Wolfsburgs Aster Vranckx ist ratlos. © IMAGO / Hübner

VfL Wolfsburg: Krise, Modeste-Häme - und ohne Nmecha zu den Bayern

Stand: 17.12.2021 07:52 Uhr

Nach der sechs Niederlagen in Folge braucht Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg dringend einen Restart. Ausgerechnet jetzt fällt Lukas Nmecha verletzt aus und steht das Duell mit dem FC Bayern an. Trainer Florian Kohfeldt blickt deshalb schon weiter voraus.

von Johannes Freytag

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das musste auch der VfL Wolfsburg nach dem 2:3 gegen Köln feststellen. Kölns Siegtorschütze Anthony Modeste konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Es ist sehr schön, gegen die Mannschaft von Jörg Schmadtke gewonnen zu haben und Wolfsburg in die Krise zu schicken. Man trifft sich immer zweimal im Leben", sagte der 33-Jährige und spielte damit offensichtlich darauf an, dass Schmadtke ihn im Juli 2017 als damaliger Manager beim 1. FC Köln für 35 Millionen Euro nach China verkauft hatte, obwohl der Stürmer angeblich gar nicht weg wollte.

Negativserie wie zuletzt vor 44 Jahren

Die Stichelei des Franzosen dürfte aber das geringste Problem der "Wölfe" sein, die zudem nicht erst seit der Niederlage am Dienstag in der Krise stecken. Schon davor hatten fünf Pflichtspielniederlagen in Folge einen traurigen Bundesliga-Negativrekord bedeutet, nun sind es sogar sechs. Zuletzt waren die Wolfsburger vor 44 Jahren in der Zweiten Liga Nord so oft leer ausgegangen.

"Er kann das sagen, mich interessiert und beschäftigt das nicht." Jörg Schmadtke im "kicker" über Anthony Modeste

Nach 16 Spieltagen steht der VfL, zu Saisonbeginn noch stolzer Champions-League-Starter, vor einem Scherbenhaufen: Vergangene Woche kam das Aus in der Königsklasse, im DFB-Pokal scheiterten die Niedersachsen schon in Runde eins, und in der Bundesliga-Tabelle sind die Europapokalplätze inzwischen weiter weg als die Abstiegszone. Heute Abend (20.30 Uhr, im NDR Livecenter) gastieren die Wolfsburger in München - wenn es ganz blöd läuft für die Niedersachsen, könnten sie nach der erwartbaren Niederlage beim Herbstmeister sogar auf den Relegationsrang abrutschen.

VIDEO: Wolfsburg unterliegt Köln: Kohfeldt enttäuscht, Modeste schadenfroh (3 Min)

Lukas Nmecha fehlt wochenlang

Nicht nur das Duell mit den Bayern kommt nur Unzeit. Ausgerechnet jetzt hat sich in Lukas Nmecha auch noch einer der VfL-Leistungsträger verletzt. Der Nationalspieler, der in 15 Liga-Partien bereits sechs Treffer erzielt hat, zog sich gegen Köln eine schwere Knöchelverletzung im rechten Fuß zu. Wie die "Wölfe" mitteilten, fällt der 23-Jährige "mehrere Wochen" aus.

Auch Kevin Mbabu (muskuläre Probleme), der gesperrte Jérôme Roussillon und Paulo Otavio (Knieverletzung) stehen nicht zur Verfügung.

Schäfer: "Dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen"

Trainer Kohfeldt, der Abstiegskampf aus seiner Zeit bei Werder Bremen kennt, ist sich der Gefahr bewusst: "Wir sollten nicht den Fehler machen und sagen: 'Nein, nein, nein, wir haben genug Qualität und haben damit nichts zu tun.' Wir sollten Punkte sammeln, dann können wir auch wieder über Qualität reden."

Auch VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer, der mit Wolfsburg zwar 2009 Meister wurde, aber später auch Tiefen erlebt hat, weiß, worauf es jetzt ankommt: "Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen, auch wenn solche Phasen wirklich schwierig sind. Wir müssen uns dagegen stemmen, noch mehr in die Waagschale werfen, um aus dieser Phase rauszukommen. Dass das nicht einfach wird, dass man den Hebel nicht so einfach umlegen kann", habe man gegen Köln wieder gesehen.

"Natürlich müssen wir den Blick nach unten richten und aufpassen, dass es nicht noch brenzliger wird." Jörg Schmadtke

VfL-Defensive als große Baustelle

Schäfer ging bei seiner Analyse aber auch ins Detail: "Es liegt auf der Hand, dass wir im Moment nicht gut genug verteidigen." Die Mannschaft könne offensichtlich derzeit nicht mit Rückschlägen innerhalb eines Spiels umgehen: "Wir kommen dann einfach nicht mehr zurück. Das ist bitter und eine große Enttäuschung", erklärte der 37-Jährige.

In der Tat ist die Defensive zur großen Baustelle geworden: Seit dem bislang letzten Sieg Anfang November (1:0 gegen Augsburg) haben die Wolfsburger in jedem der folgenden acht Partien mindestens zwei Gegentore kassiert, auch im Testspiel gegen Zweitligist Hansa Rostock (1:3).

Kohfeldt setzt auf die Winterpause

Auch Kohfeldt ist sich darüber im Klaren, dass mit dem Bayern-Spiel die Wende schwer herbeizuführen sein wird, wenngleich er am Donnerstag auch sagte: "Das sind genau die Situationen, in denen man positiv überraschen kann. Und das ist gerade in unserer Lage eine angenehme Ausgangsposition. Wir haben am Freitag noch einmal die Chance, in der Bundesliga etwas zu holen. Die wollen wir mit aller Macht ergreifen."

"Die Ausgangslage ist relativ simpel: Ich habe nicht das Gefühl, dass viele Menschen in dieser Phase etwas von uns erwarten in München." VfL-Trainer Florian Kohfeldt

Der 39-Jährige, der jüngst von VfL-Manager Schmadtke eine Jobgarantie bekam, blickt aber bereits jetzt auf die Winterpause: "Ich glaube, der Hebel, den ich jetzt habe mit dieser Mannschaft, der wird im Januar liegen - und zwar in den ersten Phasen der Vorbereitung und in den Trainingswochen, die wir dort haben."

Mögliche Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer - Süle, Upamecano, Hernandez - Roca, Musiala - Gnabry, Müller, Sané, Davies - Lewandowski
VfL Wolfsburg: Casteels - Lacroix, Guilavogui, Bornauw - Baku, Vranckx, Arnold, Gerhardt - Lukébakio, F. Nmecha - Weghorst

Weitere Informationen
Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv © Colourbox

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 15.12.2021 | 08:25 Uhr

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