Stand: 29.03.2019 11:55 Uhr

Streit um Polizeikosten: Fragen und Antworten

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und das Bundesland Bremen streiten über die Frage, wer bei sogenannten Hochrisikospielen die Polizei-Mehrkosten bezahlen muss. Fragen und Antworten.

Worum geht es?

DFB-Definition "Hochrisikospiele"

"Spiele mit erhöhtem Risiko sind Spiele, bei denen aufgrund allgemeiner Erfahrung oder aktueller Erkenntnisse die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine besondere Gefahrenlage eintreten wird."

In dem Streit geht es nicht um die generellen Polizeikosten bei Fußballspielen, sondern die Mehrkosten bei Partien, die als sogenannte Hochrisikospiele eingestuft werden. Ein Derby wie Werder Bremen gegen den HSV wird aufgrund der Brisanz in der Regel so eingeordnet und das Polizeiaufgebot rund um das Spiel daraufhin erhöht. Beim Nordderby Werder - HSV am 19. April 2015 (Ausgangspunkt des Rechtsstreits zwischen der DFL und dem Bundesland Bremen) waren knapp 1.000 Polizisten im Einsatz. Bei normalen Bundesligaspielen sind sonst nur circa 250 Beamte im Dienst.

Wer entscheidet über die Einstufung "Hochrisikospiel"?

Ob Partien in die Kategorie "Spiele mit erhöhtem Risiko" fallen, obliegt laut den DFB-Richtlinien "in erster Linie dem Heimverein, der die Entscheidung frühestmöglich nach Anhörung der Sicherheitsorgane - insbesondere des Einsatzleiters der Polizei - zu treffen hat". Allerdings behält sich der DFB das Recht vor, "ein Spiel aufgrund eigener Erkenntnisse als 'Spiel mit erhöhtem Risiko' einzustufen".

Weitere Informationen

DFL-Beteiligung an Polizeikosten rechtmäßig

Die Beteiligung des Profi-Fußballs an Polizei-Mehrkosten bei Hochrisikospielen ist laut Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich rechtmäßig. Länder dürfen demnach eine Gebühr erheben. mehr

Über wie viele Partien reden wir?

Die Zahl der Hochrisikospiele variiert von Saison zu Saison, da die Lage vor jeder Begegnung neu bewertet wird. In der Spielzeit 2017/2018 gab es in den beiden Bundesliga, die von der DFL organisiert werden, ingesamt 54 Partien, die als "Spiele mit erhöhtem Risiko" eingestuft waren. In der vorangegangenen Serie waren es 58. Auch in der Dritten Liga (Zuständigkeit des DFB) fielen in der vergangenen Saison 54 Duelle unter diese Kategorie.

Welche Auswirkungen könnte der Rechtsstreit haben?

Sollte das Bundesland Bremen Recht behalten, hat die DFL bereits angekündigt, die erhobenen Forderungen an den SV Werder Bremen weiterreichen zu wollen. Wenn sich andere Bundesländer an dem Urteil orientieren und ebenfalls Rechnungen an die DFL oder den DFB stellen (was zu erwarten wäre), diese aber wiederum die Kosten stets an den gastgebenden Verein weiterreichen, dürfte das vor allem kleinere Clubs hart treffen.

Meinung

Polizeikosten - wer soll zahlen? Zwei Meinungen

Das Land Bremen will, dass sich die DFL an den Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligt. Zu Recht? Holger Gerska und Moritz Cassalette mit unterschiedlichen Standpunkten. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 26.03.2019 | 16:25 Uhr