Stand: 23.05.2019 15:44 Uhr

Impfkonferenz: Lage in Hamburg

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Knapp 14.000 Kinder haben sich laut BGV vor der Einschulung im Jahr 2016 in Hamburg impfen lassen, also mehr als 90 Prozent.

Bis Freitag tagt im Besenbinderhof die "6. Nationale Impfkonferenz". Die Gastgeber hinter dem Motto "Impfstrategien im Kontext internationaler Herausforderungen entwickeln" sind Schleswig-Holstein und Hamburg selbst. Beide Bundesländer haben sich zuletzt für eine Impfpflicht ausgesprochen. Es sei völlig inakzeptabel, dass Kinder immer noch an Krankheiten sterben, gegen die eine Impfung möglich ist, sagt der schleswig-holsteinische FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg zur Begründung. Und seine Hamburger SPD-Amtskollegin Cornelia Prüfer-Storcks ergänzt: Impfungen schützen nicht nur den Einzelnen, sondern die ganze Gemeinschaft. Doch welche Faktengrundlage gibt es zum Thema Impfen in der Hansestadt?

Hamburgs Gesundheitssenatorin im Interview.

Nationale Impfkonferenz: Was will Hamburg?

Hamburg Journal -

Wie die Impfquote erhöht werden kann, darüber diskutieren Mediziner und Politiker auf der Nationalen Impfkonferenz. Besonderes Augenmerk liegt auf der Masern-Impfung.

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Impfausweise und -raten: Erhebung nur bei Einschulung

Die Debatte um die Impfpflicht ist längst in Hamburg angekommen. Im Fokus: Impfungen bei Kindern. Die passenden Impfraten dazu fasste die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) zuletzt für 2016 zusammen. Demnach konnten 13.917 Kinder ihren Impfausweis bei der Einschulung vorweisen. Das entspricht einer Quote von 93,6 Prozent. Die ist damit innerhalb Hamburgs so hoch wie in den drei Jahren zuvor, allerdings geringer als im Bundesdurchschnitt. Die Impfraten der hier erhobenen Daten liegen auch bei Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hib, IPV, Masern, Mumps und Röteln bei mehr als 90 Prozent.

Hib und IPV

Der inaktivierte Polio-Vakzine (IPV) ist ein Impfstoff, der gegen das Poliovirus schützen soll. Das Poliovirus kann zur Poliomyelitis führen, also die Infektionskrankheit Kinderlähmung hervorrufen. Die Hib-Impfung soll Entzündungen im Mittelohr sowie Nebenhöhlen-, Lungenentzündung und Bronchitis vorbeugen.

Das Problem hinter den ermittelten Daten: Erfasst wird die Anzahl der Impfausweise und -raten lediglich bei der Einschulung, bei der so genannten Schuleingangsuntersuchung. Inwiefern jüngere Kinder, die beispielsweise Hamburger Kitas besuchen, geimpft sind oder nicht, wird in Hamburg nicht erhoben.

Auch eigenständige Impfpflicht bei Kitas ohne Datenerhebung

Transparenz schaffen in Sachen ansteckender Krankheiten bei den Kindern, die noch nicht in die Grundschule, dafür in die Kita gehen, könnte eine eigens eingeführte Impfpflicht der Kitas in Hamburg. Was Eltern bleibt, ist die Hoffnung, dass die Impfrate der Kinder im Vorschulalter genau so hoch ist wie bei der Schuleingangsuntersuchung. Masern, Mumps und Röteln gehören immerhin laut Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu den empfohlenen Standard-Impfungen innerhalb Deutschlands.

Die Nationale Kommission zur Verifizierung der Elimination der Masern und Röteln in Deutschland fällt in ihrem jüngsten Bericht aus September 2018 ein vernichtendes Urteil: Die 325 Masernfälle aus dem Jahr 2016 seien ein Jahr später angestiegen, auf 929 Masernfälle. Das mache eine Inzidenz - also eine Häufigkeit von Neuerkrankungen - von 10,5 Fällen pro einer Millionen Einwohner. Der Zielwert liege jedoch bei einem Fall pro einer Million Einwohner. Damit hat Deutschland erneut das WHO-Ziel laut Bericht verfehlt. Und Hamburg?

Hier sind zu den statistisch erhobenen Masernerkrankungen 2013 die Anzahl von Röteln- und Mumpsfällen hinzugekommen. Laut so genanntem SurvStat des Robert Koch Instituts gab es zuletzt kontant wenige Masernfälle. Auch bei Mumps sind die Anzahl der Erkrankungen geringer als 2014 und 2015. Deutlich höher liegt die Anzahl der Windpocken- und Keuchhustenerkrankungen in Hamburg.

Erkrankungen seit 2009 insgesamt

Vergleicht man die Anzahl der Neuerkrankungen bei Mumps und Masern innerhalb Hamburgs mit allen anderen Bundesländern, steht Hamburg schlecht da. Bei Masern gab es seit 2009 die zweitmeisten Neuerkrankungen, bei Mumps mit Abstand die meisten Neuerkrankungen bundesweit. Laut BGV hat es allerdings seit Erfassung der Impfdaten im Jahr 2001 weder bei Masern noch Mumps oder Röteln Todesfälle in Hamburg gegeben.

Impfen in Hamburg: Anlaufstellen

Wer sich in Hamburg impfen lassen möchte, kann das nicht nur bei der ambulanten Versorgung niedergelassener Praxen tun. Auch Gesundheitsämter sowie das Impfzentrum des Instituts für Hygiene und Umwelt (HU) bieten Impfungen an. Beim HU gilt das auch für Schüler der Klassenstufen acht und neun.

 

Cornelia Prüfer-Storcks im Interview.

Prüfer-Storcks zur Impfpflicht gegen Masern

Hamburg Journal -

Ab März 2020 soll die Masern-Impfpflicht für Kita- und Schulkinder sowie bestimmte Berufsgruppen gelten. Hamburgs Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks hält dies für eine notwendige Maßnahme.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 22.05.2019 | 19:30 Uhr