Komponist und Organist Jan Pieterszoon Sweelinck (Gemälde von 1606, Ausschnitt) © picture-alliance / akg-images | akg-images

400. Todestag Sweelincks - Hamburg zieht alle Register

Stand: 15.10.2021 17:52 Uhr

Am Wochenende gibt es anlässlich des 400. Todestags des Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck Festkonzerte in zwei Hamburger Hauptkirchen.

von Daniel Kaiser

Dieser Niederländer hat Hamburger Musikgeschichte geschrieben: Jan Pieterszoon Sweelinck war einer der wichtigsten Musik-Influencer seiner Zeit. Sein Orgelspiel war in ganz Europa bekannt. Und er hatte eine ganz besondere Beziehung zur Hansestadt. An diesem Wochenende ist der 400. Todestag des Komponisten. Dazu gibt es Festkonzerte mit Orgelmusik und dem NDR Vokalensemble in den Hamburger Hauptkirchen St. Jacobi und St. Katharinen:

Veranstaltungen
Der Organist und Kantor der Hamburger Kirche St. Jacobi Gerhard Löffler lehnt an einem Zaun der Kirche © G 2 Baraniak

Sweelinck pur: NDR Vokalensemble & Klaas Stok

Mit einem Porträtkonzert widmet sich das NDR Vokalensemble mit Gerhard Löffler an der Orgel dem Komponisten J.P. Sweelinck. mehr

Tastenfuchs mit Talentschmiede

Andreas Fischer zieht bei der großen Orgel in der Hauptkirche St. Katharinen alle Register für seinen Sweelinck. Heute nicken vor allem Orgel-Feinschmecker anerkennend beim Namen Sweelinck, aber damals war er eine Musik-Lichtgestalt in ganz Europa. Die Hamburger Hauptkirchen haben ihre Organisten zu ihm in die Lehre nach Amsterdam geschickt.

"Zum Beispiel war der Organist dieser Kirche, Heinrich Scheidemann, mehrere Jahre bei Sweelinck", erzählt Fischer und fügt hinzu: "Seine Kollegen an den umliegenden Kirchen hier waren auch bei Sweelinck gewesen. Er hieß deshalb 'der Hamburgische Organistenmacher'. Er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass hier so hervorragende Organisten tätig waren."

Als Orgeln das Ding waren!

Von so viel Investition in Kirchenmusik träumt Andreas Fischer heute. Es war damals in Hamburg das goldene Zeitalter der Orgelmusik.

"Die haben nicht nur in die Organisten investiert, sondern auch in die Orgeln", erklärt Fischer und ergänzt: "Das waren die Repräsentationsinstrumente der Hansestädte – man hatte keine Schlossbauten oder Hofhaltung. Alles, was Repräsentation war in den Bürgerstädten, spielte sich in den Kirchen ab. Das waren dann die Orgeln und die weltberühmten Organisten, die hier tätig waren."

Sweelincks Ausbildung hatte enormes Renommee

Klaas Stok © NDR Foto: Magdalena Spinn
Klaas Stok ist seit der Saison 2018/2019 Chefdirigent des NDR Vokalensembles.

In den Hamburger Hauptkirchen kann man das Erbe dieser Zeit noch erleben. Ein Meisterkurs bei Sweelinck in Amsterdam war damals Gold wert. "Sweelinck war ein Europäer, obwohl er Amsterdam praktisch nie verlassen hat. Er hat Musik aus ganz Europa gebündelt und hat diese Einflüsse zu einem eigenen neuen Stil verschmolzen und an seine Schüler weitergegeben", so Fischer.

Für die Orgelwelt ist Sweelinck immer noch eine ganz große Nummer. Aber auch bei seiner Chormusik geht Klaas Stok das Herz auf. Der Chefdirigent des NDR Vokalensembles ist wie Sweelinck in der Stadt Deventer geboren. Ihn berühren Sweelincks Kompositionen die Musik bis heute. Die Gedenkkonzerte sind ihm ein echtes Anliegen: "Er war der Hauptkomponist von Amsterdam. Und von nah und fern kamen sie zu ihm, um ihn zu hören und um mit ihm zu arbeiten."

Die Konzerte am Wochenende wollen diese besondere Zeit noch einmal aufleben lassen und die Geschichten vom Orgelinfluencer und seiner Strahlkraft erzählen – von der Musik, die von Amsterdam bis nach Hamburg wanderte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.10.2021 | 06:40 Uhr