Kopfballduell zwischen Osnabrücks Marc Heider (l.) und Hamburgs Bakery Jatta. © imago images / Poolfoto

Zweite Liga: Das Hoch im Norden

Stand: 10.11.2020 14:27 Uhr

Der Hamburger SV Spitzenreiter, der VfL Osnabrück erster Verfolger, zudem Holstein Kiel auf Platz vier und Hannover 96 auf Rang sieben - der Norden dominiert die Zweite Liga.

von Johannes Freytag

Dass sie buchstäblich in letzter Sekunde einen Zweitliga-Rekord verpasst haben, dürfte die Fußballer des Hamburger SV am Montagabend nach dem 1:1 in Kiel am wenigsten geärgert haben. Der Vorsprung des Tabellenführers auf Relegationsplatz drei beträgt nach gerade einmal sieben Spieltagen immer noch komfortable fünf Punkte. Besser - mit einem Zähler mehr - stand zum selben Zeitpunkt in der Historie des eingleisigen Unterhauses nur 1997 der spätere Aufsteiger Eintracht Frankfurt da. Aber nicht nur der HSV ist auf Bundesliga-Kurs - auch der VfL Osnabrück, Holstein Kiel und Hannover 96 liegen gut im Rennen.

Nordclubs stellen ein Drittel der Liga

Das liegt alleine schon an der Zahl der Clubs: Mit Eintracht Braunschweig und dem FC St. Pauli kommen insgesamt sechs Zweitligisten aus dem Norden der Republik, also ein Drittel. Das war zuletzt 1992/1993 der Fall, als es von den 24 Mannschaften sogar acht waren: Hannover 96, der SV Meppen, Hansa Rostock, der VfL Wolfsburg, der FC St. Pauli, Eintracht Braunschweig, der VfL Osnabrück und der VfB Oldenburg.

Favorit HSV im Soll, Hannover noch nicht

Der HSV ist auf dem erhofften Weg zurück in die Bundesliga noch nicht so stabil, wie es der Blick auf die Tabelle vermuten ließe. Das weiß auch Trainer Daniel Thioune - und es verwundert ihn nicht. "Es ist eben so, dass wir ab und an noch stolpern, aber wir werden daraus lernen und dann auch wieder solche engen Spiele gewinnen. Dieses Remis gehört ebenfalls zu unserem Entwicklungsprozess. Vielleicht wird der Punkt auf unserem Weg noch wertvoll", erklärte der HSV-Coach, dessen Team weiter ungeschlagen ist.

Ganz anders ist die Situation bei Hannover 96. Die Messlatte ist dort ähnlich hoch wie beim HSV, das bislang Gezeigte unterscheidet sich aber deutlich vom Nordrivalen. "Die Saison ist noch sehr frisch. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine neue Mannschaft haben", suchte 96-Coach Kenan Kocak im NDR nach einer Erklärung. Kapitän Dominik Kaiser ergänzte: "Wir müssen einfach noch mehr zusammenwachsen."

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Osnabrück überrascht und bleibt bescheiden

Das ist beim VfL Osnabrück bislang erstaunlich gut gelungen. Trotz namhafter Abgänge (inklusive Trainer Thioune) sind die Niedersachsen erster Verfolger des HSV. "Das freut mich natürlich ungemein, dass auch der VfL von oben grüßt. Das ist dann ja auch für mich eine Win-Win-Situation: Etwas zu verlassen, was dann deutlich weiter wächst", sagte Thioune, dessen Nachfolger Marco Grote in Osnabrück ebenfalls noch ungeschlagen ist. Grote bezeichnete die Leistung seiner Mannschaft als "außergewöhnlich" und gab ihr nach dem 4:2 in Regensburg erst einmal eine Woche frei.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass der VfL Anfang Oktober nach positiven Corona-Tests eine 14-tägige Quarantänehinter sich bringen musste. "Danach haben wir Woche für Woche ein Feuerwerk abgebrannt", sagte Stürmer Sebastian Kerk dem NDR und fügte hinzu: "Aber wir bleiben bescheiden." Auch Grote will das Wort "Aufstieg" (noch) nicht hören: "Wir haben 13 Punkte, das zählt. Wir haben auf alle Fälle noch Potenzial, uns zu verbessern, sind aber auf einem guten Weg."

Kiel mit einem "sehr guten Gefühl"

Holstein Kiel hat auf Platz vier Kontakt zur Aufstiegszone. Fin Bartels bezeichnete den Ligastart der "Störche" (drei Siege, drei Remis, nur eine Niederlage) als "okay". Trainer Ole Werner gönnt seiner Mannschaft deshalb ein paar Tage Ruhe, um für körperliche und mentale Frische zu sorgen. Die Motivation ist auf jeden Fall vorhanden, wie KSV-Stürmer Joshua Mees bestätigt: "Jetzt kommt die Länderspielpause und wenn man davor ein Last-Minute-Tor gegen den Tabellenführer macht, geht man mit einem sehr guten Gefühl in die Pause."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 10.11.2020 | 14:25 Uhr

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