Stand: 16.01.2020 06:48 Uhr

Bahn-Pendler zahlen zu viel für ihre Tickets

Mitte Dezember hatte sich die Bundesregierung über das Klimapaket verständig. Eine Maßnahme: Die kurzfristige Senkung der Mehrwertsteuer für Bahntickets im Fernverkehr von 19 auf 7 Prozent, und das mit Wirkung zum 1. Januar 2020. Im Nahverkehr wurden auch vorher schon lediglich 7 Prozent Aufschlag fällig. Was die Politiker in Berlin unterschätzt haben: Im Nahverkehr mit Entfernungen von mehr als 50 Kilometern lässt sich diese Regelung nicht umsetzen. Jedenfalls nicht innerhalb von zwei Wochen. Ärgerlich ist das zum Beispiel für Pendler. Sie zahlen bis auf Weiteres 19 Prozent Mehrwertsteuer.

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Frist von zehn Tagen ist zu kurz

Die Verkehrsverbünde sehen sich im Moment offensichtlich außerstande, den Preisvorteil in gleichem Maße an die Kunden weiterzugeben, wie es die DB im Fernverkehr macht. Der Grund dafür liegt in der Struktur des Nahverkehrs. Der Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE) stellt fest, dass die mehr als 100 Unternehmen, die in Deutschland den Nahverkehr bedienen, die aus dem Bundesgesetz resultierenden Preisänderungen abstimmen, zum Teil genehmigen lassen und dann technisch umsetzen müssten. Dies sei innerhalb einer Frist von zehn Tagen unmöglich, heißt es auf Nachfrage von NDR Niedersachsen.

Umstellung dauert ein halbes Jahr

Im Niedersachsen-Tarif sind es allein 14 Unternehmen, die über ein kompliziertes Tarifkonstrukt miteinander kooperieren. Zwar seien sich die Gesellschafter einig, dass die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben werden sollte, dies könne aber voraussichtlich erst etwa in sechs Monaten umgesetzt werden, sagte Thilo Knoblich von Niedersachsen-Tarif dem NDR.

Was machen die Anbieter mit den Mehreinnahmen?

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" kritisiert die lange Umstellungsfrist und die mangelnde Vorbereitung der Anbieter. Die Interessenvertretung merkt an, dass mehr Geld bei den Unternehmen verbleibe, weil nur 7 Prozent abgeführt, aber 19 Prozent Steuer erhoben würden. Diese zusätzlichen Einnahmen sollten zu besseren Angeboten für den Kunden führen, forderte "Pro-Bahn".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.01.2020 | 16:00 Uhr