Stand: 30.11.2019 10:14 Uhr

"Auerhaus": Kino-Drama um eine Jugend-WG

Auerhaus
, Regie: Neele Leana Vollmar
Vorgestellt von Krischan Koch

Bov Bjergs Roman "Auerhaus" war 2015 der Überraschungsbestseller der Saison. Das Buch über eine Jugend-WG in der Provinz verkaufte sich mehr als eine viertel Million Mal. Über vierzig Theater spielten anschließend die Bühnenversion. Wie schon der andere große Jugendbuch-Bestseller "Tschick" wurde jetzt auch "Auerhaus" verfilmt.

Max von der Groeben (l-r) als Frieder, Luna Wedler als Vera, Devrim Lingnau als Cäcilia, Damian Hardung als Höppner - Szene aus "Auerhaus" © Warner Foto: Tom Trambow

Filmtrailer: "Auerhaus"

Bov Bjergs Bestseller "Auerhaus" ist verfilmt worden. Der Film über das Erwachsenwerden von vier Jugendlichen ist unspektakulär, melancholisch, sehr berührend und manchmal komisch.

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Die schwäbische Provinz in den 1980er-Jahren: Für Frieder, Höppner, Vera und Cäcilia ist es der Abschied von der Jugend, das letzte langweilige Jahr vor dem Abitur im Gymnasium "Am Stadtrand". Um dem spießigen Elternhaus zu entkommen, gründen der Ich-Erzähler Höppner (gespielt von Damian Hardung) und dessen Freunde eine WG. Sie ziehen in das leerstehende Auerhaus.

Bov Bjergs "Auerhaus": Vier Jugendliche gründen WG

Höppner flieht vor dem nörgelnden Lebensgefährten seiner Mutter, den er nur F2M2, "fieser Freund meiner Mutter" nennt. Vor allem aber wollen die Schüler ihren Freund Frieder retten (Max von der Groeben, den wir aus "Fack ju Göhte" kennen). Nach einem Selbstmordversuch war Frieder eine Zeit lang in der Psychiatrie. Jetzt ist er entlassen worden und Höppner fürchtet, er könne es noch mal versuchen.

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Luna Wedler als Vera und Damian Hardung als Höppner.

Die WG im Auerhaus wird für die Jugendlichen zur Ersatzfamilie. Höppner lässt sich von Frieder die Schularbeiten machen. Sie kiffen zusammen, spielen Federball und träumen am Baggersee von der Südsee, von der Liebe und der Flucht aus dem Provinzmief. Wen interessiert schon der übliche Streit um den Abwasch? Wichtiger sind die richtige Knoblauchdosis für den Tsatsiki und die Frage nach der sexuellen Orientierung. 

Authentische Bilder aus der schwäbischen Provinz

Regisseurin Neele Leana Vollmar widersteht der Versuchung, ein schrilles 80er-Jahre-Revival mit Schulterpolstern und "Miami Vice"-Frisuren zu inszenieren. Stattdessen gelingen ihr wunderbar spröde Bilder der damaligen deutschen Provinz, die präzise die Atmosphäre des Romans von Bov Bjerg treffen.

Die Garageneinfahrten sind mit Waschbeton gepflastert. Im verwohnten und verwinkelten Auerhaus hängt über der hässlichen Tapete ein Fahndungsplakat der RAF. Die Dorfpolizei fährt noch VW-Käfer. Der Fußgängerzone, der Eisdiele und auch den winterlichen Landschaften fehlt jede Farbe. Alles erscheint Grau in Grau. Entsprechend ist Höppners Stimmung. 

Knappe Dialoge und tolle Darsteller

Die Dialoge sind lakonisch knapp. Da wird kein Wort zu viel geredet. Bis zum tragischen Ende, das gleich zu Beginn verraten wird, passiert eigentlich nicht viel. Trotzdem war die Zeit im Auerhaus die beste seines Lebens, sagt Frieder. Die tollen Schauspieler spielen das wie selbstverständlich und sehr echt. Das ist unspektakulär und sehr berührend, manchmal komisch und fast immer melancholisch. Ein wundervoller Film über das Erwachsenwerden.

Auerhaus

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Damian Hardung, Max von der Groeben, Luna Wedler, Devrim Lingnau
Regie:
Neele Leana Vollmar
Länge:
104 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
5. Dezember 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.12.2019 | 06:40 Uhr

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