Stand: 10.03.2018 06:00 Uhr

Regionalliga: Winter als Spielverderber

von Samir Chawki und Lars Gawel

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Der Platz von SC Weiche Flensburg 08 ist derzeit nicht bespielbar.

Erst dicke Schneedecken und gefrorene Untergründe, dann Tauwetter und aufgeweichter Rasen: Fußballspielen ist für die schleswig-holsteinischen Regionalligisten seit Wochen kaum möglich. Etliche Spiele wurden abgesagt, manchmal auch ganze Spieltage - und ein Ende scheint nicht in Sicht. Die Zwangspausen für SC Weiche Flensburg 08, VfB Lübeck, Eintracht Norderstedt und Eutiner SV 08 stellen die Clubs von Woche zu Woche vor größere Probleme. Englische Wochen - also drei Spiele pro Woche - sind jetzt die Regel.

Lübeck mit 17 Spielen in neun Wochen

Vor allem in Lübeck sind Spieler und Trainer alles andere als glücklich mit der derzeitigen Situation. Am 13. Mai endet die Saison, und der Tabellenfünfte muss in den kommenden neun Wochen noch 17 Spiele absolvieren. Im April stehen allein sechs Partien in der Fremde an. Nicht einfach, da viele Spieler noch einem ganz normalen Beruf nachgehen. "Die Belastung wird sehr hoch sein. Da haben andere Mannschaften wie HSV II oder auch Wolfsburg II, die unter Profibedingungen nur trainieren und nicht arbeiten, schon einen kleinen Vorteil", weiß Moritz Marheineke. Der Innenverteidiger ist im Außendienst und in der Woche unterwegs - teilweise bis in den Ruhrpott. Er sagte im NDR 1 Welle Nord Interview, dass er so eine Situation in 20 Jahren Leistungsfußball noch nicht erlebt habe.

Flensburg wich zum Trainieren nach Dänemark aus

Auch Weiche Flensburg steht mit 16 ausstehenden Begegnungen nicht viel besser da als der VfB. Der Aufstiegskandidat spielt von seinen sieben Nachholspielen fünf auswärts. Bei den Fahrten nach Havelse und Oldenburg muss das Team von Trainer Daniel Jurgeleit jeweils mehr als 300 Kilometer fahren. Für René Guder eher weniger das Problem. "Wir haben eine gute Stimmung im Team. Und wenn man mit drei Punkten nach Hause fährt, ist die Rückfahrt auch nicht mehr schlimm", sagt der Stürmer. Der 23-Jährige kann vielmehr den schlechten Witterunsgverhältnissen nichts mehr abgewinnen. Die Flensburger bereiten sich bereits seit Anfang Januar auf den Start in die Rückrunde vor. Weil der Club keinen Kunstrasen hat, wich der Viertligist sogar nach Dänemark aus, um dort zu trainieren. "Wir waren auch viel in der Indoor-Soccerhalle", erzählt Guder. "Es ist nicht einfach für den Trainer, vor allem die jungen Spieler bei Laune zu halten. Er hat es aber gut hinbekommen."

Fußballspieler René Guder vom SC Weiche Flensburg 08 sitzt vor einer Leinwand.

Flensburgs Guder: "Sind viel in Dänemark gewesen"

NDR 1 Welle Nord - Schleswig-Holstein Aktiv -

Spieltag für Spieltag gibt es für Regionalligist SC Weiche Flensburg 08 Absagen. Stürmer René Guder erzählt im Interview, wo und wie der Club aufgrund des schlechten Wetters trainiert.

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Verzerrtes Tabellenbild für Norderstedt und Eutin

Ein weiteres Problem ist das Tabellenbild, das derzeit stark verzerrt ist. Die Anzahl der bereits absolvierten Spiele variiert von 16 bis 22 Partien pro Verein. "Die Tabelle hat momentan null Aussagekraft. Für einige Teams hat die Rückserie ja noch gar nicht begonnen", sagt Mittelfeldspieler Linus Meyer von Eintracht Norderstedt. Die Unterschiede seien extrem. Besonders für den Eutiner SV ist das ein Problem. Der Verein kämpft gegen den Abstieg und hat bereits teilweise vier Partien mehr absolviert als die Konkurrenz. "Wir schauen schon, wie viele Spiele die direkten Konkurrenten haben und wann spielt man gegen welchen Gegner", sagt Sönke Meyer, Innenverteidiger von Eutin 08.

Mehr als 70 Spiele neu angesetzt

Mehr als 70 Spiele müssen neu terminiert werden -  eine schwierige Aufgabe, die Jürgen Stebani lösen muss. Der Vorsitzende des Spielausschusses des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) muss den Überblick in dem ganzen Winterchaos behalten. Aber auch der Staffelleiter kommt aufgrund der vielen neuen Spielansetzungen mächtig ins Grübeln. Sie bescheren ihm viel Arbeit. "Das ist jetzt nicht mehr lustig. Alle drei, vier Tage muss ich angesetzte Wochentagsspiele ändern - und dann entsprechend in die Abstimmung gehen", sagte Stebani NDR 1 Welle Nord. Neben den Entfernungen muss Stebani auch die Anstoßzeiten beachten. "Bei Vereinen, die kein Flutlicht haben, kann ich nicht im März um 16 Uhr ein Nachholspiel ansetzen", betont der NFV-Funktionär.

Saisonverlängerung kein Thema

Trotz der Terminnot will der DFB die Saison nicht verlängern - zumal der Terminplan laut Stebani nicht viel Spielraum lässt. Am 21. Mai (Pfingstmontag) finden die Landespokal-Endspiele der Amateure statt, die im Ersten übertragen werden. Die Aufstiegsspiele zur Dritten Liga sind für den 24. und 27. Mai terminiert. Die daran teilnehmenden Vereine müssen bis zum 13. Mai ermittelt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 10.03.2018 | 13:30 Uhr

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