Yannick Deichmann vom VfB Lübeck © imago images/Hübner Foto: Susanne Hübner

Lübecks Deichmann: "Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht"

Stand: 05.12.2020 07:02 Uhr

Yannick Deichmann hat in den vergangenen Wochen mit dem VfB Lübeck die Dritte Liga aufgemischt. Dann stoppte eine Corona-Quarantäne den Aufsteiger jäh. Heute geht's beim FC Ingolstadt weiter, der NDR zeigt das Auswärtsspiel ab 14 Uhr im TV und im Livestream. VfB-Stürmer Deichmann im Interview:

Herr Deichmann, können Sie das Wort Coronavirus noch hören?

Yannick Deichmann: Man muss das Thema auf jeden Fal ernst nehmen. Und wir müssen als Fußballer vor allem dankbar sein, dass wir überhaupt spielen dürfen.

Für den VfB bedeutete die Pandemie bisher: keine Aufstiegsparty mit den Fans, keine Aufstiegseuphorie bei den Heimspielen und jetzt auch noch die Quarantäne...

Deichmann: Klar, wir haben natürlich auch gerade ein paar Entbehrungen. Wir müssen uns genau an das Hygienekonzept halten und haben immer wieder Testungen auf das Virus. Aber besonders schade ist es für die Fans, die uns auch im letzten Jahr zum Aufstieg verholfen haben. Sie haben uns in der Vierten Liga überallhin begleitet - und jetzt dürfen sie die Reisen nach Kaiserslautern, zu 1860 oder eben nach Ingolstadt nicht mitmachen.

Wie war die Quarantäne für Sie?

Deichmann: Es gab keine Alternative dazu, dass wir in Quarantäne gegangen sind. Es war aber auch richtig, um die Gesundheit der anderen, aber auch die eigene zu schützen. Wir haben für die Tage zu Hause ein paar Stabilitäts- und Mobilitätsübungen an die Hand bekommen, um die Fitness so gut es geht zu bewahren. Zum Glück hatte ich vorher schon relativ viel eingekauft, das hat für die vier, fünf Tage gereicht (lacht).

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Ist unter diesen Umständen überhaupt an eine richtige Vorbereitung auf das Spiel in Ingolstadt zu denken?

Deichmann: Wir waren ja nicht fünf Wochen raus und müssen nicht komplett von vorne starten. Man hat im Training auf jeden Fall gesehen, dass wir nach einer Woche Pause Bock haben zu zocken. Deshalb denke ich, dass wir mit den drei Trainingseinheiten vor dem Spiel eine gute Vorbereitung haben werden.

Zum Saisonstart blieb der VfB sieben Spiele ohne Sieg, dann gab es vier Dreier in Folge. Wie erklären Sie sich diese Serien?

Deichmann: Das ist lustig. Wir haben eigentlich nicht viel verändert. Wir sind einfach ruhig geblieben und haben weiter versucht, unsere Leistung abzurufen. Wir haben gewusst, dass die Qualität im Team vorhanden ist, um erfolgreich zu sein. Uns war kein Gegner haushoch überlegen. Mit den vier Siegen haben wir uns dann für unseren Aufwand belohnt - und natürlich ist die Stimmung besser, wenn man gewinnt. Aber wir wissen, dass noch ein harter Weg vor uns liegt.

Sie haben schon in jungen Jahren mit St. Pauli in der Zweiten Liga und mit Aalen in der Dritten Liga gespielt. Der richtige Durchbruch gelang ihnen nicht. Hatten Sie, als Sie mit 23 in die Vierte Liga nach Lübeck gewechselt sind, schon mit der Profikarriere abgeschlossen?

Deichmann (lacht): Ich habe bei St. Pauli und in Aalen viel gelernt. Aber der VfB Lübeck hat mich mit seinem Plan überzeugt, dass es vielleicht in ein paar Jahren wieder in den Profifußball zurückgeht. Ich wollte unbedingt dabei mithelfen, den VfB wieder auf nationale Ebene zu heben. Ich habe außerdem vor drei Jahren zusammen mit meinem Teamkollegen Tim Weißmann angefangen, in Wismar Sportmanagement zu studieren. Und ich hoffe, dass wir da bald unseren Bachelor machen können.

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Mit nun 26 Jahren sind Sie Führungsspieler in Lübeck. Liegt es Ihnen, Verantwortung zu übernehmen?

Deichmann: Ich übernehme gern Verantwortung. Ich bin jetzt auch ein paar Jahre hier, kenne die Strukturen, die Menschen im Verein und auch teilweise die Fans. Ich bin in diese Rolle reingewachsen. Das war ein Reifeprozess, auch wenn ich aus dem Profifußball kam. Wir hatten einige richtig gute Typen, die vorangegangen sind. Aber bei uns versucht jeder, seinen Teil beizutragen.

Das große Lübecker Faustpfand ist der Teamgeist. Hat die Pandemie die Mannschaft sogar noch mehr zusammengeschweißt?

Deichmann: Wir haben wirklich ein richtig gutes Mannschaftsgefüge. Hätten wir das nicht, würden wir die Spiele verlieren. Wir haben nicht so eine individuelle Qualität wie Dresden oder 1860, wir kommen über das Kollektiv. Aber das hat mit der Pandemie nichts zu tun. Wir haben zu Saisonbeginn trotz relativ vieler Neuzugänge schnell zusammengefunden und den richtigen Teamgeist entwickelt.

Also haben Sie keine Sorge, dass die jüngste Niederlage in Kaiserslautern und die Quarantäne den VfB aus der Bahn werfen?

Deichmann: Es gilt, die drei Trainingstage so gut es geht zu nutzen, um uns optimal auf das Ingolstadt-Spiel vorzubereiten. Wir müssen uns voll auf dieses Spiel konzentrieren und alles andere ausblenden. Dann schauen wir, was am Ende dabei herauskommt.

Der Großteil des Teams ist jetzt zwar wieder einsatzbereit. Neben Trainer Rolf Landerl fehlen aber noch drei Spieler. Sorgt die Corona-Pandemie für Wettbewerbsverzerrung?

Deichmann: Das würde ich nicht sagen. Man muss mit den Gegebenheiten jetzt leben. Das ist einfach so. Am Ende spielen wohl alle die 38 Spiele, und es wird derjenige Erfolg haben, der die Umstände am besten gedanklich ausschalten kann. Wir sind froh, dass es uns jetzt nicht so hart erwischt hat und freuen uns, dass wir so schnell wieder ins Spielgeschehen eingreifen können.

Und Sie trotzen Corona mit der erfolgreichsten Zeit ihrer Karriere?

Deichmann: Ich spreche nur ungern von mir persönlich. Wir sind in den letzten Jahren als Verein sehr erfolgreich gewesen. Dazu hat jeder einzelne seinen Teil beigetragen. Ein Spieler kann nur selten gut aussehen, wenn die Mannschaft nicht gut aussieht. Aber der Aufstieg war auch nur ein Teilerfolg. Wir müssen jetzt von Woche zu Woche an unser Leistungsmaximum gehen. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Jetzt wollen wir den Verein in der Dritten Liga etablieren.

Das Interview führte Florian Neuhauss

Mögliche Aufstellungen:

FC Ingolstadt: Buntic - Heinloth, Antonitsch, Schröck, Gaus - Keller, Krauße - Stendera - Eckert Ayensa, Kutschke, Elva
VfB Lübeck: Raeder - Riedel, Grupe, Okungbowa - Mende - Steinwender, Zehir, Boland, Thiel - Deichmann, Röser

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 05.12.2020 | 14:00 Uhr

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