichelnd ist die Musik. So schmiegt sich Barry Jenkins' Film - ohne es zu wollen - etwas zu sehr an die Zustände an, von denen er erzählt.

Beale Street

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit KiKi Layne, Stephan James, Regina King
Regie:
Barry Jenkins
Länge:
119 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
7. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 07.03.2019 | 07:20 Uhr

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