Prof. Dr. Richard Pohl (Christoph Maria Herbst, r.) ermutigt Naima (Nilam Farroq, l.) vor ihrem ersten Debattierwettbewerb. © Constantin Film

"Contra": Christoph Maria Herbst als rassistischer Professor

Stand: 28.10.2021 20:03 Uhr

Mit Filmen wie "Der bewegte Mann" oder "Das Wunder von Bern" gehört Sönke Wortmann seit drei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten deutschen Filmregisseuren. Jetzt kommt sein Remake eines französischen Vorbildes ins Kino: "Contra" mit Christoph Maria Herbsts.

von Walli Müller

Der deutsche Erfolgsregisseur Sönke Wortmann hat den französischen Film für sich entdeckt: Nachdem schon seine Komödie "Der Vorname" auf einem französischen Original basierte, adaptierte er nun "Die brillante Mademoiselle Neila", eine Multi-Kulti-Komödie, in der ein Pariser Jura-Professor eine arabisch-stämmige Studentin fit für einen Rede-Wettbewerb machen muss. Das deutsche Remake kommt am Donnerstag unter dem Titel "Contra" in die Kinos.

Es gibt nur einen, der Daniel Auteuil in der Rolle des elitären Profs ersetzen und vielleicht sogar toppen kann: Christoph Maria Herbst. Er gibt in der deutschen Fassung - mit vollendetem Zynismus - den Jura-Professor an der ehrwürdigen Frankfurter Goethe-Universität. Bekannt für seine rhetorische Brillanz, berüchtigt für seine politische Inkorrektheit, die eine Studentin mit marokkanischen Wurzeln in seiner Vorlesung zu spüren bekommt.

- Sie sind zu spät!
- Entschuldigung!
- Ist das ein Befehl?
- Ich entschuldige mich.
- Man kann sich nicht selbst entschuldigen, Sie können nur darum bitten. Wissen Sie das nicht?
- Ich bin einfach nur fünf Minuten zu spät gekommen!
- Ja, aber in meinem, Kulturkreis bedeutet Pünktlichkeit noch etwas.
- Das ist doch Rassismus! Dialog aus "Contra"

Ein Video geht viral, Professor Pohl hat ein Problem

Ein Hörsaal voller Studierender hat es mitbekommen und irgendwer auch mitgefilmt. Das Video geht viral - Professor Pohl hat ein ernsthaftes Problem. Der Uni-Direktor macht ihm klar, dass er entlassen wird, wenn er sein Image nicht ganz schnell aufpoliert. Nein, er muss es mit Naima aufnehmen - die nun wirklich keine Lust hat, sich von diesem überheblichen "alten weißen Mann" belehren zu lassen. Sie sagt ihm das sogar ins Gesicht: "Wissen Sie was? Ich mag Sie nicht!" Daraufhin kontert der Professor: "Sagen Sie nicht, 'ich mag Sie nicht', das hat keine Schlagkraft. Sagen Sie: 'Sie haben nichts an sich, was man mögen könnte'."

"Contra": Herrlich verbaler Schlagabtausch in Sönke Wortmanns Komödie

Es entwickelt sich in "Contra" ein herrlicher verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden. Wortduelle zum Genießen; aber tatsächlich auch rhetorische Finesse, die der versierte Redner der gelehrigen Schülerin beibringt. Denn letztlich ist Naima klug genug, das Coaching im Debattieren als Chance für sich zu begreifen. 

- Sie wollen also die Todesstrafe wieder einführen? Sie stehen also auf der Seite des Todes?
- Ich stehe auf der Seite des Lebens. Punkt. Dies ist der Kunstgriff der Homonymie.
- Das heißt, Sie nehmen irgendein Wort aus dem Satz des Gegners und geben ihm eine andere Bedeutung. Gar nicht mal so schlecht.
-Natürlich nicht, sonst hätte ich es Ihnen nicht erzählt.“

Taxifahrer Mo (Hassan Akkouch, r.) gibt Naima (Nilam Farooq, l.) Halt und bringt sie auf andere Gedanken. © Constantin Film
Taxifahrer Mo (Hassan Akkouch, r.) gibt Naima (Nilam Farooq, l.) Halt und bringt sie auf andere Gedanken.

Es steckt - unterhaltsam verpackt - ein Sozial-Drama in dieser Komödie. Denn man lernt auch Naimas Lebenswirklichkeit im Frankfurter Brennpunkt-Wohnblock kennen, die meilenweit entfernt ist von der Bildungsbürgerwelt des Profs. Vorurteile und struktureller Rassismus sind für sie Alltag. Wer Naima Hamid heißt, bekommt nun mal kein Praktikum in einer deutschen Anwaltskanzlei. Eine gefühlte Chancenlosigkeit, die bei manchen dazu führt, dass sie gar nicht erst versuchen, etwas aus sich zu machen. Oder ist das nur eine bequeme Ausrede? "Contra" behandelt das Thema differenziert. Und überhaupt funktioniert Sönke Wortmanns Remake hierzulande besser, als das französische Original, weil das Drehbuch so gut "eingedeutscht" wurde.

- Sie sind Dietmar Bohlen.
- Dieter!
- Richtig, Dieter.
- Ich bin sicher nicht Dieter Bohlen!
- Doch, das sind die Spielregeln, und ich darf das bestimmen.
- Gut, dann sind Sie Bushido.
- Was ist ein Bushido?“ Dialog aus "Contra"

Nilam Farooq erhielt Bayerischen Filmpreis für die Rolle der Naima

Man kann herzlich lachen über diese rundum gelungene Komödie und sich am Zusammenspiel von Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq erfreuen. Für die Rolle der Naima wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Dass sie als Kind aus pakistanisch-polnischer Familie am Berliner Goethe-Gymnasium Abitur gemacht hat, inklusive Latinum und Graecum, ist doch ein schöner Beweis für gelingendes Multi-Kulti - und damit ganz im Geiste dieses Films.  

 

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Contra

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Christoph Maria Herbst, Nilam Farooq
Regie:
Sönke Wortmann
Länge:
103 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
28. Oktober 2021

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NDR Info | Kultur | 25.10.2021 | 05:55 Uhr

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