Helfer räumen den Platz des Ludwigsparkstadions des 1. FC Saarbrücken von Schnee frei © imago images / Jan Huebner

Verrückt: Warum Lübeck in Frankfurt gegen Saarbrücken spielt

Stand: 24.01.2021 09:31 Uhr

Drittligist VfB Lübeck tritt heute (14 Uhr) im Aufsteiger-Duell beim 1. FC Saarbrücken an. Die Partie findet wegen Unbespielbarkeit des Platzes allerdings nicht im Saarland, sondern im Stadion des FSV Frankfurt statt.

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht - sollte man meinen. Denn die Causa Ludwigsparkstadion zeigt, was so alles passieren kann, wenn die eine Hand nicht weiß, was die andere gerade so macht. Bereits seit 2015 wird das altehrwürdige Stadion des 1. FC Saarbrücken umgebaut. Eigentlich war die Fertigstellung für das vergangene Jahr geplant. Doch wann der Fußball-Tempel tatsächlich in Gänze im neuen Glanz erstrahlen wird, ist völlig ungewiss. "Die Altlasten müssen nach und nach abgearbeitet werden. Vor uns liegt noch ein langer und steiniger Weg", erklärte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt jüngst in einer Stellungnahme auf der Stadion-eigenen Website "ludwigsparkstadion.de".

Bereits dieser eine Satz des CDU-Politikers lässt erahnen, dass so einiges schief gelaufen sein muss bei den Umbauarbeiten der Arena. Es folgen noch ganz viele weitere Ausführungen, die fast zum Schmunzeln wären, wenn es nicht um so viel Geld ginge - Steuergeld. Denn die Stadt ist Bauherr und Betreiber des Stadions.

Stadt Saarbrücken streitet sich mit Gartenbaufirma

Nun könnte es den Lübeckern ziemlich "schnuppe" sein, dass es laut Conradt aktuell unter anderem Probleme wegen der Polizeiwache, den Kiosken, Kühlkapazitäten und der Technik im Hauptgebäude gibt. Denn der VfB will ja eigentlich nur spielen. Darf er aber nicht. Zumindest nicht im "Park", wie die "Hütte" des früheren Bundesligisten von den Fans liebevoll gerufen wird. Denn es war ziemlich kalt zuletzt in Saarbrücken. Und der Frost sorgte dafür, dass der Untergrund der Arena knüppelhart wurde. Eine Rasenheizung hätte hier Abhilfe schaffen können. Aber da wären wir halt wieder beim Saarbrücker Komödienstadel. Denn selbige kann wegen einer juristischen Auseinandersetzung zwischen der zuständigen Gartenbaufirma und der Stadt nicht in Betrieb genommen werden. Das Unternehmen fordert 400.000 Euro von der Kommune, die wiederum wirft der Gartenbaufirma vor, für Baumängel verantwortlich zu sein.

Und weil die beiden Parteien seit Monaten zanken, fehlen weiter notwendige Anschlüsse, um die Rasenheizung in Betrieb nehmen zu können. Bereits das Heimspiel des FCS am vergangenen Sonnabend gegen den FSV Zwickau musste aus demselben Grund abgesagt werden. Wann die "Park-Parodie" ein Ende haben wird, ist noch nicht abzusehen. "Wir stehen erst am Anfang der Aufarbeitung. Diese Aufarbeitung ist aufgrund ihrer Vorgeschichte und Altlasten eine Mammutaufgabe", sagte Oberbürgermeister Conradt.

Auch in Frankfurt kein "Teppich" zu erwarten

Statt in Saarbrücken wird nun also heute (14 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) im knapp 200 Kilometer entfernten Frankfurt gespielt. Darauf hat sich die Spielleitung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit beiden Clubs geeinigt. Der FCS hat die Arena des Regionalligisten offiziell als Ausweichort angegeben. Auf einem "Teppich" werden die Saarländer den VfB allerdings auch dort nicht empfangen, hat doch der FSV am Sonnabend dort gegen die SG Sonnenhof Großaspach gespielt (1:0). "Wir wissen, dass der Platz in suboptimalem Zustand sein wird", sagte FCS-Trainer Lukas Kwasniok.

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Freigestellter Hobsch darf auf Comeback hoffen

Vieles deutet also auf ein Matsch-Duell hin. Vielleicht sind es ja gerade die richtigen Gegebenheiten für die Lübecker, um ihre Sieglos-Serie zu beenden. Bereits seit sieben Partien warten die Schleswig-Holsteiner nun auf einen dreifachen Punktgewinn. Das schöne Zwischenhoch inklusive des Verlassens der Abstiegsplätze - längst vorbei. Und nun gab es auch noch Knatsch beim VfB. Nicht wie beim kommenden Gegner wegen des Stadions, sondern eines Fehlverhaltens von Angreifer Patrick Hobsch. Der Sohn der Werder-Bremen-Legende Bernd Hobsch wurde bis zum kommenden Montag vom Mannschaftstraining freigestellt. Es habe Vorkommnisse gegeben, die sich "nicht in Einklang mit mannschaftlichen Grundsätzen und Werten des Vereins bringen lassen", teilte der Aufsteiger mit.

Ein Hobsch-Comeback ist allerdings nicht ausgeschlossen, wie Sportdirektor Rocco Leeser erklärte: "Patrick hat einen Fehler gemacht. Darüber haben wir mit ihm gesprochen. Aber er ist ein positiver Typ und kann selbst dafür sorgen, dass er künftig wieder eine andere Rolle spielt. Die Tür für ihn ist nicht zu."

Lippert zum Bonner SC - Akono im Probetraining

Verlassen hat den VfB Sören Lippert. Der 21 Jahre alte Innenverteidiger wurde bis zum Sommer an den Bonner SC verliehen, um beim West-Regionalligisten Spielpraxis sammeln. Kaum noch eine Perspektive auf Einsatzzeiten bei Coach Rolf Landerl haben außerdem Dren Feka, Jamie Shalom und Tim Weißmann. Das Trio muss seit dieser Woche in einer gesonderten Trainingsgruppe mit U23-Coach Norbert Somodi trainieren. Das habe "einzig und allein sportliche Gründe", erklärte Trainer Rolf Landerl.

Während die drei Reservisten, die jeweils ohne Saisoneinsatz sind, zumindest vorerst außen vor sind, mischt in Cyrill Akono derzeit ein neues Gesicht beim Drittliga-Team mit. Der 20 Jahre alte Angreifer steht zwar noch beim Regionalligisten 1. FSV Mainz 05 II unter Vertrag, möchte sich aber sportlich verbessern. "Ob er ein Thema für eine Verpflichtung wird, ist offen", sagte Leeser.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.01.2021 | 19:30 Uhr

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