Stand: 08.02.2019 16:40 Uhr

Bayern-Wechsel: PR-Desaster - aber Chance für Arp

von Matthias Heidrich, NDR.de
Zwischen den Stühlen: HSV-Stürmer Fiete Arp, der zum FC Bayern München wechseln wird.

Der schon lange verabredete und jetzt erst bekannt gegebene Wechsel von HSV-Talent Fiete Arp zum FC Bayern München sorgt bei den Fans für Diskussionen. Die Art und Weise stößt vielen sauer auf. Clubchef Bernd Hoffmann nimmt seinen Jungprofi aus der Schusslinie. Nüchtern betrachtet gibt es gute Gründe für Arps Abgang in Richtung Rekordmeister.

Fiete Arp wird den HSV verlassen, vielleicht schon im Sommer, spätestens aber 2020. Dann streift sich die Hamburger Sturmhoffnung das Trikot des FC Bayern München über. Ein Wechsel, der schon lange verabredet war, den alle Parteien allerdings verschwiegen haben. Stattdessen verlängerte der 19-Jährige im vergangenen Sommer beim Bundesliga-Absteiger aus der Hansestadt, und die Fans dachten auch aufgrund seiner öffentlichen Bekenntnisse zum Rautenclub, der aufstrebende Youngster habe sich für Hamburg und gegen die weite, finanziell viel besser ausgestattete Fußballwelt entschieden.

Von "Täuschung" oder "Betrug" ist die Rede

So war es nicht, das ist nun klar, was wiederum für jede Menge Diskussionsstoff im Fanlager des HSV sorgt. Von "Täuschung" oder "Betrug" ist da die Rede. Auf der anderen Seite wird aber auch Verständnis darüber geäußert, dass Arp die Chance FC Bayern München ergreift. Am Montag, wenn der Zweitliga-Spitzenreiter HSV Dynamo Dresden (20.30 Uhr, im NDR Livecenter) empfängt, muss sich der junge Profi den Fans stellen. Es wird vermutlich ein harter Gang.

Hoffmann: Fiete trägt keine Verantwortung

Der in seiner Kommunikation nach außen befremdlich abgelaufene Abschied Arps könnte zu einem langgezogenen Spießrutenlauf für den Youngster werden. Am Freitag sah sich der HSV jedenfalls in der Situation, reagieren und sich vor den Jungprofi stellen zu müssen. "Fiete ist hinsichtlich des nicht kommunizierten Transfers aus jeder Verantwortung zu nehmen. Er hat nach der letzten Saison gesagt, dass er beim HSV bleiben will, um den Abstieg zu korrigieren", teilte Clubchef Bernd Hoffmann der eingeladenen Presse mit. Die Verantwortung, den Deal nicht öffentlich gemacht zu haben, läge bei den beiden Clubs.

"Wir bekommen eine ordentliche Ablösesumme"

Hoffmann räumte ein, dass den Vereinen keine "vernünftige Kommunikation" gelungen sei. "Das hätten wir damals anders machen sollen", sagte der Vorstandsvorsitzende, der aber betonte, mit dem Gesamtpaket des Transfers zufrieden zu sein. "Fakt ist, wir bekommen eine ordentliche Ablösesumme." Kolportiert werden bis zu fünf Millionen Euro.

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Was spricht für Bayern München?

Nüchtern betrachtet gibt es gute Gründe für Arps Abgang in Richtung Rekordmeister. Ob drei, vier oder gar fünf Millionen Euro pro Jahr, finanziell dürfte der Youngster mit dem Bayern-Vertrag ausgesorgt haben. Ein unromantischer, aber verständlicher Ansatz. Fußballprofis haben nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung. Und ja, es geht dabei ums Geschäft, und der Meister spielt in einer anderen "Geld-Liga" als der angeschlagene HSV, bei dem die "3,5-Millionen-Verträge" à la Lasogga, Holtby oder Wood offensichtlich Geschichte sind. Dass die Titelchancen im Bayern-Trikot ungleich höher sind, ist klar. Arp hat in jedem Fall die fußballerischen Anlagen, um sich an der Säbener Straße durchzusetzen, auch wenn der Youngster zuletzt wenig davon gezeigt hat.

Kovac sicher: Arp wird Nationalspieler

Beim HSV scheint ihm der nächste, für seine Karriere zwingende Schritt vom talentierten Jungstümer zum gestandenden und auch standhaften Bundesligaspieler nicht zu gelingen. Mit den Bayern hat sich Arp jedenfalls die höchste Hürde im deutschen Fußball ausgesucht. FCB-Trainer Niko Kovac glaubt an die Fähigkeiten des 19-Jährigen: "Ich bin mir sicher, dass er deutscher Nationalspieler wird." Ob Arp allerdings schon reif für eine Rolle in einem Weltklasse-Kader ist, muss sich zeigen. Da ist auch Kovac zurückhaltend: "Dass man bei jungen Spielern in die Zukunft investiert, ist doch klar. Man muss als Verein frühzeitig ran, um sich diese Talente zu sichern für wenig Geld."

Hoffmann: Entscheidung erst nach der Saison

Ob es Arp schon ab diesem Sommer oder eben erst 2020 bei den Bayern versucht, entscheidet er allein. Hoffmann stellte lediglich klar, dass die Entscheidung auf gar keinen Fall mehr während der laufenden Saison fallen werde. "Egal wie der sportliche Verlauf der Rückrunde ist. Damit beschäftigen wir uns und vor allem Fiete nach der Saison." Keine Frage, der HSV möchte das Thema vom Tisch haben.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 08.02.2019 | 11:25 Uhr

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