Stand: 10.08.2019 22:35 Uhr

Werder siegt klar - aber auch Delmenhorst jubelt

von Johannes Freytag, NDR.de

Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat eine der kuriosesten DFB-Pokal-Partien seiner Vereinsgeschichte klar für sich entschieden und problemlos die zweite Runde erreicht. 6:1 (4:1) gewannen die Hanseaten am Samstagabend "auswärts" beim Oberligisten Atlas Delmenhorst. "Auswärts" und kurios deshalb, weil das Spiel im Weserstadion ausgetragen wurde, Werder also gewissermaßen Gast bei sich zu Hause war. Die 41.500 Besucher im ausverkauften Stadionrund sind zudem Bestwert für eine Erstrundenpartie mit Amateurbeteiligung im DFB-Pokal. Die bisherige Rekordmarke hielt der TSV Germania Windeck, dessen Partie 2010 gegen Schalke 04 im Kölner Stadion vor 41.100 Zuschauern ausgetragen wurde.

Schmidt wird Delmenhorsts Pokalheld

21:15 Uhr zeigte die Stadionuhr, als der SV Atlas Delmenhorst "seinen" Pokal-Moment hatte. Oliver Rauh war auf dem rechten Flügel allen davon gerannt, hatte quer auf die andere Seite gelegt, wo der mitgelaufene Tom Schmidt den Ball aus 20 Metern direkt nahm und ins Werder-Tor traf (30.). Selbst Atlas-Torwart Florian Urbainski stürmte über den ganzen Platz und warf sich in die Jubeltraube - gefeiert wurde, als habe Delmenhorst die Sensation geschafft und die Partie bereits gewonnen. Dabei hatte Schmidt lediglich den Anschlusstreffer zum 1:2 erzielt. Aber es war eben nicht nur irgendein Tor, wie Atlas' Vereinsvorsitzender Manfred Engelbart in der Halbzeitpause im "Sky"-Interview freudestrahlend bestätigte: "Dieses eine Tor wollten wir unbedingt, davon haben wir geträumt. Die Gegentore sind zweitrangig."

Oldie Pizarro verzückt die Fans

1.Spieltag, 10.08.2019 20:45 Uhr

A. Delmenhorst

1

Werder Bremen

6

Tore:

  • 0:1 Osako (10.)
  • 0:2 Moisander (19.)
  • 1:2 Schmidt (30.)
  • 1:3 Rashica (37.)
  • 1:4 Klaassen (40.)
  • 1:5 Pizarro (68.)
  • 1:6 Pizarro (74.)

A. Delmenhorst: Urbainski - Rauh, Plendiskis, Stütz, Lingerski, Harings - Köster - Schmidt, Karli (73. Hein), Osei (81. Radke) - Priessner (77. Plichta)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Groß, Moisander, Friedl (46. Möhwald) - N. Sahin - M. Eggestein, Klaassen - Sargent (61. Füllkrug), Osako (65. Pizarro), Rashica
Zuschauer: 41500 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

In der Tat - Gegentore kassierte der Oberligist reichlich. Vor und nach dem Delmenhorster Treffer spielte nur Werder. Yuya Osako (10.) und Niklas Moisander (19.) sorgten für die frühe 2:0-Führung des haushohen Favoriten. Nach dem Anschlusstor dauerte es nur wenige Minuten, ehe Milot Rashica (37.) und Davy Klaassen (40.) die Verhältnisse für die "Gäste" im Weserstadion wieder geraderückten.

Werder ließ es im zweiten Durchgang etwas ruhiger angehen. Erst als Claudio Pizarro in die Partie kam, wurde es wieder spektakulär. Der 40 Jahre alte Peruaner war keine drei Minuten auf dem Platz, als er nach der Hereingabe des ebenfalls eingewechselten Niclas Füllkrug den Fuß hinhielt - 5:1 (68.). Ein Tor ist kein Tor, dachte sich Werders treffsicherster Bundesligaspieler und legte nach: Ein kleines Tänzchen am Strafraum, eine Drehung, ein Schlenzer - 6:1 (74.). Kurz vor dem Ende hatte Kevin Radke für Atlas noch den zweiten Treffer auf dem Fuß, scheiterte aber an Werder-Keeper Jiri Pavlenka (87.).

Das war der Schlusspunkt einer denkwürdigen Partie, an deren Ende sich alle wie Gewinner fühlen durften. Werder feierte den Einzug in Runde zwei, Delmenhorst seinen Ehrentreffer und die Zuschauer einen höchst unterhaltsamen Pokalabend. Beide Mannschaften verabschiedeten sich mit einer gemeinsamen Ehrenrunde.

 

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.08.2019 | 22:45 Uhr