Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst. © akg-images Foto: George (Jürgen) Wittenstein / akg-images

Sophie Scholl und ihr Glaube

Sendedatum: 08.05.2021 09:15 Uhr

Für Sophie Scholl ist der Weg in den Widerstand ein Prozess. Ihr Glaube wird ihr zu einem wichtigen Kompass. Das belegen auch Einträge in ein Tagebuch.

von Pastor Oliver Vorwald

Palmsonntag 1937, Konfirmation in der Ulmer Garnisonkirche. Sophie Scholl trägt die Uniform vom Bund Deutscher Mädel: schwarzes Halstusch, weiße Bluse mit Hakenkreuz. Christsein und Hitlerjugend - das geht für sie zunächst zusammen. Bruder Hans denkt damals ähnlich. Ihr Weg in den Widerstand ist ein Prozess. Erst mit den Jahren wachsen die Zweifel. Die Geschwister sehen die Verbrechen, erkennen die menschenverachtende Ideologie der Nazis, spüren, wie das Regime die "geistige Freiheit" einschränkt. Der Bruch vollzieht sich bei Sophie während des Kriegshilfsdienstes ab Herbst 1941, kurz vor Studienbeginn. Ihr Glaube ist dabei ein wichtiger Kompass. Im Juli 1942 - da gehört sie bereits zur Weißen Rose - notiert sie:

Mein Gott, … Ich bitte Dich von ganzem Herzen, … öffne doch mein kaltes Herz …, nimm Dich meiner an und tue mit mir nach Deinem guten Willen. Tagebuch von Sophie Scholl vom 15.07.1942

Sophie Scholl - die mit vollem Namen Sophia Magdalena heißt - wird am 9. Mai 1921 in Forchtenberg geboren. Sie und ihre fünf Geschwister wachsen später in Ludwigsburg und Ulm auf. Der Vater denkt liberal, nennt Hitler eine "Geißel Gottes", hat kein Verständnis für die anfängliche NS-Begeisterung seiner Kinder. Einen besonderen Einfluss auf Sophie und ihre Geschwister übt die Mutter aus, eine frühere Diakonisse. Sie prägt die Erziehung ihrer Kinder mit Verantwortung, Nächstenliebe, Herzensfrömmigkeit. Diese Werte leben die Geschwister auch in der Hitlerjugend, was immer wieder zu Konflikten führt.

Auch nach der Verhaftung bewahrt Sophie Scholl Haltung

Nach einer Flugblattaktion im Februar 1943 werden Sophie und Hans Scholl verhaftet - mit ihnen Christoph Probst. Es folgen Verhöre, der öffentliche Prozess mit Roland Freisler. Doch auch von dem berüchtigten Blutrichter lassen sie sich nicht einschüchtern. Einer der NS-Beamten sagt später: "Ich kann nur wiederholen, dass dieses Mädel, wie auch ihr Bruder, eine Haltung bewahrt hat, die sich nur erklären lässt mit Charakterstärke ... und einer selten tiefen Gläubigkeit" (spätere Notizen von Robert Mohr)

Für Sophie Scholl - wie für ihren Bruder Hans - bleibt der christliche Glaube Kompass und Kraftquelle. Bis zur letzten Minute. Am 22. Februar 1943 werden die Geschwister sowie Christoph Probst zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung erfolgt am selben Tag. Sophie und Hans empfangen beide das Abendmahl. Dann geht sie als erste zum Schafott. Eine Stunde zuvor hat sich die 21-Jährige von ihren Eltern verabschiedet. Die Mutter spricht ihr zum Abschied zu: "Sophie, Jesus."

Weitere Informationen
Buchcover: Robert M. Zoske -Sophie Scholl: Es reut mich nichts © Propyläen Verlag
5 Min

"Es reut mich nichts": Biografie über Sophie Scholl

Das Buch zeigt Sophie Scholls inneren Konflikt zwischen Glauben und Nazi-Ideologie auf. 5 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.05.2021 | 09:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kirche/Das-Kirchenlexikon-Sophie-Scholl,sophiescholl108.html

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.