Stand: 09.04.2018 11:53 Uhr

So entstand Romy Schneiders letztes Interview

von Julia Jakob

Die Kinokoproduktion "3 Tage in Quiberon" von Regisseurin und Autorin Emily Atef feierte im Februar im Wettbewerb der Berlinale Weltpremiere. Das Drama startet am 12. April im Kino und ist in acht Kategorien für den Deutschen Filmpreis nominiert. Er handelt von einem Kapitel im letzten Lebensabschnitt der Schauspiellegende Romy Schneider, gespielt von Marie Bäumer. Im März 1981 gab Schneider ihr letztes großes Interview. Dazu reisten der "Stern"-Reporter Michael Jürgs und der Fotograf Robert Lebeck in die Bretagne. Produziert wurde der Film von NDR, ARTE und dem ORF.

"3 Tage in Quiberon": Drama über Romys "Stern"-Interview

Offiziell zog sich Romy Schneider in die Bretagne zurück, um eine "Badekur" zu machen - inoffiziell war es der Entzug von Alkohol und Medikamenten. Fotograf Robert Lebeck kannte die Schauspielerin da bereits sehr gut. Fünf Jahre zuvor war ihr erstes Treffen gewesen. Damals schob sie ihm einen Zettel unter der Hoteltür durch: "Da stand drauf: 'Ich habe Angst vor dir und ich habe Angst vor mir. Vergiss mich bitte schnell, aber sag mir gute Nacht.' Dann schnell den Apparat über die Schulter. Das Zimmer stand offen", erzählte der 2014 verstorbene Lebeck.

Lebecks ungeschminkter Blick auf Romy Schneiders Seele

Marie Bäumer raucht in ihrer Rolle als Romy Schneider eine Zigarette und wird dabei fotografiert - Filmszene aus "3 Tage in Quiberon" von Emily Atef © Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig

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NDR Info

Im März 1981 gab Romy Schneider ihr letztes großes Interview mit dem "Stern"-Journalisten Michael Jürgs und dem Fotografen Robert Lebeck.

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Lebeck inszenierte seine Motive nicht. So entstanden auch in Quiberon die Fotos von Romy Schneider. Ungeschminkt und unfrisiert lässt sie sich von Robert Lebeck in die Seele schauen. Mal mit zusammengezogenen Augenbrauen, mal schelmisch und spielerisch, aber auch entspannt und offen. "Sie wollte so fotografiert werden, und so geliebt werden, wie sie als Person war. Und nicht als Filmstar", erzählte Robert Lebeck.

Gerade in dieser schwierigen Phase - süchtig und geplagt von der Sissi-Rolle, die sie in Deutschland nicht loswurde - gewährte Romy Schneider dem "Stern"-Reporter Michael Jürgs das Interview. Vielleicht auch, weil dieser mit Lebeck im Schlepptau auftauchte. Vielleicht auch, weil sie vieles loswerden wollte: "Romy Schneider, fand in mir jemand, der sie reden ließ, der ihr zuhörte, der ihr Vertrauen nicht missbraucht hat", sagt Michael Jürgs. "Denn das 'Stern'-Gespräch, das ich mit ihr damals machte, das hat sie von der ersten bis zur letzten Zeile gegenlesen dürfen, bevor es gedruckt wurde. Das hatte sie vorher noch nie erlebt, denn sie hatte immer das Gefühl, von Journalisten gnadenlos gejagt zu werden."

Schneiders widersprüchliche Sehnsucht nach Alltag

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In der handschriftlichen Notiz der Interviewfreigabe an Michael Jürgs schrieb Romy Schneider: "Ich werde weiterleben - richtig gut!".

Lediglich mit zwei Randnotizen versehen, schickt Romy Schneider das Interview zurück: "Es gibt unglücklichere Frauen als mich" und "Ich werde weiterleben - und richtig gut!" Jürgs ist bis heute davon überzeugt, dass die Schauspielerin zeitlebens mit ihrem Bild in der Öffentlichkeit und ihrer eigenen Wahrnehmung gerungen hat: "Eine nicht erfüllte Sehnsucht nach ihrem Vater, den sie nie hatte. Es ist eine Sehnsucht nach einer Art von Leben, das ihr immer als Ideal vorschwebte: Abends nach Hause zu kommen und mit einem Menschen zu leben, der mit diesem Beruf nichts zu tun hatte. Und wenn sie ihn je gefunden hätte, glaube ich, hätte sie sich nach einem Vierteljahr wieder gelangweiligt, und wieder den Weg gesucht in dieses verrückte Filmleben. Das heißt, sie kam aus diesem Widerspruch eigentlich nie heraus", so Jürgs.

Bei dem Interview - sagt Jürgs heute - habe sich Romy Schneider freigeredet, drei Tage lang. Es war ihr letztes Interview. Und ihr bestes. Ein Jahr später starb Romy Schneider. Auf dem Grabstein steht: Rosemarie Albach.  

Internationale Filmfestspiele Berlin 2018.

"3 Tage in Quiberon" auf der Berlinale

Hamburg Journal -

Die NDR Koproduktion "3 Tage in Quiberon", ein Film über das letzte Interview von Romy Schneider kurz vor ihrem Tod, lief bei der Berlinale 2018.

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