Stand: 09.08.2017 11:45 Uhr  | Archiv

Adriana Altaras packt aus

Mit pubertierenden Teenagern ist nicht zu spaßen. Wenn Eltern noch dazu aus zwei verschiedenen Kulturen kommen und über dem Ganzen auch noch die Nazi-Zeit und das deutsch-jüdische Zusammenleben von heute schweben, dann braucht es jemanden wie Adriana Altaras, um das Ganze mit Humor zu erzählen. Den hat die gebürtige Kroatin bereits in "Titos Brille" bewiesen. Jetzt erscheint mit "Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus" die Fortsetzung. Im Rahmen von Der Norden liest präsentierte Altaras am 11. Dezember in Hannover ein Familienporträt, das sich gewaschen hat.

Explosive Vater-Sohn-Beziehung

Mit "Titos Brille" gab Adriana Altaras 2011 ihr schriftstellerisches Debüt. Für die Geschichte ihrer jüdischen Eltern, die mit Tito als Partisanen gegen Hitler-Deutschland kämpften, wurde sie von Kritikern gefeiert. "Eine berstende Lust am Beobachten, Reflektieren, Pöbeln, Spotten" bescheinigte ihr Deutschlandradio Kultur.

Cover von "Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus" von der Autorin Adriana Altaras © Verlag Kiepenheuer & Witsch
Auch Adriana Altaras zweiter Roman ist ein Familienporträt.

Mit "Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus" erscheint jetzt sozusagen die "Next Generation". Im Zentrum steht die explosive Beziehung zwischen dem Vater, der als einziger "Doitscha" in einer jüdischen Enklave seinen Mann stehen muss, und dem erstgeborenen Sohn, der diesem sein Deutschsein bei jeder Gelegenheit aufs Brot schmiert. Und natürlich die Mutter, die zwischen allen Stühlen thront, die Familie zusammenhält und obendrein den Einflüsterungen der Toten ausgesetzt ist.

Neben dem Familienporträt gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang: Adriana Altaras lässt an ihren Dreharbeiten für den dokumentarischen Film "Titos Brille" teilhaben. Die Wahl-Berlinerin nimmt Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie, nach Gießen, an die Adria - und nach Zagreb. Der Film kommt an dem Tag in die deutschen Kinos, an dem Adriana Altaras in Hannover liest.

In der Welt herumgekommen

Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb geboren, lebte ab 1967 in Italien, später in Deutschland. Nach dem Schauspielstudium in Berlin und New York spielte sie in Film- und Fernsehproduktionen und inszeniert seit den 90er-Jahren an Schauspiel- und Opernhäusern. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie Bundesfilmpreis, Theaterpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, Silberner Bär für schauspielerische Leistungen.

Moderator des Abends: Christoph Bungartz

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 08.12.2014 | 22:45 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/der-norden-liest-adriana-altaras,hannover8514.html
Adriana Altaras, Kent Nagano, Andrea, Sawatzki, Rocko Schamoni © picture alliance Foto: Jessica_Brauner, Felix Broede, Geisler-Fotopress, Kerstin Behrendt

Der Norden liest: Beziehungsgeschichten

Sieben Städte, acht Lesungen, elf Autoren von Adriana Altaras bis Rocko Schamoni: Der Norden liest war wieder auf Tour. Dieses Jahr unter dem Motto "Beziehungsgeschichten". mehr

Mehr Kultur

Achim von Borries (2. v. li.), am Set der dritten Staffel von "Babylon Berlin" mit Volker Bruch, Thorsten Merten, Luc Feith, Rüdiger Klink, Fritz Roth © Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019 Foto: Frédéric Batier

"Babylon Berlin": Regisseur von Borries über die 4. Staffel

Die Erfolgsserie "Babylon Berlin" wird fortgesetzt: Ab 2021 soll die 4. Staffel in Berlin gedreht werden. Das sagen die Macher. mehr

Mit einem Pinsel gezeichnete Menschen auf Aquarellpapier. © photocase Foto: Patty

Den Stecker gezogen - zur Lage der Veranstalter in MV

Viele von ihnen sind pleite oder stehen kurz davor, deshalb fordert die Kulturbranche schnelle politische Lösungen. mehr

Screenshot: Elbphilharmonie mit Lichtsstrahlen und Farbeffekt © NDR

75 Jahre NDR Elbphilharmonie Orchester

Aus der Geschichte in die Gegenwart: Das NDR EO feiert sein 75. Jubiläum mit Festkonzerten und Konzertmitschnitten. mehr

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind bei einem Konzert in der Elbphilharmonie nur wenige Zuschauer. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Förderung der Kultur - Reicht das um die Kultur zu retten?

Durch die Corona-Pandemie ist der Förderbedarf im Kulturbetrieb mittlerweile groß. Wie lange funktioniert das noch? mehr