Stand: 24.10.2018 12:54 Uhr

HSV-Coach Wolf: Jung, selbstbewusst, mutig

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Wieder einmal hat ein neuer Coach beim Hamburger SV seine Arbeit aufgenommen: Hannes Wolf soll den Fußball-Zweitligisten zum Aufstieg führen. Bei vielen Fans hat der Trainerwechsel von Christian Titz zu Wolf für Kritik und Unverständnis gesorgt. Doch er ist nachvollziehbar, zumal der 37-Jährige einen ausgezeichneten Ruf genießt.

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Erster Arbeitstag in Hamburg: Hannes Wolf (2.v.l.) leitet das HSV-Training.

Hannes Wolf ist jung, selbstbewusst - und mutig. Jedenfalls lässt sich der neue Coach des Hamburger SV nicht davon beeindrucken, dass der Traditionsclub in den vergangenen Jahren die Trainerverschleißmaschine Nummer eins in Deutschland war. "Das hat mich nicht abgeschreckt. Es ist eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle", sagte der 37-Jährige, der am Mittwochvormittag seine erste Trainingseinheit beim Zweitligisten leitete. Wolf hat gewisse Erfahrungswerte, schließlich war er anderthalb Jahre Coach des VfB Stuttgart, dessen Trainerverschleiß nur unwesentlich geringer ist als der des HSV.

Fan-Kritik an der Trennung von Titz

Von der Aufregung, die es nach der Beurlaubung von Wolfs Vorgänger Christian Titz vor allem in den sozialen Medien gab, war im Volkspark am Mittwoch nichts zu spüren. Doch die Entscheidung, sich von Titz zu trennen, hinterließ bei vielen Fans einen bitteren Beigeschmack. "Ich weiß, mit der Entscheidung sammle ich keinen Beliebtheitspreis ein. Aber darum geht es mir auch nicht. Ich muss nach meiner Überzeugung handeln", erklärte HSV-Sportchef Ralf Becker am Dienstagabend.

Mannschaft steckte in einer Sackgasse

Titz hatte nach seinem Amtsantritt im März mit Offensiv-Fußball für einen extremen Stimmungsumschwung gesorgt und sich viele Sympathien bei den HSV-Fans erworben. Dieses Verdienst kann ihm niemand absprechen. Blickt man jedoch ganz nüchtern auf die vergangenen Wochen, so war nicht zu übersehen: Die Mannschaft steckte in einer Sackgasse, Titz konnte ihr kaum noch neue Impulse geben. Und da die Hamburger mit ihrem Rekordetat eben kein "normaler" Zweitligist sind, gelten für sie auch andere Bewertungsmaßstäbe. Platz fünf nach zehn Partien ist eine Enttäuschung. Vor allem konnte der HSV in fast keiner Partie wirklich überzeugen. Zudem wollten Becker und Clubchef Bernd Hoffmann mit Sicherheit nicht riskieren, dass Wolf das Angebot eines Bundesligisten erhält und dann nicht mehr verfügbar gewesen wäre. Deshalb ist die Entscheidung nachvollziehbar.

Welchen Stil lässt Wolf spielen? Und mit wem?

Zumal Wolf alles andere als eine Verlegenheitslösung ist. Der 37-Jährige hat einen sehr guten Ruf, gilt als penibler Taktiker mit einer klaren Linie. Seine erste Bewährungsprobe hat er am Freitag (18.30 Uhr / im NDR Livecenter), wenn der HSV beim 1. FC Magdeburg gastiert. Bei nur zwei Tagen Vorbereitungszeit sind für die Partie beim Aufsteiger noch keine großen Überraschungen zu erwarten.

Anschließend stellen sich jedoch einige Grundsatzfragen: Welchen Stil will Wolf spielen lassen? Und mit welchem Personal? Titz galt in der Öffentlichkeit als Förderer der eigenen Jugend. Tatsächlich erhielten die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei ihm nur sehr dosiert Einsatzzeiten. Vielleicht bekommen die Jungen bei Wolf deutlich mehr Spielanteile. Den Rückhalt der HSV-Bosse, die nun "ihren" Trainer installiert haben, an dessen Erfolg sie sich auch messen lassen müssen, dafür hat er ausdrücklich. Ebenso ein klar definiertes Ziel: aufsteigen!   

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.10.2018 | 19:30 Uhr

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