Sendedatum: 24.05.2011 17:20 Uhr  | Archiv

Bob Dylan - Bilder eines Lebens. Die frühen Jahre

von Ocke Bandixen

Mit Texten von Rainer Bratfisch, aus dem Englischen übersetzt von Madeleine Lampe

Er hat das Image des ewigen Rebell: Bob Dylan. Jetzt wird er 70 Jahre alt. Wohl kein einzelner Künstler hat die Popmusik so beeinflusst wie er. Zu seinem anstehenden Geburtstag sind zahlreiche Bücher erschienen, die seine Musik und Bedeutung würdigen, so auch ein bemerkenswerter Bildband über den jungen Dylan. In der Reihe "BildSchöne Bücher" stellt Ocke Bandixen ihn vor.

Er kommt von irgendwo. Das Gesicht ist jung, die Gitarre dagegen hat Kratzer und Schrammen. Der junge Bob Dylan lächelt 1961 noch unverstellt in die Kamera. Unbekümmert. Die ersten Schwarzweiß-Aufnahmen geben ihm Konturen, die sein jugendliches Gesicht noch nicht hat. Die Haare irgendwie nach hinten, nach oben gekämmt, eine Cordmütze darauf. Gerade erst ist er in New York gelandet. In den Cafés von Greenwhich Village: Ich heiße Bob Dylan, kann ich hier singen?

Der Dichter der eigenen Biografie

In Interviews dachte sich Dylan damals wilde Lebensläufe für sich aus - um interessanter zu wirken, und vielleicht auch, um sich ein Leben zu erdichten, das tatsächlich zu ihm passte.

Schon ein, zwei Jahre später ist die Unsicherheit verflogen auf den Bildern. Bob Dylan schlendert mit seiner damaligen Freundin Suze Rotolo durch die Straßen - verliebt, ein schmaler Junge mit schlechtem Haarschnitt. Selbstsicher steht er im Studio und übt scheinbar den skeptischen, abschätzigen Blick des späteren Popstars.

Joan Baez: "Ich hatte in dieser Zeit bis zu 10.000 Leute im Publikum, und meinen kleinen Vagabunden auf die Bühne zu zerren, war ein großes Experiment."

Die Schöne und der Unscheinbare

Baez erinnert sich an das Jahr 1963, in dem sie Dylan mit auf Tour nahm: die Schöne und der komische Kerl - die Lerche und der näselnde Barde, der seine Worte nicht zu singen scheint, sondern ausspuckt.

Bilder aus zehn Jahren zeigt das Buch "Bob Dylan - Bilder eines Lebens, die frühen Jahre". Über die musikalischen Veränderungen Dylans ist viel geschrieben worden. Seine Hinwendung von Gitarrenbarden zum gefeierten Folkssänger - hin zum Rockstar.

Ein "Joker-Man"

In dem Buch kann man diese Veränderung sehen, nacherleben. Dylan verändert sich auch äußerlich so sehr, dass es scheint, als habe man verschiedene Personen vor sich.

Die schwarze Sonnenbrille, die Zigarette. Ein einsamer Star im Schatten, im dunklen Auto auf einer England-Tournee Mitte der 60er-Jahre, der das kaum aushält. Und draußen quetschen sich Fans und Reporter an die Scheibe.

Dann folgt schließlich die Zeit nach seinem Motorrad-Unfall Ende der 60er-Jahre, als sich Dylan mit seiner Familie auf dem Land niederlässt, ein bärtiger, grinsender Aussteiger mit Gitarre.

Gute Reise, Bob!

Wie in vielen Büchern sind manche Begleittexte übertrieben, das Genie wird ein bisschen zu oft gepriesen. Dennoch ist es ein gelungenes Buch. Denn die Bilder zeigen, wie unabhängig Dylan immer war. Was der Erfolg mit ihm und er mit dem Erfolg machte. Und dass er noch lange nicht am Ende seiner Reise ist.

Bob Dylan - Bilder eines Lebens, die frühen Jahre

von Rainer  Bratfisch, aus dem Englischen von Madeleine Lampe
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 160 Seiten mit mehr als 200 Fotos
Bestellnummer:
978-3862650453
Preis:
29,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 24.05.2011 | 17:20 Uhr

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