Stand: 02.09.2020 07:18 Uhr

Forschergruppe sieht offene Fragen zur Maskenpflicht

Eine Frau mit Schutzmaske beim Einkaufen. © picture alliance Foto: Kirsten Nijhof
Im Supermarkt müssten 12.000 Menschen eine Stunde lang Masken tragen, um eine Infektion zu verhindern - so die Forschergruppe.

Eine Gruppe von Ärzten und Forschern - darunter der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel vom UKE und der ehemalige Hamburger Staatsrat Matthias Gruhl - stößt eine neue Debatte über die Maskenpflicht an. In einem jetzt veröffentlichten Thesenpapier kommt sie zu dem Schluss, dass es bislang keine wissenschaftlich fundierten Antworten auf die Frage gibt, wann Corona-Schutzmasken sinnvoll sind und wann nicht.

Im Supermarkt sinnvoll?

Als Beispiel nennt sie die Maskenpflicht in Supermärkten: Dort müssten rein rechnerisch gerade mehr als 12.000 Menschen eine Stunde lang Masken tragen, um nur eine einzige Corona-Infektion zu verhindern. Denn in Supermärkten sei das Infektionsrisiko deutlich geringer als etwa in einem Krankenhaus oder Pflegeheim.

Matthias Gruhl, der bis vor Kurzem Staatsrat in der Hamburger Gesundheitsbehörde war, sagt auf Nachfrage von NDR 90,3, es gehe nicht um ein Entweder-Oder zur Maskenpflicht, sondern allein um die Frage, in welchen Situationen ein Restrisiko einer Ansteckung hingenommen werden sollte. Diese Frage müsse endlich auch wissenschaftlich stärker untersucht werden, so Gruhl.

Lob vom Virologen Schmidt-Chanasit

Unterstützung bekommen die Autorinnen und Autoren von dem Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit. Auf Nachfrage von NDR 90,3 erklärte er: "Die Analyse der Kollegen ist sehr gut und gibt genau das wieder, was ich auch seit Monaten sage: Masken können nur ein Teil der Präventionsmaßnahmen sein. Abstand halten und Händewaschen gilt nach wie vor als wichtige Empfehlung."

In dem gemeinsamen Thesenpapier empfehlen die Autorinnen und Autoren außerdem, genaue Kriterien festzulegen, ab wann tatsächlich von einer zweiten Infektionswelle gesprochen werden sollte - und wann nicht. Einige Politiker, so ihre Kritik, würden diese zweite Welle herbeireden - ebenfalls ohne eine wissenschaftliche Grundlage. Die Gruppe um den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel hatte schon vor Monaten die Corona-Politik kritisiert - das neue Thesenpapier ist bereits das vierte, das sie veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.09.2020 | 07:00 Uhr