Menora-Leuchter in einer Jüdischen Synagoge. Chanukkia Kerzenständer © NDR Foto: Julius Matuschik

1.700 Jahre jüdisches Leben hat Europas Kultur geprägt

Sendedatum: 06.02.2021 09:15 Uhr

In diesem Jahr feiern die jüdischen Gemeinden ein großes Jubiläum: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Auftakt ist am 21. Februar. Auch die Kirchen beteiligen sich.

von Pastor Oliver Vorwald

Jesus war Jude. Die Bibel lässt daran keinen Zweifel. Er, der Sohn der Maria, steht in einer Linie mit Abraham, Miriam, David, Esther. Er besucht die Synagoge, feiert Schabbat und Pessach. Genauso seine Jüngerinnen und Jünger. Ohne ihren Glauben gäbe es kein Christentum. Wegen dieser besonderen Beziehung beteiligen sich die Kirchen mit der Kampagne "beziehungsweise" an dem Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Historischer Fixpunkt für das Jubiläum ist ein Brief aus dem Jahr 321. Kaiser Konstantin sendet ihn an die Stadt Colonia Aggrippina, das heutige Köln: "Allen Stadträten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die städtischen Ämter und in die Verwaltung zu berufen."

Jüdinnen und Juden haben Europas Kultur geprägt

Das historische Dokument - ein sogenanntes Dekret - erzählt Geschichte: Mindestens seit dem 4. Jahrhundert leben Jüdinnen und Juden in Deutschland, über 1.700 Jahre. Diese Zeitspanne umschließt eine wechselvolle Geschichte. Absoluter Tiefpunkt ist der Holocaust, die Er-mordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden.

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Gebet in einer Synagoge © dpa/picture-alliance

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Es ist ein Segen, dass sich nach 1945 jüdisches Leben in Deutschland neu entfaltet hat. Heute gibt es in der Bundesrepublik rund 130 Synagogengemeinden mit 100 Tausend Mitgliedern. Obwohl Jüdinnen und Juden die Kultur Europas stark geprägt haben, wissen viele erstaunlich wenig vom Judentum. Hier setzt die Kampagne der Kirchen zum Festjahr an: "Beziehungsweise: jüdisch und christlich - näher als du denkst." Zentrales Element sind 13 Plakate zu Festen und Feiertagen, eines davon zu Pessach und Ostern. Beides sind Freiheitsfeste, zeitlich nah beieinander. Die Evangelien erzählen, dass sich die Ostergeschichte während der Pessach-Feierlichkeiten vor rund 2.000 Jahren ereignet hat ...  

Und als die Stunde für das Passamahl gekommen war, setzte sich Jesus mit den Jüngerinnen und Jünger zu Tisch. Er sagte zu ihnen. Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt (nach Lk 22,14-15 i.A.)

Kirchen bauen Brücken zum Judentum

Pessach feiert den Auszug der Israeliten aus Ägypten, das Ende der Sklaverei. Ostern feiert die Auferstehung, Jesu Sieg über den Tod. Mit solchen Erklär-Plakaten unter dem Motto "beziehungsweise" wollen die Kirchen Brücken bauen. Und das Jubiläum "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" unterstützen. Außerdem verstehen die Kirchen ihre Initiative als einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus, der in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat. 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 06.02.2021 | 09:15 Uhr

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