Stand: 22.12.2018 10:00 Uhr

Seemannsdiakon aus Leidenschaft

von Charlotte Horn

Traditionell verschicken an Heiligabend in der Radiosendung "Gruß an Bord", Familien und Freunde Nachrichten an Seeleute in alle Welt - und Schiffsbesatzungen Grüße in ihre Heimat. Zum ersten Mal war die Sendung an Weihnachten 1953 im Radio zu hören. 2018 wurde sie unter anderem in dem Hamburger Seemannsklub Duckdalben aufgezeichnet. Der evangelische Diakon Jan Oltmanns leitet die Einrichtung schon seit mehr als 30 Jahren.

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Jan Oltmanns leitet den Seemannsklub Duckdalben in Hamburg.

"Ich bin Jan Oltmanns. Ich bin aus Leidenschaft Seemannsdiakon und hab das große Glück und Privileg, dass ich den Seemannsklub seit seiner Gründung 1986 leiten darf."

Großgewachsen, lange grau-blonde Haare, grauer Bart und gestreiftes Seemannshemd - Jan Oltmanns fällt auf. Er selbst redet nicht gerne über sich, stellt lieber seine Arbeit in den Vordergrund. Die Seeleute liegen dem 62-Jährigen sehr am Herzen. Im Duckdalben haben sie gutes WLAN, einen kleinen Laden und erfahrene Ansprechpartner wie Oltmanns. Hier zähle nicht der Rang, sondern sie als Mensch, sagt der Diakon.

Ein Ort zur Kommunikation

"Dass wir für die Seele der Seeleute sorgen, das kann man ganz bestimmt so sagen. Weil wir die Möglichkeit schaffen, in der eigenen Sprache in Ruhe mit der Heimat zu kommunizieren", so Oltmanns. "Dass sie auch in Hamburg die Möglichkeit haben zum Landgang, das ist sehr gut für die Seeleute. Und an dieser Freude lassen sie uns auch teilhaben."

Zu Hause entspannt sich Oltmanns am liebsten beim Spielen mit seinem Enkel und beim Boule-Spielen. Jeden Tag fährt der Diakon mit dem Rad zur Elbe und dann mit der Fähre in den Container-Hafen zum Seemannsklub. Ursprünglich stammt er aus Ostfriesland. Sein Vater, ein evangelischer Pastor, nahm ihn damals schon mit in die Seemannsmission Emden.

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Der Seemannsklub Duckdalben ist für Seeleute aus aller Welt ein sicherer Hafen.

"Wenn man Menschen sieht, die aus anderen Ländern kommen und auch die exotischen Mitbringsel, das war natürlich in den 1960er-Jahren etwas ganz Besonderes. Was da an der Wand hing, auch an Masken und Fellen - das war sehr beeindruckend."

Große Wertschätzung für Oltmanns

Und das prägte ihn. Seinen Zivildienst machte Oltmanns in der Seemannsmission Altona - eine Einrichtung, in der Seeleute auch übernachten. Anders als im Seemannsklub, der nur tagsüber geöffnet ist. Seit 1986 arbeitet Oltmanns nun hier, kümmert sich um die Seeleute. Die Mitarbeiter schätzen ihn sehr.

"Er ist ein Unikat auf jeden Fall. Und es ist ihm wichtig, dass wir zum Wohle der Seeleute handeln und dass wir erst mal sagen: Ja, wir kriegen das hin", sagt ein Kollege. "Er ist ein super Typ. Ich mag ihn sehr. Er ist geradeaus und er lebt für diesen Verein. Das ist sein Leben und das merkt man auch", ergänzt eine Mitarbeiterin.

Bester Seemannsklub der Welt

Vor sieben Jahren wurde die Einrichtung zum besten Seemannsklub der Welt gekürt. Zu Recht, wie ein philippinischer Matrose sagt: "Ich war schon oft hier, das ist der beste Klub. Der Service und die Mitarbeiter: Alle sind sehr nett."

Es gibt auch einen Raum der Stille, wo alle Religionen Platz haben. Die Religion bringt Halt und Kraft, davon ist der Diakon überzeugt. Gottesdienst feiern sie hier aber nur selten.

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"Silent Night" in vielen Sprachen

An Weihnachten und Neujahr herrschen die beiden längsten Hafenruhen im Jahr - jeweils für zwölf Stunden. Heiligabend verbringt Jan Oltmanns immer im Wechsel mal bei der Familie, mal im Duckdalben - wie dieses Jahr.

"Der Heiligabend ist eben was ganz besonderes hier im Haus, weil ganz viele unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Ländern mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Weihnachten dann auf einmal hier mit Heiligabend überrascht werden. Und wenn dann in vielen Sprachen 'Silent Night' gesungen wird, das ist schon ein Erlebnis. Wenn man das einmal erlebt hat, möchte man es immer wieder haben."

Mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Vor sechs Jahren bekam Oltmanns das Bundesverdienstkreuz am Bande. "Die Arbeit hat hier diesen Orden bekommen. Das wurde an mir festgemacht. Aber ich glaube, dass wir einfach über mehrere Jahrzehnte eine herausragende Arbeit machen, dass wir wirklich einen Ruf haben: Die stehen für Seeleute ein. Das wurde mit diesem Orden geehrt."

Oltmanns selbst wird noch ein paar Jahre im Seemannsklub arbeiten. Genau Pläne für danach hat der 62-Jährige noch nicht. "Was ich danach machen möchte, weiß ich noch nicht - aber sicherlich mehr Boule spielen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Gruß an Bord | 24.12.2018 | 10:20 Uhr