Stand: 31.07.2019 12:08 Uhr

Eintracht Braunschweigs erstaunlicher Wandel

Die Braunschweiger Fans haben derzeit viel Grund zur Freude.

Drei Spiele, drei Siege - besser hätte Eintracht Braunschweig nicht in die Drittliga-Saison starten können. Angesichts der überzeugenden Leistung der Niedersachsen beim jüngsten 2:0-Erfolg beim FC Carl Zeiss Jena sprach dessen Trainer Lukas Kwasniok am Dienstagabend fast ehrfurchtsvoll von einem "Klassenunterschied". Was die ohnehin starke Bilanz von neun Punkten noch bemerkenswerter macht: In der vergangenen Spielzeit benötigten die "Löwen" 14 Partien, um auf neun Zähler zu kommen. Zudem hatten sie nach der gesamten Hinrunde 2018/2019 lediglich zwei Spiele gewonnen.

Winter-Umbau legte den Grundstein

Bleibt die Frage, wie sich der BTSV so schnell vom Kellerkind zum Tabellenführer entwickeln konnte? Der Grundstein wurde bereits in der Winter-Transferperiode gelegt: Die Braunschweiger tauschten mehr oder weniger die halbe Mannschaft aus. Acht neue Spieler kamen, darunter erfahrene Profis wie Bernd Nehrig, Benjamin Kessel oder Jasmin Fejzic. Das Ergebnis: 32 Punkte, nur einer weniger als Zweitliga-Aufsteiger Karlsruhe - in der Rückrunde war der BTSV das sechstbeste Team. Der kaum für möglich gehaltene Klassenerhalt gelang, wenngleich nur knapp, dank einer um einen Treffer besseren Tordifferenz gegenüber Energie Cottbus.

Kader punktuell verstärkt

In diesem Sommer verabschiedete sich zwar Erfolgscoach André Schubert in Richtung Kiel, dennoch stehen die Zeichen auf Kontinuität. Nachfolger wurde der bisherige Co-Trainer Christian Flüthmann, zudem blieb der Kader weitestgehend zusammen. In Philipp Hofmann (38 Einsätze) verließ streng genommen lediglich ein Stammspieler die Eintracht.

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Im Gegenzug kamen in Nick Proschwitz, Martin Kobylanski und Orhan Ademi weitere erfahrene Profis nach Braunschweig. Vor allem Kobylanski hat sich mit schon vier Toren und zwei Vorlagen als Volltreffer erwiesen. Die aktuelle Transferperiode zeigt ein weiteres Umdenken beim BTSV: Alle Neuzugänge kamen von deutschen Zweit-, Dritt- oder Viertligaclubs. Die Zeiten, in denen sich die Braunschweiger in halb Europa nach Verstärkungen umsahen, sollen der Vergangenheit angehören. Die Scouting-Abteilung wurde aus Kostengründen aufgelöst, künftig will der Club auf das "Knowhow und das sehr gute Netzwerk" der ohnehin im Verein tätigen Personen setzen, sagte Aufsichtsrat Tobias Rau.

Ausgeglichenheit macht sich bezahlt

Aktuell scheint das Team aber gut aufgestellt. Die Ausgeglichenheit im Kader macht sich bezahlt. Als Nehrig am zweiten Spieltag beim 2:1 gegen 1860 München verletzt vom Platz musste, rückte der erfahrene Ademi nach. "Wir haben so eine Qualität im Kader, dass wir jeden Spieler ersetzen können", erklärte Flüthmann. Beim Sieg in Jena kam Ademi für Stürmer Proschwitz und glänzte prompt als Torschütze.

Schon nach dem Erfolg gegen 1860 hatte Routinier Kessel davon gesprochen, dass die Mannschaft "gefestigt" sei und Phasen überstehen könne, "in denen wir überhaupt nicht im Spiel sind". Ein Gegentor werfe das Team nicht aus der Bahn: "Da haben wir uns auf jeden Fall weiterentwickelt." Dass das Erlebnis eines Beinahe-Abstiegs eine Mannschaft zusammenschweißen und ungeahnte Kräfte freisetzen kann, zeigt ein norddeutsches Beispiel aus der Vergangenheit: So sicherte sich der FC St. Pauli durch ein Last-Minute-Tor von Marcus Marin am letzten Spieltag der Zweitliga-Saison 1999/2000 den Klassenerhalt und stieg mit fast dem gleichen Kader ein Jahr später in die Bundesliga auf.

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Sport aktuell | 31.07.2019 | 08:25 Uhr