Stand: 02.09.2019 11:12 Uhr

Jatta: Bezirksamt stellt Ermittlungen ein

Bild vergrößern
Kann sich Bakery Jatta jetzt wieder ganz auf das Fußballspielen konzentrieren?

Einen Tag nach seinem emotionalen Auftritt im Volksparkstadion beim 3:0-Sieg über Hannover 96 bahnt sich für HSV-Torschütze Bakery Jatta der nächste Erfolg an - ein viel wichtigerer obendrein. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Ermittlungen gegen den Gambier eingestellt. "Aus den vorliegenden Unterlagen gehen keine belastbaren Anhaltspunkte hervor, die ausländerrechtliche Maßnahmen begründen würden. Die aufgekommenen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben haben sich im Rahmen der Anhörung nicht bestätigt", wird Bezirksamtleiter Falko Droßmann in einer offiziellen Pressemitteilung zitiert. Die Aufenthaltserlaubnis Jattas bleibt damit unangetastet.

Jatta-Anwalt: "Das ist eine Erleichterung"

Ein wochenlanger Spießrutenlauf könnte für den 21-Jährigen damit beendet sein, wenn auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen entsprechenden Beschluss fasst.

Jattas Rechtsanwalt bezeichnete die Entscheidung des Bezirksamts als "sehr positive Nachricht. Das ist eine Erleichterung. Wir haben es allerdings auch nicht anders erwartet", sagte Thomas Bliwier: "Ich gehe davon aus, dass der Fall nun abgeschlossen ist und sich das Verfahren damit erledigt hat." Auch HSV-Trainer Dieter Hecking reagierte mit Erleichterung: "Es ist ein ganz, ganz wichtiger Schritt, dass keine Zweifel mehr an der Identität von Baka bestehen. Es bestärkt mich in dem Eindruck, den ich immer in der Geschichte gehabt habe. Ich hatte immer das Riesenvertrauen, dass Baka mich nicht anlügen würde." 

Wirbel begann Anfang August

Anfang August hatte die "Sport Bild" erstmals darüber berichtet, dass Jatta möglicherweise unter falscher Identität beim HSV spiele. Der Offensivakteur sei in Wahrheit zwei Jahre älter und heiße zudem Bakary Daffeh. Zudem listete das Blatt Unstimmigkeiten über frühere Vereinsmitgliedschaften Jattas auf. Es folgte ein Bericht im "Spiegel" unter Berufung auf die "Football Leaks", demzufolge auch der Hamburger SV bereits bei der Verpflichtung des Profis im Jahr 2016 Zweifel hatte, die Ermittlungen aber abbrach. Jatta selbst beteuerte stets, dass an den Gerüchten nichts dran sei, verwies dabei auf seinen gültigen gambischen Pass. Zudem hatte er dem Bezirksamt auch eine in Gambia beglaubigte Geburtsurkunde vorgelegt.

Was wird nun aus den Einsprüchen der HSV-Gegner?

Der HSV hatte sich stets hinter den Fußballer gestellt und die öffentliche Diskussion angeprangert.

Kritik gab es seitens der Hanseaten auch an den Clubs, die wegen der möglicherweise nicht gültigen Spielberechtigung Jattas Protest gegen die Wertung ihrer Niederlagen gegen den HSV eingelegt hatten. Im Gegensatz zum 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC und VfL Bochum hatte Hannover 96 auf einen Protest verzichtet: "Im Fußball zählt das, was auf dem Platz passiert. Alles andere hat auf Sieg oder Niederlage keinen Einfluss", heißt es in einer Erklärung. Der FC St. Pauli, kommender Gegner des HSV, hat bereits erklärt, keinen Einspruch einlegen zu wollen.

Die Verhandlung des Nürnberger Einspruches soll am Montag, den 9. September, in Frankfurt/Main stattfinden. Es soll ein Kronzeuge aussagen. Der DFB teilte am Montag mit, dass bislang noch keine Einladung zu dem Gerichtstermin erfolgt sei. Sollten die betreffenden Vereine ihre Einsprüche aufrecht erhalten, müsse sich das DFB-Sportgericht allerdings mit dem Sachverhalt befassen. Die Beweispflicht läge in diesem Fall bei den Clubs.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 02.09.2019 | 11:25 Uhr