Stand: 02.10.2019 13:31 Uhr

Bosporus statt Bremen: Kruse verliebt in Istanbul

Am vergangenen Sonnabend gab es im fußballverrückten Istanbul eigentlich nur ein Gesprächsthema: Das 391. Duell zwischen Fenerbahçe und Galatasaray, den beiden populärsten türkischen Sportvereinen. Vor dem Anpfiff der Partie des sechsten Spieltages der Süper Lig wurde im mit 51.663 Zuschauern fast ausverkauften Galatasaray-Stadion die türkische Nationalhymne abgespielt. Und ein Mann sang sie dabei textsicher mit, der erst seit einigen Wochen seine Zelte am Bosporus aufgeschlagen hat: Max Kruse. Das brachte dem im Sommer von Werder Bremen zu Fenerbahçe gewechselten Offensivmann bei den Fans beider Clubs sowie der lokalen Presse gleichermaßen viel Lob ein, zeugte es doch davon, dass sich der frühere deutsche Nationalspieler voll und ganz mit seiner neuen Aufgabe identifiziert.

Medien überschütten Ex-Werder-Star mit Lob

Weitere Informationen

Max Kruse wechselt zu Fenerbahce Istanbul

Max Kruse zieht es in die Türkei. Der 31 Jahre alte Offensivallrounder, der bei Bundesligist Werder Bremen nicht verlängern wollte, wechselt zu Fenerbahce Istanbul. mehr

"Die Nationalhymne hat eine besondere Bedeutung für die Türken, daher habe ich versucht, sie zu lernen", gab der 31-Jährige anschließend zu Protokoll. Dass der Deutsche den "İstiklâl Marşı" ("Freiheitsmarsch") mitsang, war nach dem interkontinentalen Derby zwischen dem auf der asiatischen Seite Istanbuls beheimateten Kruse-Club sowie Galatasary, das seine Wurzeln auf der europäischen Seite der Metropole hat, ein größeres Gesprächsthema als das spröde 0:0 zwischen den Erzrivalen. Er verhalte sich "wie einer von uns", war in den diversen Fußball-Gazetten unter anderem zu lesen. Sie berichteten zudem davon, dass der Angreifer ein "Fan türkischer Fernsehserien" sei und in jeder freien Minute die Sehenswürdigkeiten Istanbuls besichtigen würde. Und auch das türkische Essen und der türkische Tee hätten es dem aus Reinbek stammenden Mann angetan, hieß es weiter.

Gesicht des "Fener"-Aufschwungs

Kruse fühlt sich fernab seiner norddeutschen Heimat pudelwohl. "Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich schon seit Jahren hier lebe. Ich fühle mich in Istanbul zu Hause und bin froh, hier zu sein", erklärte der 31-Jährige. Worte, die bei den "Fener"-Fans gewiss gut ankommen. Doch die Herzen der Anhänger des 19-maligen Meisters hat der vormalige Werder-Kapitän ohnehin bereits erobert - durch sportliche Topleistungen. Fünf Vorlagen nach sechs Partien schlagen für den Offensivmann bereits zu Buche. Wie in Bremen ist er auch beim aktuellen Tabellenzweiten bereits jetzt ein Schlüsselspieler. Gegen Galatasaray unterlief dem Linksfuß kein einziger Fehlpass. Alle seine 40 Pässe kamen bei seinen Teamkameraden an. Kruse ist das Gesicht des Fenerbahçe-Aufschwungs. Die vergangene Serie beendete der Traditionsclub auf dem enttäuschenden sechsten Platz und verpasste damit die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.

"Glaube, ich werde glücklicher sein"

Bild vergrößern
Max Kruses Wechsel nach Istanbul kam überraschend.

Umso überraschender entschied sich Kruse für einen Wechsel nach Istanbul, hatte er doch zuvor seinen Abschied aus Bremen auch damit begründet, wieder international spielen zu wollen. Mit diversen Topvereinen war der 31-Jährige daraufhin in Verbindung gebracht worden. Doch zu einer Einigung kam es nicht, sodass es den Anschein hatte, dass sich Kruse verpokert haben könnte. Dem aber war nach Aussage des 14-maligen Nationalspielers nicht so. "Ich habe das Gefühl, dass ich hier erfolgreich sein werde. Ich glaube, ich werde glücklicher sein, also habe ich mich für Fenerbahçe entschieden und bin sehr zufrieden damit“, erklärte der Stürmer Ende Juli dem Sender "beIN Sports".

Rund zwei Monate später darf es eigentlich keine Zweifel mehr daran geben, dass Kruse sich nicht aus Mangel an Alternativen in das "Abenteuer Istanbul" gestürzt hat, sondern weil es ihn reizte. "Ich möchte so schnell wie möglich ein Interview auf Türkisch geben", kündigte der Ex-Werder-Star jüngst an. Ein weiterer Beweis dafür, dass Fenerbahçe für ihn schnell zu mehr als nur irgendeiner Profistation geworden ist...

Die Karriere von Max Kruse in Bildern