Stand: 05.02.2019 09:31 Uhr

Wie Pferde traumatisierte Soldaten heilen

Stiller Kamerad
, Regie: Leonhard Hollmann

Ein kleiner Auslöser kann genügen, und der Krieg ist wieder da. Die Panik, die Angst. Explosionsgeräusche, Schreie, die Bilder Verletzter und Toter. Zahlreiche Soldaten, die im Auslandseinsatz waren, erleiden später in ihrer Heimat eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS. Im Kopf geht der Krieg immer weiter. Der Dokumentarfilm "Stiller Kamerad" zeigt, wie eine Therapie mit Pferden den traumatisierten Menschen helfen kann.

Laut einer aktuellen Meldung geht die Zahl der an Kriegstraumata erkrankten Soldaten kaum zurück, obwohl 2014 der Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan beendet wurde. Bei 182 Soldatinnen und Soldaten wurde 2018 eine posttraumatische Belastungsstörung neu diagnostiziert - zwölf mehr als im Jahr 2017. Umso wichtiger, dass sie umfassende Hilfe bekommen.

Trauma-Therapie mit Pferden

Die Therapeutin Claudia Swierczek, die in Vielank in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert, hat eine ganz besondere Methode entwickelt. Sie arbeitet mit Pferden und hilft Soldaten, bei denen andere Therapien nicht erfolgreich waren. Drei von ihnen haben sich mit der Kamera begleiten lassen.

Mandy war als Sanitäterin im Kosovo. Roman und Oliver waren in Afghanistan. "Alle drei berichten davon, dass sie sich das Leben genommen hätten, wenn es so weitergegangen wäre wie bisher", sagt der Regisseur Leonhard Hollmann.

Die Therapie hilft, ist aber nicht anerkannt

Sie seien vor die Kamera gegangen, erzählt Hollmann, "weil sie alle das Gefühl hatten: 'Anderes hat mir nicht geholfen, und das hier hilft mir endlich! Und ich kenne ganz viele, denen das andere auch nicht geholfen hat und denen das hier guttun würde. Das müssen wir weitererzählen, und wir müssen dafür kämpfen, dass diese Therapie anerkannt wird. Dafür stehen wir in diesem Film zur Verfügung.'"

Die Bundeswehr bezahlt die Therapie bisher nicht. Erst müsse wissenschaftlich bewiesen werden, dass sie wirkt. Letztlich bleibt es ein Geheimnis, wie genau die stillen Tiere den Menschen mit ihren komplexen Fragen und Gefühlen helfen. Der Film jedenfalls zeigt beeindruckend, wie die traumatisierten Menschen zurück ins Leben finden.

Kino-Termine im Norden

  • 10. Februar: Northeim - Neue Schauburg
  • 11. Februar: Uelzen - Central-Theater Uelzen
  • 12. Februar: Lohne - Capitol Kino | mit Regiegespräch
  • 13. Februar: Oldenburg - Casablanca Kino | mit Regiegespräch
  • 17. Februar: Wildeshausen - LiLi-Servicekino
  • 19. Februar: Kiel - Kino in der Pumpe
  • 24. Februar: Hamburg - Zeise Kino | mit Regiegespräch

Stiller Kamerad

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Leonhard Hollmann
Länge:
88 Min.
FSK:
12 Jahre
Kinostart:
7. Februar 2019

Dieses Thema im Programm:

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