Regisseur und Schauspieler Moritz Bleibtreu (r.) bei der Weltpremiere seines Filmes "Cortex" © Georg Wendt / dpa bildfunk Foto: Georg Wendt

"Cortex": Moritz Bleibtreu spricht über sein Regiedebüt

Stand: 22.10.2020 12:57 Uhr

Viele renommierte Schauspieler wechseln nach einer gewissen Zeit ins Regiefach. Nun gehört auch Moritz Bleibtreu dazu.

Bleibtreus langgehegter Wunsch eine komplexe Erzählstruktur auf die Leinwand zu bringen heißt "Cortex", ein düsterer Mystery-Thriller zu dem er auch das Drehbuch verfasst hat, in dem er die Hauptrolle spielt und in dem viel von dem Kino zu sehen ist, das ihn beeinflusst hat.

"Cortex" ist düster und verworren und erinnert in einiger Hinsicht an Filme von den Kollegen David Lynch oder Christopher Nolan, auf dessen Film "Inception" sich sogar einmal direkt bezogen wird…

Moritz Bleibtreu: Der Film ist bis zu einem bestimmten Grad eine Hommage an bestimmte Leute, an eine bestimmte Art von Kino. Bei einigen bewusst, zum Beispiel Christopher Nolan, dessen "Memento" für mich bahnbrechend war. Damals dachte ich schon, so eine komplexe Erzählstruktur, die ich bislang nur aus der Literatur kannte und nicht aus Film, so etwas würde ich gern mal machen. Und Nolan wird dann eben auch mit "Inception" zitiert. Aber da steckt sicher auch ganz viel auch unbewusst drin, was sich eher auf den zweiten Blick offenbart, denn ich habe nicht wissentlich mit Zitaten um mich geschmissen.

Viele Frage bleiben offen, das ist ganz schön verwirrend…

Bleibtreu: Es gibt sicher eine Menge Leute, die sagen, ein Film muss sich zu 100-prozentig aus sich selbst heraus erklären. Zu denen gehöre ich halt nicht. Ich persönlich mag es sehr, wenn ein Film mich auf eine falsche Fährte führt, mich hier fallen lässt und da wieder abholt, mich eben verwirrt.

Das ist für das Publikum ziemlich anstrengend.

Bleibtreu: Ich habe Filme ja nie gemacht, weil ich mir eine Reaktion vom Publikum erhofft habe oder weil ich erfolgreich sein wollte oder moralisch oder irgendwas. Ich habe die Sachen, die ich gemacht habe, eigentlich immer nur gemacht, weil ich sie selbst machen wollte. Das ist also eigentlich ein ziemlicher Ego-Trip, der mich aber vor Kritik schützt. Denn es war nie mein Anspruch es allen gerecht zu machen, also hat auch jeder das Recht, den Film scheiße zu finden, das ist dann auch okay für mich. Denn es war ja nicht mein Anspruch es allen recht zu machen.

Drehbuch, Regie, Hauptrolle - ist der Schauspieler Bleibtreu dem Regisseur immer gerecht geworden?

Bleibtreu: Es war eher Zufall, dass ich die Hauptrolle übernommen habe. Ehrlich gesagt war das gar nicht der Plan, aber zu dem Zeitpunkt, an dem wir dann doch entschieden haben, zu drehen, stand gerade niemand anderes wirklich zur Verfügung, der infrage gekommen wäre. Und ich wollte niemanden besetzen, der nicht meinen Vorstellungen entsprach - oder der sich mit der Rolle nicht wohl fühlte. Also habe ich mir gedacht, das Beste ist, du machst es selbst!

Gibt es dann so etwas wie eine "Autokorrektur", wenn die Dinge mal nicht so in die Richtung laufen, wie sich das der Autor so vorgestellt hat?

Bleibtreu: Ja klar, es hat nicht alles dem entsprochen, was ich mir damals in meinem stillen Kämmerlein vorgestellt habe, als ich die Geschichte geschrieben habe. Aber im besten Falle findet man dann einen Mittelweg, eine Symbiose, wie immer im Leben. Und da ist dann auch das Loslassen ganz wichtig. Im Übrigen geht es auch in "Cortex“"um nichts anderes.

Bei der restlichen Besetzung, Jannis Niewöhner, Nadja Uhl und Marc Hosemann sind mit von der Partie, war da die schauspielerische Erfahrung von Vorteil?

Bleibtreu: Ich glaube schon, denn wenn man das Schauspiel selbst kennt, weiß man besser, wo ein Kollege sich gerade befindet, was ihn nervös macht oder wie er sich gerade fühlt. Andererseits konnte ich mit Schauspielraugen beobachten, was zum Beispiel Nadja Uhl aus manch einer Szene gemacht hat, wo ich dachte: Wow, was spielt sie da? Das war großartig!

Das Interview führte Bettina Peulecke.

Weitere Informationen
Moritz Bleibtreu als Hagen - Szene aus "Cortex" © Warner Bros /Port au Prince Film und Kultur Produktion Foto: Gordon Timpen

"Cortex": Moritz Bleibtreus düsteres Regiedebüt

Moritz Bleibtreus Regiedebüt "Cortex" ist düster und verworren. Es spielt mit Wahrnehmung, Wahn und Wirklichkeit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.10.2020 | 06:55 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/film/Interview,bleibtreu242.html

Mehr Kultur

Gerhard Henschel, Frank Schulz © MichaelAust, Susanne Schleyer Foto: MichaelAust, Susanne Schleyer

Der Norden liest in Kiel: Line Hoven und Jochen Schmidt

Line Hoven und Jochen Schmidt lesen in Kiel aus "Paargespräche". Sehen Sie hier den Livestream ab 20 Uhr. Video-Livestream

Diana Damrau, Sopranistin © Jürgen Frank Foto: Jürgen Frank

"Royal Affairs": Diana Damrau heute live in concert

Opern-Weltstar Diana Damrau gibt exklusiv.es Konzert mit NDR Radiophilharmonie: als Video-Livestream und auf NDR Kultur. mehr

Szene aus dem Film "Das Geheimnis des Totenwaldes" mit Matthias Brandt und Karoline Schuch © NDR/ConradFilm, Bavaria Fiction 2020

"Göhrde-Morde": Die Hintergründe des wahren Kriminalfalls

Die "Göhrde-Morde" sorgten Ende der 80er-Jahre für Aufsehen. Um den für das Erste verfilmten Kriminalfall gibt es ein großes Angebot. mehr

Amanda Seyfried als Marion Davies und Gary Oldman als Herman Mankievicz - Szene aus dem Spielfilm "Mank" von David Fincher © Netflix

"Mank" - Finchers Reflektion über Hollywoods Goldene Ära

David Fincher klärt im Netflix-Film "Mank", wer das Drehbuch zu "Citizen Kane" schrieb: Orson Welles oder Herman J. Mankiewicz? mehr