Eine Frau sitzt mit Mütze und Schal an einem Heizkörper. © picture alliance / photothek Foto: Thomas Trutschel/photothek.de

Energiekrise bewegt Köpfe und Herzen der Menschen

Stand: 22.09.2022 13:20 Uhr

Nach aktuellen Zahlen des Statistikamtes Nord ist der Preisanstieg für Energie auch in Hamburg am höchsten. Strom, Gas und Brennstoffe sind im August im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent gestiegen.

von Pastor Sieghard Wilm

Nein, noch haben wir die Heizung in diesem Jahr nicht angestellt. Etwas kühl ist es schon abends. Dann ziehen wir Strickjacke und Hausjacken an. Und Wollsocken. Gestern haben wir uns im Wohnzimmer in die Bettdecken gekuschelt. Geht doch. Heute ist Herbstanfang. Zugegeben, ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, die Heizung jetzt wieder hochzudrehen. Wir haben Gasheizung. Bei dem Gedanken an die Rechnung aber … setze ich mir lieber eine wärmende Mütze auf.

Mit Freundinnen rede ich jetzt über Themen, über die wir vorher nie geredet haben. Fragt mich doch glatt ein Freund, wie oft ich eigentlich duschen würde. Wie denn darauf antworten? Gebe ich zu, dass ich das Duschen auch mal einen Tag auslasse, rümpft er vielleicht die Nase. Erzähle ich, dass ich täglich dusche - auch noch warm - dann könnte er mich als Umweltsünder beschimpfen.

Es ist doch gut, dass wir endlich miteinander darüber reden, was wir wirklich brauchen. Es ist gut, dass wir uns gegenseitig Tipps geben, um Wasser, Strom und Heizenergie zu sparen. Ich merke aber auch, dass sich in die notwendigen Diskussionen manchmal Rechthaberei mischt. In einer Art Überbietungswettbewerb entsteht ein unguter Druck. Da wissen viele, die sich selbst für eifrige Sparerinnen halten dann auch schnell, auf wen mit dem Finger gezeigt werden muss. Der vermeintliche Energieverschwender ist das neue Sünderlein.

Jesus hat einmal etwas Entwaffnendes gegen diesen Richtgeist gesagt: "Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?" Ich denke, wir sollten unsere Energie nicht darauf verschwenden, Schuldige anzuprangern. Sondern dafür einsetzen, jetzt zusammenzuhalten.

Am Freitag werden in Hamburg und in vielen anderen Städten wieder Zehntausende zum Klimastreik gehen. Ich finde es gut, dass gerade viel in Bewegung kommt in den Herzen und Köpfen der Menschen angesichts der Energiekrise. Ich hätte mir gewünscht, dass Energiesparen nicht erst anfängt, wenn es uns an den Geldbeutel geht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 23.09.2022 | 09:40 Uhr

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