Stand: 22.04.2019 11:55 Uhr

Michael Caine als alternder Juwelenräuber

Ein letzter Job
, Regie: James Marsh
Vorgestellt von Krischan Koch

Senioren auf kriminellen Abwegen sind im Kino derzeit im Trend. Der fast 90-jährige Clint Eastwood war in "The Mule" gerade als Drogenkurier unterwegs und der ebenfalls nicht mehr ganz junge Robert Redford überfällt als "Gauner und Gentleman" reihenweise Banken. Im neuen Film "Ein letzter Job" ist der 86-jährige Michael Caine als alternder Juwelenräuber in den deutschen Kinos zu sehen.

Brian Reader (Michael Caine, l.) und Danny Jones (Ray Winstone, r.) © Studiocanal

Filmtrailer: "Ein letzter Job"

Eine Ganovenbande knackt in "Ein letzter Job" einen Safe. Der Kopf der Bande, der alternde Juwelenräuber Brian Reader, wird von Michael Caine gespielt.

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Der Fall ist authentisch und ging als größter Juwelenraub aller Zeiten in die Kriminalgeschichte Großbritanniens ein. 2015 erbeutete eine Rentner-Gang aus dem Tresorraum des Hatton-Garden-Depots Diamanten im Wert von 200 Millionen Pfund. Kopf der Bande ist Brian Reader, im Film gespielt von Michael Caine, der sich nach dem Tod seiner Frau nicht mit dem Rentnerdasein abfinden mag. Neben den sechs Senioren ist auch ein Newcomer dabei. Der junge Elektriker Basil ist Spezialist für Alarmanlagen und redet nicht viel.

Ohne Treppenlift in den Tresorraum

Über die Ostertage steigt die Gang in das Depot ein. Sie legen Alarmanlagen und Videoüberwachungen lahm und arbeiten sich mit einem Spezialbohrer erfolgreich durch eine 50 Zentimeter dicke Betonwand. Doch das Alter fordert seinen Tribut. Der Mann am Bohrer braucht zwischendurch seine Insulinspritze. Ausgerechnet der Schwerhörige muss Schmiere stehen. Und mit der neuen Hüfte wird die Klettertour in den Tresorraum zur Tortur. Dabei gerät die Truppe immer wieder in Streit.

Die späten Coups der Rentnerganoven funktionieren alle nach demselben Strickmuster. Auch "Der letzte Job" bezieht seine Komik aus dem betagten Alter seiner Helden, denen man solch coole Cleverness nicht mehr zutraut. Wie sich Michael Caine und Jim Broadbent mit ihren Zipperlein herumschlagen, ist zu Beginn recht launig. Die knappen Dialoge sitzen, etwa bei der Frage, ob man ohne Treppenlift überhaupt in den Tresorraum kommt.

Amüsant, aber nicht atemberaubend

Doch dann wiederholen sich die Witze über Schwerhörigkeit und Inkontinenz. Am Ende besinnt sich der Film auf seine reale Vorlage und entwickelt sich zum bierernsten Gangsterdrama. Bei der Verteilung der Beute versuchen sich die Panzerknacker gegenseitig zu hintergehen. Bei der Abwicklung des Coups gehen der Schwung und vor allem der Witz leider verloren. Dem lässig aufspielenden Michael Caine beim Safeknacken zuzusehen ist ganz amüsant, aber alles andere als atemberaubend.  Ein allzu gemächlicher Rentnercoup.

Ein letzter Job

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Michael Cain, Tom Courtenay und Jim Broadbent
Regie:
James Marsh
Länge:
108 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
25. April 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 23.04.2019 | 11:55 Uhr

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