Daniel Karasek im Porträt. © picture alliance/dpa | Frank Molter

Kiel-Intendant Karasek: "Ich freue mich völlig verärgert"

Stand: 05.03.2021 07:20 Uhr

Lange mussten die Theater in Norddeutschland schließen. Nun gibt es eine Perspektive. Doch Kiels Intendant Daniel Karasek bezweifelt, dass sich die aktuellen Beschlüsse so einfach umsetzen lassen.

Theater, Konzert- und Opernhäuser könnten frühestens ab dem 22. März wieder vor Publikum spielen - das ist ein Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen vom 3. März. Unter anderem geht es um tagesaktuelle Schnelltests, die Besucher bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 vorlegen müssen. Wenn der Wert über 100 liegt, dann müssen Theater auch wieder schließen. Daniel Karasek ist Generalintendant am Theater in Kiel. Gegenüber NDR Kultur äußerte sich der Kultur-Krisenmanager über die neuen Beschlüsse.

Herr Karasek, was halten Sie von der neuen Teststrategie?

Daniel Karasek: Wir reden ungefähr seit Ende des Sommers, seit wir den Spielbetrieb wieder aufgenommen haben, von Testungen, Testungen, Testungen. Wir sind von den Gesundheitsämtern jedes Mal zurückgepfiffen worden - das sei unsicher, das würde man nicht machen, das sei alles Blödsinn. Jetzt kommen plötzlich rasante Öffnungsvorschläge mit völlig unklaren Entwicklungen. Ich übertreibe mal: Ein Theater kann ja nicht morgens bei einer bestimmten Inzidenzzahl öffnen und abends um 5 Uhr, weil die Inzidenz anders ist, wieder zumachen. Man hat einfach gepennt, genau wie bei den Impfungen. Ich muss sagen: Ich freue mich völlig verärgert.

Wie tagesaktuelle Schnelltests des Publikums nun an den Theatern organisiert und kontrolliert werden sollen, das fragt sich auch Daniel Karasek. Welche Erfahrungen hat das Theater in Kiel mit Tests?

Das Kulturhaus im Seebad Zinnowitz auf der Ostseeinsel Usedom. © picture-alliance/ ZB | Stefan Sauer Foto: Stefan Sauer
AUDIO: Kommentar: Einer Kulturnation unwürdig (4 Min)

Karasek: Wir machen es intern, wir sind ja schneller als die Öffentlichkeit. Wir haben pünktlich zum 1. März mit Schnelltests begonnen. Aber diese alleine lösen noch nicht das Problem der Zuschauer. Meine Tochter ist zum Beispiel in Salzburg am Theater engagiert, und die machen da seit einem Dreivierteljahr Tests. Deswegen habe ich das auch immer übernommen und gesagt, das ist sinnvoll, das ist psychologisch auch sehr gut, weil es beruhigt. Abgesehen davon, dass man dabei wirklich Fälle ertappen kann. Das machen wir jetzt und wir haben bisher nur negative Ergebnisse. Aber das ist ja höchstens eine Auskunft für die Zuschauer, dass wir ein getestetes Theater sind, dass von der Bühne aus alles in Ordnung ist. Aber das löst nicht die Probleme im Zuschauerraum.

Wird das Publikum wieder in die Theater zurückkehren?

Karasek: Ja, ich glaube schon, dass das Publikum kommen wird. Wir haben ja die Erfahrung beim ersten Mal gemacht. Da waren wir noch viel unruhiger, als wir nach dem Sommer nach dem ersten Lockdown wieder aufgemacht haben. Und da war der Zuspruch - selbst als es später hieß, man muss eine Maske tragen - nicht einhundertprozentig, aber doch sehr gut. Ich glaube aber, dass jetzt die Verunsicherung sehr groß ist, dass die Leute erst einmal eine Sicherheit haben wollen, ob das was sie kaufen auch wirklich stattfinden wird. Das macht uns im Augenblick Sorgen: Nicht die Tatsache, dass sie an sich nicht mehr kommen werden, sondern dass sie sagen, ich werde jetzt erst mal keine Karte kaufen und in einem Monat mal sehen, ob die Theater überhaupt noch auf sind. Das ist unser Problem. Wir brauchen ja einen gewissen Vorlauf und einen Vorverkauf, damit wir da überhaupt Leute reinkriegen.

Das Interview führte Lenore Lötsch

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.03.2021 | 07:20 Uhr