VIDEO: VfB Lübeck unterliegt Türkgücü München (1 Min)

VfB Lübeck am Abgrund: Fanproteste und Riedel-Wutrede

Stand: 21.02.2021 19:00 Uhr

Fußball-Drittligist VfB Lübeck steht nach dem 0:2 gegen Türkgücü München weiter mit dem Rücken zur Wand. Zur sportlichen Talfahrt gesellen sich beim Tabellenschlusslicht heftige atmosphärische Störungen.

Als die Spieler von Coach Rolf Landerl ein paar Stunden vor Beginn des Aufsteiger-Duells den Rasen im Stadion an der Lohmühle betraten, um schon einmal ein wenig die Gegebenheiten des Untergrunds zu testen, fiel ihr Blick auf ein riesiges Banner, das an der Alten Holztribüne befestigt war. "16 Jahre unser Traum - wollt ihr uns das jetzt versau'n?!", stand darauf in Großbuchstaben. Fans hatten es am Vortag mit Genehmigung des VfB dort angebracht, um gegen die zuletzt schwachen Leistungen des Teams zu protestieren.

Zugleich drückte die Anhängerschaft damit auch ihre Angst vor dem sofortigen Wiederabstieg aus, der den jahrelang in den Niederungen des Amateurfußballs dümpelnden Traditionsclub möglichweise wieder für lange Zeit von der überregionalen Bildfläche verschwinden lassen würde. Derzeit ist zumindest das Szenario Regionalliga-Rückkehr sehr wahrscheinlich.

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Cyrill Akono (VfB) kommt gegen Filip Kusic (Türkgücü München) nicht an den Ball. © IMAGO / Holsteinoffice Foto: Holsteinoffice

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Moral und Einsatz stimmten beim Drittliga-Schlusslicht, das allerdings kaum Torgefahr entwickelte. mehr

Landerl wie weiland Wegmann: "Ein bisschen Pech und wenig Glück"

Dabei waren die Schleswig-Holsteiner gegen fußballerisch individuell überlegene Münchner bemüht, die Trendwende zu erzwingen. "Leidenschaft, Herzblut und Kampf - das haben wir alles gesehen heute. Da wollten wir uns absolut nichts nachsagen lassen", lobte Coach Landerl den Einsatzwillen seiner Mannschaft. Das Team habe "ganz, ganz viel versucht", aber im letzten Drittel "nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte der 45-Jährige mit Blick auf die einmal mehr in dieser Saison mangelhafte Offensivleistung.

Und dann bemühte der Österreicher - wenn auch in etwas abgeänderter Form - noch die alte Fußball-"Weisheit" von Ex-Profi Jürgen Wegmann: "Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu". Landerl drückte die Gründe für die anhaltende Talfahrt so aus: "Derzeit ist ganz einfach ein bisschen Pech dabei, wir haben ganz, ganz wenig Spielglück."

Lübeck muss über Mentalität zum Erfolg kommen

Mangelndes Fortune ist aber eben auch nur die halbe Wahrheit für die enttäuschende Lübecker Bilanz von je fünf Siegen und Unentschieden sowie 13 Niederlagen nach 23 Partien. Dem Kader mangelt es im Vergleich mit vielen Liga-Konkurrenten schlichtweg an etwas Qualität und Tiefe. Sowohl den Spielern als auch den Verantwortlichen war in Anbetracht eines verhältnismäßig kleinen Etats - zu Saisonbeginn wurde mit 4,8 Millionen Euro kalkuliert - von vornherein bewusst, dass der Aufsteiger viel über Geschlossenheit und Mentalität würde kommen müssen.

"Beim VfB Lübeck spielst du nicht, weil du hier einen Koffer voll Geld rausschleppst, sondern, weil du Bock auf Fußball und die Dritte Liga hast", bekräftigte Keeper und Vizekapitän Lukas Raeder dann auch noch einmal nach der Türkgücü-Partie.

Mannschaft versucht, Geschlossenheit zu vermitteln

Dass die Mannschaft komplett mit grünen Binden an den Armen auflief, sollte diese Geschlossenheit untermauern. "Wir wollten einfach noch einmal verdeutlichen, dass jeder Verantwortung übernehmen muss in dieser Situation, dass sich keiner verstecken darf", erklärte Raeder die ungewöhnliche Aktion unter dem Motto: "Elf Kapitäne müsst ihr sein". Das Team scheint trotz aller sportlichen Rückschläge weiter eng zusammenzustehen. Darauf deuteten auch die klaren Worte von Mittelfeldakteur Florian Riedel vor Spielbeginn im Interview mit "MagentaSport" hin. Der 30-Jährige, Mitglied des Mannschaftsrates, verteidigte darin das Team gegen Sportdirektor Rocco Leeser, der nach der 1:3-Pleite in der Vorwoche bei Dynamo Dresden in den "Lübecker Nachrichten" harsche Kritik an den Spielern geübt hatte: "Keiner hat das Messer zwischen den Zähnen."

Riedel kritisiert Sportdirektor Leeser...

"Das kam bei der Mannschaft nicht gut an. Den Charakter der Mannschaft infrage zu stellen, finde ich nicht in Ordnung", sagte Riedel, der unter anderem darauf hinwies, dass die Spieler am vergangenen Mittwoch den Rasen im Stadion in stundenlanger Arbeit von Schnee befreit hätten. "Die Mannschaft wollte ein Zeichen setzen", erklärte der Routinier. Und mit Blick auf das Fan-Banner an der "Alten Holze" versprach er: "Wir wollen nicht nur ihren Traum, sondern auch unseren Traum verteidigen."

...und Vorstandssprecher Schikorra kritisiert Riedel

Seine Kritik an der Kritik könnte allerdings Konsequenzen haben. "Es ist eine Frechheit, was Flo Riedel sich da erlaubt hat", wetterte Vorstandssprecher Thomas Schikorra. "Eine Stunde vor so einem wichtigen Spiel stellt er sich hin und teilt gegen unseren Sportdirektor aus - und dann erzählt er uns noch Märchen über den Einsatz von dem Team, um den Platz bespielbar zu machen. Das lassen wir uns nicht gefallen." Droht Riedel jetzt der Rauswurf? So oder so sind Zank und Vorwürfe keine guten Berater im Kampf um den Klassenerhalt...

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.02.2021 | 14:00 Uhr

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