Stand: 21.11.2018 12:03 Uhr

Wirtschaftsprofessor: Lage beim HSV desaströs

Zum achten Mal in Folge hat der Hamburger SV ein Minus eingefahren: 5,8 Millionen Euro waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Fußball-Zweitligist ist ein "massiver Krisenclub", hat selbst Vorstandsboss Bernd Hoffmann jüngst erklärt. Zu einem noch drastischeren Urteil kommt Wirtschaftsprofessor Carl-Christian Freidank von der Universität Hamburg. "In der Privatwirtschaft würde dieses Unternehmen von einer 'Heuschrecke' gekauft, in seine Einzelteile zerlegt werden und höchstbietend vom Markt verschwinden", so Freidank im Interview mit dem Hamburg Journal.

Personalkosten auch nach dem Abstieg kaum reduziert

Dass der HSV seit Jahren über seine Verhältnisse lebt, ist keine neue Erkenntnis. Zu teure Spieler, ständige Trainerwechsel und nicht erreichte Ziele auf Einnahmeseite haben den Club in eine äußerst prekäre Lage gebracht. Auch nach dem Bundesliga-Abstieg im Sommer folgte kein großer Schnitt. "Das Spielervermögen wurde um 50 Prozent reduziert, anderseits wurden die Personalkosten fast überhaupt nicht reduziert und liegen nach wie vor bei 70 Millionen Euro", so Freidank. Auswirken wird sich dies wohl massiv in der nächsten Bilanz: Nach Informationen von NDR 90,3 wird für die laufende Spielzeit clubintern mit einem Minus von 20 Millionen Euro gerechnet. Eine realistische Zahl, glaubt Freidank. "Wenn prognostiziert wird, dass 40 Millionen Umsatzerlöse fehlen und die Personalkosten nicht radikal - also um die Hälfte - reduziert werden, dann sind solche Werte belastbar."

Wie soll die Fananleihe bezahlt werden?

Ohnehin sieht der Wirtschaftsprofessor den HSV vor einer extrem schwierigen Zukunft. Im September des kommenden Jahres muss eine Fananleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro ausgezahlt werden. Woher soll der Zweitligist das Geld nehmen? "Die Liquidität ist auch desaströs", so Freidank. Der Kassenbestand sei im vergangenen Jahr um fünf Millionen Euro gesunken: "Da müssen sich die Spieler Gedanken machen, ob sie bald noch ihre Gehälter bekommen." Dem Hamburger SV bleibe keine andere Wahl, als sich Geld bei Privatpersonen oder Banken zu besorgen. Kein leichtes Unterfangen: "Da alle Kennzahlen dieser Bilanz einem vernünftigen Kreditmanager sagen würden, gib dem Verein nichts, wird es schwierig, an Fremdkapital zu kommen", glaubt Freidank.

"Unternehmen steht auf tönernen Füßen"

Auch widerspricht der Wissenschaftler der positiven Einschätzung von HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein, der die "Stärkung des Eigenkapitals" als Fortschritt bezeichnet hatte. "Dies sind Zuzahlungen von Gesellschaftern und keine Erhöhung aus eigener wirtschaftlicher Kraft. Das zeigt, dass das Unternehmen auf tönernen Füßen steht." Selbst der Wiederaufstieg in die Bundesliga könne die Not nicht lindern, betonte Freidank: "Man kann mit den Zahlen aus der Bilanz und den Prognosewerten finanziell in der Bundesliga nicht bestehen."

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Hamburg Journal | 21.11.2018 | 19:30 Uhr