Impfkampagne in der Lichfield Cathedral © Lichfield Cathedral Photographers

Lichfield Cathedral - Impfen statt predigen in der Pandemie

Stand: 28.01.2021 14:15 Uhr

Supermärkte oder Kathedralen: Die Briten sind erfinderisch, was Impfzentren angeht. Auch in Lichfield bekommen 1.000 Menschen täglich Vakzine verabreicht - für sie ein Stück Hoffnung in der Pandemie.

von Julia Heyde de López

Im Städtchen Lichfield in Mittelengland, nördlich von Birmingham, steht eine große Kathedrale. Die Spitzen der drei Kirchtürme machen das Stadtbild unverwechselbar. Drinnen, im Kirchenschiff, können sich die Bürgerinnen und Bürger seit Kurzem impfen lassen. Angeregt hat das Dean Adrian Dorber, der Dekan von Lichfield. Er hatte, bevor es überhaupt einen Corona-Impfstoff gab, an die Gesundheitsbehörden geschrieben und angeboten, wenn der Tag da sei, die Kathedrale als Impfzentrum zu nutzen.

"Es geht darum, das Richtige zu tun"

Menschen stehen in der Lichfield Cathedral in einer Reihe hintereinander. © Lichfield Cathedral Photographers
In Großbritannien werden Menschen mit Hochdruck geimpft. Idealer Ort sind leer stehende Kirchen.

"Wir sind ein Ort, wo jeden Tag für die Heilung von Menschen, Gemeinden und Nationen gebetet wird. Der Bischof, der die Kathedrale gegründet hat, war bekannt dafür, für das Wohlergehen und die Gesundheit aller zu beten. Sein Grab ist ein Pilgerort. Es gehört einfach zur Identität von Lichfield, Heilung in den Mittelpunkt zu stellen", so Dorber.

Dies sei eine weltweite Notlage, und er denke, wenn sie hier nichts täten, was die Leute ermutige, sich impfen zu lassen, dann sei das ein großes Versäumnis. Es sei schön und gut, zu predigen und die richtigen Dinge zu sagen, aber sie müssten auch das Richtige tun. 

Menschen finden den Weg in die Kirche

Eine Pflegerin impft in der Lichfield Cathedral eine Seniorin. © Lichfield Cathedral Photographers
Ein Piks in besonderem Ambiente: Rund 1.000 Menschen bekommen an vier Tagen in der Woche in Lichfield die begehrte Impfung.

Vier Tage pro Woche verwandelt sich die Kathedrale nun in ein Impfzentrum. Im Kirchenschiff ist Platz für 18 einzelne Impfstationen, etwa 1.000 Menschen können so täglich versorgt werden, sagt Adrian Dorber. "Mein Hausarzt ist Muslim, und auch er war völlig begeistert von der Idee, die Kathedrale als Impfzentrum zu nutzen. Er versteht, was es bedeutet, dazu an einen Ort des Glaubens zu kommen. Und auch aus pragmatischen Gründen. Es ist einfach das bekannteste Gebäude in Lichfield, die Leute haben keine Probleme, hierherzufinden." Es sei schön zu sehen, wie Menschen aller Glaubenstraditionen das hier zusammen auf die Beine stellen würden.

Geistliches Personal ist jederzeit ansprechbar

Und während das medizinische Personal die Impfungen verabreicht, ist das geistliche Personal seelsorgerlich unterwegs und jederzeit ansprechbar, erklärt Adrian Dorber. "Ich bin froh, dass wir das machen - dass wir etwas vom Reich Gottes umsetzen können in praktische Tatkraft." Jesus habe als erstes Kranke geheilt. Die Menschen jetzt einzuladen in eine Kirche, die durchdrungen sei vom Evangelium und der Geschichte der Erlösung - da zeige sich für ihn eine wunderbare Verbindung zwischen dem, was wir Menschen brauchen, und der Liebe Gottes.

Weitere Informationen
Ein Tropfen hängt an einer Nadelspitze. Dahinter das Wort "Impfung". © picture alliance/Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfzentren: Wo und wann wird jetzt geimpft?

Der Betrieb in den Impfzentren im Norden läuft. Doch wer ist wann an der Reihe? Wie kann man sich anmelden? Ein Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 31.01.2020 | 09:15 Uhr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.