HSV-Präsident Marcell Jansen (v.l.) mit den Vizepräsidenten Moritz Schaefer und Thomas Schulz © Witters Foto: Valeria Witters

Wende im HSV-Machtkampf: Präsidium tritt geschlossen zurück

Stand: 17.02.2021 13:17 Uhr

Das Präsidium des Hamburger SV ist am Dienstagabend zurückgetreten. Vereins-Präsident Marcell Jansen und seine beiden Vizepräsidenten Thomas Schulz und Moritz Schaefer lagen seit Monaten über Kreuz.

Damit hat das Trio vorerst einen Strich unter seinen Matchkampf gezogen. "Liebe Mitglieder, liebe HSVer, nach sehr intensiven und zielführenden Gesprächen in den vergangenen Tagen haben wir uns als Präsidium gemeinsam dazu entschlossen, mit sofortiger Wirkung von unseren Präsidiumsämtern zurückzutreten und so die zuletzt vorhandenen Meinungsverschiedenheiten im Präsidium nicht mehr zu einem Themenfeld innerhalb unseres Vereins zu machen", heißt es in einem gemeinsamen Brief an die über 87.000 Mitglieder des HSV e.V.

"Es geht um die Raute, ums Wir, nicht um Einzelpersonen", twitterte Jansen am Mittwochmittag. "Darum halte ich den geschlossenen Rücktritt des e.V.-Präsidiums für sinnvoll und zielführend." Es sei längst überfällig, dass wieder Ruhe einkehrt. "Und es ist jetzt auch nicht die Zeit, den Wahlkampf zu eröffnen."

Machtkampf nicht entschieden, sondern vertagt

Der Machtkampf ist allerdings nicht entschieden, er ist vertagt worden. Im Sommer sollen nun die Mitglieder des HSV auf der ordentlichen Mitgliederversammlung ein neues Führungsgremium wählen und entscheiden, ob es eine neue Chance für Marcell Jansen gibt - oder dann doch den Machtwechsel.

Jansen bleibt Chef des Aufsichtsrates. Bei Neuwahlen darf er zudem erneut antreten und es wird damit gerechnet, dass er wieder für das Präsidenten-Amt kandidiert - diesmal mit einem eigenen Team. Er genießt die Rückendeckung aller HSV-Gremien und von Investor Klaus-Michael Kühne. Der Verein ist größter Anteilseigner der AG, von der Wahl des neuen Präsidiums hängt dann auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ab. Ob Schulz und Schaefer eine Gegenkandidatur starten, ist offen.

Bis dahin werden der Geschäftsführer Kumar Tschana und Michael Papenfuß interimsmäßig den Club führen. Bis die verschiedenen Positionen auf der Mitgliederversammlung erneut aufeinanderprallen, dürfte hinter den Kulissen kräftig weitergerungen werden.

Meinung

NDR-Vereinsreporter Lars Pegelow:
"Im Moment konnte die Unruhe noch einigermaßen von der Mannschaft ferngehalten werden. Ich finde, dass dieser geschlossene Rücktritt jetzt der richtige Weg ist, um den Mitgliedern im Sommer die Entscheidung auch wirklich zu überlassen. Aber die Gefahr ist da: Was passiert, wenn jetzt monatelang im HSV Unruhe ist, der Streit und der Machtkampf hinter den Kulissen einfach weitertobt? Dann könnte der HSV wieder über seine selbstgemachten Probleme stolpern und der Aufstieg in Gefahr geraten."

Schulz und Schaefer stellen sich gegen Jansen

Während es beim Tabellenführer der Zweiten Liga sportlich gut läuft, herrschte in der Führung des eingetragenen Vereins seit Monaten Streit. Vizepräsident Schulz und Schatzmeister Schaefer hatten in wichtigen Fragen andere Ansichten als Jansen. Unter anderem ging es um die Kandidaten für den Aufsichtsrat der Fußball-AG und um den möglichen Verkauf weiterer Anteile. Dabei sollte offenbar auch Vertrauten des ehemaligen HSV-Vorsitzenden Bernd Hoffmann ein Comeback ermöglicht werden.

An Schulz gab es sogar öffentliche Kritik aus dem Verein - der er jedoch entschieden widersprach. Trotzdem reichte der HSV-Ehrenrat, unterstützt von allen anderen Gremien des Vereins, einen Abwahlantrag gegen den Vizepräsidenten ein. Schulz' Handeln sei nicht mehr tragbar und das Vertrauen aller Gremien in ihn verloren gegangen. Über den Antrag sollte eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden. Doch das Präsidium ließ zuletzt eine Frist für deren Terminierung verstreichen. Zumindest dieses Problem ist durch den Rücktritt aller erst einmal gelöst.

Weitere Informationen
Thomas Schulz, Vize-Präsident des HSV e.V. © Witters

HSV-Machtkampf: Vize-Präsident Schulz weist Vorwürfe zurück

Die HSV-Gremien haben eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt, auf der Thomas Schulz abgewählt werden soll. mehr

Jeremy Dudziak (HSV/l.) im Zweikampf mit Alexander Mühling (Kiel).  Foto: Valeria Witters

Aufstiegskampf in Liga zwei: Spannender geht es kaum

Der HSV und Kiel sind punktgleich mit Bochum, dahinter lauern zwei weitere Clubs in Schlagdistanz. Und bis Ostern gibt's jede Menge direkte Duelle. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 16.02.2021 | 23:03 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Der DFB-Pokal steht auf einem Podest im Berliner Olympiastadion © dpa picture alliance Foto: M. Deines

DFB-Pokal: Holstein Kiel muss nach Dortmund

Die "Störche" haben bei der Halbfinal-Auslosung kein Glück gehabt. Werder würde bei einem Sieg gegen Regensburg auf Leipzig treffen. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr