Jazz Special

Klang-Eskapaden zwischen Himmel und Erde - der Saxofonist Kamasi Washington

Freitag, 01. Juni 2018, 22:05 bis 23:00 Uhr, NDR Info

Am Mikrofon: Sarah Seidel

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Der Saxofonist Kamasi Washington spielt am Sonnabend den 02. Juni auf dem Elbjazz Festival in Hamburg.

Das große musikalische Universum von Kamasi Washington ist prall gefüllt mit Klang. Sein drei CDs umfassendes Debüt-Album "The Epic" von 2015 geriet mit Orchester, Chor und einer zehnköpfigen Band mit doppelt besetztem Bass und Schlagzeug zu einem überwältigenden Erfolg. Der Saxofonist, Arrangeur und Bandleader aus Los Angeles wurde zum meistbeachteten Jazzmusiker des Jahres, viele internationale Festivals buchten ihn als Headliner. Schnell wurde der heute 37-Jährige als neuer Heilsbringer des Jazz gepriesen, vor allem junge und auch jazzfremde Hörer pilgerten in seine Konzerte. Ein Revival des Jazz durch einen Saxofonisten, der ausgesprochen Hip-Hop-affin ist und sich einerseits im Dunstkreis des Produzenten Flying Lotus und des Rappers Kendrick Lamar tummelt, der andererseits aber mit Jazzmusikern wie Gerald Wilson, McCoy Tyner oder George Duke gespielt hat - für ihn kein Widerspruch.

Neues Doppel-Album "Heaven & Earth"

Furor, Stolz und Spiritualität - die Saxofonisten John Coltrane, Pharoah Sanders und Archie Shepp, die Harfenistin Alice Coltrane oder der Pianist Andrew Hill waren in den 1960er und 70er Jahren Vertreter eines musikalischen Ausdrucks, auf den sich Kamasi Washington bezieht. Wenn er sich zusammen mit seinem Sandkastenfreund, dem E-Bassisten "Thundercat" und vielen anderen Musikern aufschwingt wie auf seinem brandneuen Doppel-Album zwischen Himmel und Erde neue Befreiungsformen zu suchen, dann macht er das im großangelegten Format. Bei ihm passiert eine Menge auf einmal - da verdichtet sich die Musik auf verschiedenen Ebenen, da werden Soli über Chor-und Orchesterstimmen geblasen, rhythmische Strukturen und Klangfarben wie im 70er Jahre-Soundtrack gelegt, Lead Vocals werden zu Beschwörungen. Bei Kamasi Washington gibt es kein "Entweder-oder", sondern immer das "Sowohl-als-auch". Wie im Restaurant: auch da kann er sich auch nicht zwischen Huhn, Fisch oder Fleisch entscheiden, sondern nimmt von allem etwas.

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