Stand: 11.02.2019 09:50 Uhr

Werder-Coach Kohfeldt: "Europa ist kein Hirngespinst"

von Andreas Bellinger, NDR.de
Kevin Möhwald (r.) und Sebastian Langkamp feiern das 4:0 gegen Augsburg.

Was ist passiert, dass Werder Bremen wieder zurück im Rennen um die Europacup-Plätze ist? Die Mannschaft hat unter Florian Kohfeldt schnell gelernt und zuletzt zwei tolle Spiele gezeigt. Der Trainer glaubt an eine "tolle Saison".

Werder Bremen in Partylaune: Nach Geburtstagssause und Pokal-Coup in Dortmund haben die Grün-Weißen in der Bundesliga gleich weiter gefeiert. Mit 4:0 wurde der FC Augsburg am Sonntag aus dem Weserstadion geschossen - und Trainer Florian Kohfeldt durfte im NDR genüsslich resümieren: "Wir haben den Sprung auf den Zug nach oben hingekriegt." Drei Punkte fehlen den Hanseaten von der Weser noch bis zu Platz fünf in der Tabelle. "Europa ist kein Hirngespinst", sagte der 36-Jährige nach dem höchsten Saisonsieg. Werder ist dank der Tore von Milot Rashica (zwei), Johannes Eggestein und Kevin Möhwald zurück im Rennen um die Plätze im internationalen Geschäft.

Kein Nordderby gegen den HSV im DFB-Pokal

"Es kann noch eine richtig tolle Saison werden", sagte Kohfeldt. Tatsächlich hätte die Bremer Jubiläumswoche kaum besser enden können. Und doch waren am Abend nicht alle zufrieden, weil aus dem mancherorts erhofften Pokalkracher gegen den HSV nichts wurde. Während die Hamburger im Viertelfinale (2./3. April) zum Zweitliga-Konkurrenten nach Paderborn reisen, müssen die Bremer bei Schalke 04 antreten. "Es hätte leichter kommen können", meinte Manager Frank Baumann. "Aber man sagt uns ja nach, dass wir uns eher gegen leichte Gegner schwerer tun."

Werder Bremen hat schnell gelernt

Im Pokal noch dabei und realistische Chancen im Kampf um die Europacupplätze: eine Situation, die Werder Bremen lange nicht mehr erlebt hat. Dabei hat der Werder-Trainer vor ein paar Tagen noch ganz andere Töne anklingen lassen: "Wir lernen noch, aber ich hoffe, wir lernen weiter schnell." Abermals verschenkte Punkte beim Start in die Rückserie gegen Eintracht Frankfurt (2:2) und den 1. FC Nürnberg (1:1) hatten die Stimmung an der Weser verhagelt. Der Coach aber konterte scheinbar gelassen: "Irgendwann wird der Knoten platzen, und dann gewinnen wir auch mal hoch." Die Grün-Weißen haben schnell gelernt. Oder geht die Achterbahnfahrt der Gefühle weiter?

Es folgen die Wochen der Wahrheit

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Wie gut die Bremer gelernt haben, muss sich schon am kommenden Sonnabend (18.30 Uhr) neuerlich zeigen, wenn Werder in Berlin gegen Hertha BSC auf einen direkten Kontrahenten im Kampf um Platz sechs trifft, der noch zum Einzug in die Europa League berechtigt. Am Freitag danach (20.30 Uhr) geht es weiter mit einem Heimspiel gegen Abstiegskandidat VfB Stuttgart. Und am 24. Spieltag schließlich muss Werder zum VfL Wolfsburg (Sonntag, 18 Uhr), der momentan Siebter ist und wie Werder an der Schwelle zum internationalen Wettbewerb steht. Mal wieder: Wochen der Wahrheit.

Bremer Youngster haben Lernstufen übersprungen

"Natürlich werden wir auch wieder Spiele erleben, in denen wir nicht gleich ein Tor schießen, so wie heute gegen Augsburg", sagte Baumann. Euphorie oder zur Schau gestellte Begeisterung sind seine Sache nicht. Im NDR Interview konnte man zumindest erahnen, dass dem Manager die endlich praktizierte Effektivität Zuversicht für die entscheidenden Wochen gegeben hat. Der kreative Kapitän Max Kruse darf dabei durchaus als Synonym für den Aufschwung angesehen werden. Obwohl es besonders die Youngster wie Johannes Eggestein, Joshua Sargent oder der verletzt ausgewechselte Rashica sind, die offenbar einige Lernstufen übersprungen haben. Wohl auch dank Claudio Pizarro, der trotz seiner 40 Lenze ein Gewinn auf dem Rasen ebenso wie als Mentor seiner halb so alten designierten Nachfolger ist.

Der unbekannte Werder-Keeper Pavlenka

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Starker Rückhalt: Werder-Keeper Jiri Pavlenka.

Dass Werder in Jiri Pavlenka wieder einen Torhüter hat, der höchsten Anforderungen gerecht wird, ist die Garantie dafür, dass nach wie vor haarsträubende Fehler der Abwehr nicht regelmäßig in Punktverluste münden. Einzig der schwedische Nationalspieler Ludwig Augustinsson ist eine Bank auf links. Pavlenka hielt beim Pokalsieg in Dortmund sogar zwei Elfmeter und freute sich anschließend so diebisch und ausgelassen mit den Kollegen, wie es der introvertierte Tscheche noch nicht gezeigt hatte. Kohfeldt und sein Trainer-Team haben eine Einheit geformt. 

Konterstark im heimischen Weser-Stadion

"Wir lernen noch und ich hoffe, wir lernen weiter schnell." Dass Kohfeldt mit diesem Satz nach gut einem Jahr als Cheftrainer auch sich nicht ausnimmt, spricht für seine besondere Qualität. Nachdem er in Nürnberg mit seiner Aufstellung daneben gelegen hatte, funktionierte die Marschroute in Dortmund auch dank der Fitness und Kampfbereitschaft der Nominierten. Gegen Augsburg schließlich zockten die Bremer, verlegten sich auf Konter und überließen den Gästen, die für ihr Umschaltspiel bekannt sind, 65 Prozent an Ballbesitz. Was Vernünftiges damit anzufangen, wussten die Schwaben aus der Fuggerstadt nicht, kassierten nach knapp einer halben Stunden schon den zweiten Kontertreffer.

Ist der Knoten jetzt geplatzt?

"Europapokal, Europapokal", skandierten die Werder-Fans, während sich die nach einer ebenso erfolgreichen wie stressigen Woche sichtlich erschöpften Spieler in ihren eigens zum Werder-Geburtstag geschneiderten Trikots feiern ließen. Nachdem der internationale Wettbewerb vor Tagen verspielt schien, ist auf einmal wieder alles möglich. Weil Werder schnell gelernt hat - und vielleicht sogar der Knoten geplatzt ist.

Jubiläums-Sause: vier Buden für ein Hallelujah

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.02.2019 | 22:50 Uhr

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