VIDEO: Martin Tingvall im Solokonzert (55 Min)

"Die Toten von Marnow": So entstand der düstere Soundtrack

Stand: 18.03.2021 23:30 Uhr

Die letzten Folgen der Krimi-Serie "Die Toten von Marnow" wurden am Donnerstag im Ersten ausgestrahlt. Der in Hamburg lebende Schwede Martin Tingvall steckt hinter der Musik zur düsteren Serie.

Petra Schmidt-Schaller als Lona Mendt in "Die Toten von Marnow" © NDR/Polyphon Foto: Philipp Sichler
Beitrag anhören 5 Min

von Ocke Bandixen

Viele haben sich schon am Fernseher einfangen lassen von der düsteren Spannung der NDR Serie "Die Toten von Marnow", die vom 16. März bis zum 18. März im Ersten lief - alle Folgen sind in der ARD-Mediathek zu finden. Der Mehrteiler um einen Serienmörder und eine dunkle Vergangenheit hat seinen Sog auch durch die besondere Filmmusik entfacht. Geschrieben hat sie der in Hamburg lebende Schwede Martin Tingvall.

"Die Toten von Marnow": Soundtrack von Martin Tingvall

Der schwedische Pianist Martin Tingvall © NDR Foto: Mischa Kreiskott
Der Pianist Martin Tinvgvall erhielt 2019 den deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie "Komposition Jazz/Crossover".

Nur wenige Akkorde, dann ist man durch die Musik von Martin Tingvall mittendrin in der Hitze der Mörderjagd. 360 Minuten Film, die der Komponist immer und immer wieder gesehen hat. Er erzählt, wie so ein Soundtrack bei ihm entsteht: Er setze sich hin, drücke beim Sichten auf Aufnahme und sitze dabei am Klavier. "Dann kommen normalerweise ein paar gute Ideen."

Es ist nicht die erste Filmmusik, die Martin Tingvall geschrieben hat. Für den Tatort hat er schon mehrere Soundtracks komponiert, auch in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Herzog. Für "Die Toten von Marnow" musste Tingvall seine Melodien den Personen anpassen, maßgeschneidert sozusagen. "Ich fand die Bilder so stark, die Hauptfiguren. Die Kunst ist, und da habe ich sicher noch viel zu lernen, dass man nicht zu viel macht", sagt der Schwede.

Spannung in den Akkorden, ein paar musikalische Phrasen, die nach einer Auflösung drängen, Wiederholungen, auch zum Wiedererkennen. Tingvalls Musik zur Serie ist als kurzes Album, als sogenannte EP, erschienen. Den beiden Hauptfiguren hatte er, ganz klassisch, jeweils ein musikalisches Thema zugeordnet.

"Marnow"-Soundtrack ist Ergebnis von Corona-Isolation

Der Soundtrack sei das Ergebnis seiner eigenen Corona-Isolation, erzählt Tingvall. Nach einem Urlaub waren seine Familie und er nicht nach Hamburg zurückgekehrt, sondern in Schweden hängen geblieben, in einem kleinen Haus in Südschweden - für die Arbeit an der Filmmusik ein Glücksfall. "Normalerweise bin ich ja Pianist und gebe Konzerte, zum Beispiel mit meinem Tingvall Trio. Aber das war ja nicht möglich."

Und so blieb er bei den Bildern und schrieb immer weiter. Man meint, den Liedern diese Konzentration anzuhören. Richtig versenkt habe er sich in die spannende Serie. Für einen Mehrteiler zu schreiben, sei für ihn neu gewesen, so Tingvall. Nicht nur die Spannung der Handlung, auch die der Musik sollte sich immer mehr steigern. Bis hin zu einem Showdown am Ende - und dem Lied "Redemption".

Song "Redemption" zur düstern Auflösung der Krimi-Serie

Der Song spiegelt schicksalhaft, düster, die Auflösung des Falles. Die schwedischen Landsleute Anna Ottosson, eine langjährige Freundin Martin Tingvalls, und Christian Kjellvander singen das Lied. Kjellvander hatte der Komponist durch Zufall in seiner monatelangen Abgeschiedenheit gefunden - oder war es Schicksal? In jedem Fall passt es zu der geglückten Arbeit von Tingvall für "Die Toten von Marnow". Kjellvander kam vorbei, sang eine halbe Stunde lang. Und das war es: das Lied zur Serie.

Die achtteilige Krimiserie ist in der ARD Mediathek abrufbar. Im Ersten wurde sie in drei Filmfassungen ausgestrahlt. Dazu gibt es die ausführliche Podcast-Folge "Die Toten von Marnow" in der ARD Audiothek. Tinvalls Soundtrack ist im Handel erhältlich.

Weitere Informationen
Der Schriftsteller und Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt © privat Foto: Gil Ribeiro

Vom Drehbuch- zum Krimiautor: Holger Karsten Schmidt

Er hat mehr als 100 Drehbücher und sechs Romane geschrieben: der Grimme-Preisträger und Autor von "Die Toten von Marnow". mehr

Klinikapotheke der Universität Jena 1979 © picture alliance / Universität Jena | Universität Jena

Testen im Osten - Die westlichen Pharmatests in der DDR

Medikamententests westlicher Pharmafirmen bilden den Hintergrund zur Serie "Die Toten von Marnow". Was geschah in der DDR wirklich? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.03.2021 | 06:55 Uhr

Mehr Kultur

Blick ins Publikum beim Reeperbahn Festival auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg: Die Leute stehen und sitzen in Grüppchen in der Sonne. © Julian Rausche Foto: Julian Rausche

Reeperbahn Festival-Blog: Tag 4 - Das war's schon wieder

Vier lange Festival-Tage mit großen und kleinen Highlights liegen hinter NDR Musikjournalist Matthes Köppinghoff. Zeit für ein Resümee. mehr