Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) hat unbeugbare Grundsätze. © NDR/Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

"Feinde" in der ARD: Ein Fall - zwei Perspektiven

Stand: 02.01.2021 00:01 Uhr

Was ist Recht? Und was ist Gerechtigkeit? Diese Fragen nimmt kaum einer so meisterlich auseinander wie der Bestsellerautor und Jurist Ferdinand von Schirach. So auch in seinem neuen Fernsehprojekt "Feinde", das am 3. Januar in Das Erste um 20.15 Uhr läuft.

von Julia Jakob

Der Clou diesmal: Der Kriminalfall - die Entführung einer Teenagerin - wird aus zwei Perspektiven erzählt. Ein Film folgt dem ermittelnden Beamten, der andere dem Strafverteidiger. Und am Ende dürfen die Zuschauer entscheiden, ob er hier richtig gehandelt wurde.

Weitere Informationen
Auf dem Weg zur Schule wird die zwölfjährige Lisa von Bode entführt. Ihre Eltern erhalten kurz darauf eine Lösegeldforderung: fünf Millionen Euro in Bitcoins. Für den erfahrenen Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) gibt es schon bald keinen Zweifel, dass der Täter aus dem Nahbereich der wohlhabenden Familie kommen muss. © NDR/Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

Ferdinand von Schirach: Feinde - Gegen die Zeit

Zwei Filme erzählen aus unterschiedlichen Sichtweisen die Geschichte einer Entführung und die Festnahme eines Tatverdächtigen. mehr

Nach der ersten Szene trennen sich die Erzählwege

Die Entführungsszene ist in beiden Filmen gleich, aber kurz danach trennen sich ihre Erzählwege. "Feinde - Gegen die Zeit" folgt im Ersten dem ermittelnden Kommissar Nadler, gespielt von Bjarne Mädel. Nadler hat schnell einen Verdächtigen ausgemacht und fürchtet um das Leben des entführten Mädchens. Er sieht nur einen Weg, um an Informationen zu kommen: Gewalt.

Realer Entführungsfall Jakob von Metzler als Vorbild

Vorbild für das Szenario war der reale Entführungsfalls des Bankierssohns Jakob von Metzler. Damals erzwang der damalige Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner mit Gewaltandrohung die Aussage des Verdächtigen. Daschner musste sich danach strafrechtlich verantworten. Im Film heißt er Nadler - und Schauspieler Bjarne Mädel kann sein Verhalten absolut nachvollziehen: "Der Polizist, den ich spiele steht exemplarisch für alle Eltern. Diese würden alles machen, um ihr Kind zu retten."

Krimi im Ersten, Justizdrama in den dritten Programmen

Das sieht Strafverteidiger Biegler - gespielt von Klaus Maria Brandauer - ganz anders. Seine Perspektive unter dem Titel "Feinde - Das Geständnis" wird ebenfalls um 20.15 Uhr gesendet - auf allen dritten Programmen. Darin wird eine ganz andere Geschichte erzählt. Der Film im Ersten erzählt einen Krimi, der Film in den dritten Programmen ein Justizdrama. "Es gibt einen entscheidenden Punkt, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Es ist die Frage des Anwalts: Wer entscheidet denn im konkreten Fall, ob man Gewalt anwenden darf, um Informationen zu erhalten und ob man das nicht darf?" Der Film mache deutlich, dass schnell eine Tür zu Machtmissbrauch und Willkür geöffnet werden könne. "In so einem Land wollen wir auch nicht leben", so Mädel.

Weitere Informationen
Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer, re.) und sein Assistent Salomon Weider (Marc Hosemann, li.) verteidigen Kelz (Franz Hartwig) in der Verhandlung. © NDR/Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

Ferdinand von Schirach: Feinde - Das Geständnis

Zwei Filme erzählen aus unterschiedlichen Sichtweisen die Geschichte einer Entführung und die Festnahme eines Tatverdächtigen. mehr

Am Ende ist das Publikum gefragt: Freispruch oder nicht?

Was beide Filme und die Geschichten von Schirach allgemein immer wieder ausmachen: die Frage nach Recht und Gerechtigkeit. Egal, für welche Version sich die Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden, beide Perspektiven bieten eine hohe Spannung. Nur wenige Szenen doppeln sich - wie etwa die Entführung oder das Gespräch mit den Eltern - ansonsten ist jede Version eine ganz eigene Geschichte. Am Ende, egal ob man nun den Krimi oder das Justizdrama gesehen hat, ist wieder das Publikum gefragt: Soll Nadler freigesprochen oder verurteilt werden?

Weitere Informationen
Petra Schmidt-Schaller als Kommissarin Lona Mendt in der NDR/ARD Degeto Produktion "Die Toten von Marnow" © NDR / ARD Degeto

ARD 2021: Neue Krimis und Serien im TV und in der Mediathek

Das neue Jahr wird spannend: Die ARD hat für 2021 viele neue Krimis und Serien im Programm. Manche auch exklusiv in der Mediathek. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 03.01.2021 | 09:00 Uhr

Mehr Kultur

Sörensen (Bjarne Mädel) sitzt am Schreibtisch. Davor liegt Hund Cord. © Claussen+Putz Filmproduktion GmbH Foto: Michael Ihle

"Sörensen hat Angst": Spagat zwischen Humor und Ernst

Kommissar Sörensen hofft, in der ländlichen Idylle Ruhe zu finden. Dann aber sitzt plötzlich Bürgermeister Hinrich tot in seinem Stall. mehr

Joe Biden © picture alliance/dpa/AP Foto: Evan Vucci

Amtseinführung Joe Bidens: Das schwere Erbe von Donald Trump

Die Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke spricht über die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten Joe Biden. mehr

Frau mit einer Augenklappe - Szene aus dem Stück "Paradies" am Thalia Theater © Krafft Angerer

Lessingtage: Hamburger Theaterfestival startet online

Fast alle Inszenierungen des Streaming-Festivals am Hamburger Thalia Theater können kostenfrei geschaut werden. mehr

Claudia Christophersen © NDR Foto: Christian Spielmann

Abschied von der Macht: Die Ära Donald Trump geht zu Ende

Es gibt sie noch, die Themen neben Corona, gerade in diesem neuen Jahr 2021. Eines ist der Machtwechsel in den USA. mehr