Sendedatum: 26.04.2020 09:15 Uhr

Gorleben: Umgang mit dem giftigen Erbe

von Julia Heyde de López

Es brennt in den Wäldern rund um das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl. Die Bilder wecken Erinnerungen. Am 26. April 1986 kam es zum Supergau in dem ukrainischen Reaktor. Eine Katastrophe, die bis heute nachwirkt.

Besuch der Geisterstadt Tschernobyl

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ARD-Korrespondentin Martha Wilczynski-Bartels besucht die Geisterstadt Tschernobyl im Sperrbezirk, die lange schon Touristenmagnet ist. Mehr als 100.000 Besucher waren 2019 hier.

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Atommüll ist ein giftiges Erbe

Tschernobyl sei ihm ganz nah gewesen, als seine Tochter damals klein war und nicht im Garten spielen durfte. Das rücke plötzlich durch die Bilder wieder näher. Er spüre, dass die Dinge gar nicht so weit weg seien, weder in der Zeit noch im Raum, "und dass es uns ganz unmittelbar betreffen kann", sagt Eckhard Kruse. Atomkraft und ihre Gefahren, das ist für ihn ein Lebensthema. Er ist Pastor in der niedersächsischen Gemeinde Gartow, gleich neben Gorleben. Dort kam vor 25 Jahren, begleitet von Protesten, der erste Castortransport an. Atommüll, ein giftiges Erbe für alle nachkommenden Generationen.

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Immer wieder protestieren Atomkraft-Gegner in Gorleben gegen Castor-Transporte und ein Endlager.

Das sei eine Dimension, die überschreite wirklich alles menschliche Denken, so Kruse. Und was ihn erschrecke, sei tatsächlich auch, dass ganz einfache Fragen immer noch nicht geklärt seien, zum Beispiel: Da habe man einen Castorbehälter befüllt und von außen seien die natürlich in Ordnung, aber wie sehe es eigentlich drinnen aus? Was passiere in solch einem Castorbehälter in so vielen Jahren?

Corona-Krise wirkt sich auf Endlager-Suche aus

Gorleben ist Atommüll-Zwischenlager, und derzeit wird in Deutschland nach einem Standort für ein Endlager gesucht. Im September sollen bereits mögliche Regionen und Orte benannt werden. Doch nun sorgt die Corona-Krise dafür, dass die betroffenen Bürger in dem politischen Prozess kaum vorkommen.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit sei ein ganz hohes Gut in dieser Sache, damit Vertrauen aufgebaut werden könne, meint Kruse. Und zurzeit sei es nicht möglich, öffentliche Veranstaltungen zu machen. Das bereite ihm Kopfzerbrechen dabei, dass man sagt, wir müssten miteinander sprechen, doch dieser Dialog sei einfach im Moment nicht möglich, weil man sich nicht treffen könne.

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Deshalb hofft er, dass der Suche nach einem Endlager-Standort mehr Zeit eingeräumt wird. Und dass in dieser Zeit die Standortkriterien nochmal wissenschaftlich untersucht werden. In seiner Gemeinde wird Kruse weiterhin als Seelsorger und Vermittler unterwegs sein und zuhören, was die Menschen bewegt. Er spreche immer mit allen Beteiligten. Das sei ihm wichtig, er habe zwar auch eine Position, aber die hindere ihn nicht daran, mit allen immer wieder ins Gespräch zu kommen. "Und das wurde von der Gemeinde auch sehr deutlich wahrgenommen."

Die Frage nach dem Atommüll und den Gefahren der Atomenergie - sie ist dringend und braucht doch einen langen Atem. Und sie betrifft nicht nur die Menschen in Gartow, Gorleben oder Tschernobyl. Sondern uns alle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 26.04.2020 | 09:15 Uhr

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