Porträt der Bischöfin Kirsten Fehrs im Talar © Nordkirche Foto: Marcelo Hernandez

Impfen ist Zeichen der Nächstenliebe

Stand: 24.11.2021 07:50 Uhr

Ärztinnen und Ärzte sind besorgt angesichts der steigenden Inzidenzwerte und Hospitalisierungsraten. Bischöfin Kirsten Fehrs ruft zum Impfen auf: Das sei eine persönliche, aber keine private Entscheidung.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Jetzt geht es schon wieder los. Absagen, Verschiebungen ins Digitale, viel Unsicherheit: Wie können wir planen? Können wir überhaupt planen? Was ist mit der Adventszeit? Und mit Weihnachten? Ich gebe zu: Ich finde das anstrengend und bin auch ein bisschen genervt. Denn ich habe neben Gottvertrauen auch Vertrauen zur Wissenschaft. Und bei allen Unterschieden in der Diskussion sind sich die Experten doch in einem einig: Mit einer höheren Impfquote stünden wir besser da. Die Infektionszahlen wären niedriger, die Kliniken nicht so belastet und all die Beschränkungen und Begrenzungen müssten nicht schon wieder sein.

Ich sehe den Arzt vor mir, den ich kürzlich traf: So besorgt, wie es wohl in ein paar Wochen in den Hamburger Kliniken aussehen könnte. Jetzt schon werden schwierige Operationen abgesagt, sagt er. Denn die Betten werden für Corona-Patienten gebraucht, von denen die meisten eben ungeimpft sind. Und es tut ihm in der Seele weh für seine Herzpatienten und all die anderen, deren Leben auch am seidenen Faden hängt. Und ich merke: Auch mir geht langsam das Verständnis verloren. Denn ja, Impfen ist eine persönliche, aber es ist keine private Entscheidung. Unser Gemeinwesen braucht den höchstmöglichen Schutz aller.

Wer geimpft ist, hat Verantwortung übernommen

Wir Kirchen stehen da in einem Dilemma: Natürlich sind vor Gott alle Menschen gleich viel wert. Im Gottesdienst ist jeder willkommen. Aber trotzdem sollen wir in der Welt Verantwortung übernehmen. Darum rufen wir zum Impfen auf, und ich finde es richtig, wenn kirchliche Veranstaltungen und auch manche Gottesdienste nun im 2G-Format angeboten werden. Denn wer geimpft ist, hat Verantwortung übernommen.

Das Risiko ist so viel geringer, wir könnten so viel besser und schneller durch die Krise kommen, wir könnten gemeinsam so viel schaffen. Dass alte Menschen sich sicher wissen in den Heimen und Kinder und Jugendliche endlich, endlich wieder in ihr normales Leben zurückfinden. Sie lechzen danach. Warum helfen zu viele nicht mit? Vielleicht sind Sie geimpft. Dann möchte ich mich bei Ihnen bedanken für dieses Zeichen von Solidarität und Nächstenliebe. Vielleicht aber sind Sie noch nicht geimpft. Dann denken Sie doch bitte nochmal drüber nach. Bitte!

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 24.11.2021 | 09:40 Uhr

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