Sendedatum: 25.09.2020 09:40 Uhr

Die Natur ist keine Kulisse des Lebens

von Julia Heyde de López

"Früher dachte ich, die größten Umweltprobleme wären der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnten diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit; und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel."

Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit schaden Umwelt

Silhouette eines Menschen im herbstlichen Wald. © photocase Foto: Hello_beautiful
Mensch und Natur sind eins.

Das sagt der Umweltwissenschaftler Gus Speth aus den USA. Und seine Einschätzung würde erklären, warum es in Sachen Klimaschutz nur schleppend vorangeht. Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit. Dieses unheilige Trio ist verantwortlich für so einiges in unserer Welt. Und zwar schon seit Jahrtausenden. Sogar in der Bibel wird bereits gewarnt: "Es ist Zeit, aus aller Gleichgültigkeit aufzuwachen." Und, "Geldgier ist eine Wurzel allen Übels." So heißt es im Neuen Testament.

Wenn Natur leidet, leiden Menschen mit

Die Frage ist: Wie schafft man so einen "spirituellen Wandel", von dem der Umweltwissenschaftler spricht? Wie könnte der aussehen? Ich glaube, ich würde damit beginnen, dass wir uns wieder ganz und gar als Teil der Natur begreifen müssen. Im Grunde fängt das schon in unserer Sprache an. Wir nennen die Natur, die uns umgibt, "Umwelt" und vollziehen damit eine Trennung zwischen uns hier drinnen und der Natur da draußen, meint der Biologe und Philosoph Andreas Weber. "Wir fühlen uns als Bewohner der Biosphäre, aber nicht als ihr Bestandteil", sagt er. Indem wir uns von der Natur abgrenzen, machen wir sie zum reinen Hintergrund, zur Kulisse unseres Lebens.

Doch Schöpfung, Natur und wir sind eins. Wenn es ihr gut geht, können wir leben, wenn sie leidet, leiden wir mit. Bis ins Innerste zu wissen und zu fühlen: Wir und alles auf diesem Planeten sind miteinander verbunden, wir gehören zusammen - das wäre tatsächlich, denke ich, ein spiritueller Wandel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 25.09.2020 | 09:40 Uhr

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