Stand: 11.03.2019 14:35 Uhr

Jubel beim HSV: So sehen Derbysieger aus

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Während die HSV-Profis ihren Derby-Sieg in vollen Zügen genossen, hingen beim FC St. Pauli die Köpfe. "Die Nummer eins der Stadt sind wir", sangen die HSV-Fans und: "Derbysieger, Derbysieger - hey, hey." Besonders intensiv feierte am Sonntag Torhüter Julian Pollersbeck den souveränen 4:0-Erfolg mit den Anhängern in der schwarz-weiß-blauen Kurve. "Das war nur für die Fans, der letzte Derbysieg ist ewig her", sagte der 24-Jährige, der zum elften Mal in dieser Saison ohne Gegentor geblieben war. "Das war ein Statement."

17 Jahre waren seit dem bis dato jüngsten Derby-Sieg des Rautenclubs vergangen. Der HSV hat allerdings nicht nur das Stadtduell gewonnen, sondern auch einen großen Schritt in Richtung Bundesliga-Rückkehr gemacht. Dank des Sieges beträgt der Vorsprung auf die viertplatzierten Kiezkicker nun sieben Punkte.

Kalla: "Das ist... scheiße"

Während Pollersbeck voller Euphorie in der Interviewzone stand, war Ur-St.-Paulianer Jan-Philipp Kalla bedient: "Da freut man sich seit Wochen und Monaten auf das Spiel, und dann musst du den Gegner im eigenen Stadion jubeln sehen. Das ist... scheiße."

Doch das Ergebnis spiegelte den Spielverlauf wider - und zeigte vor allem, was der HSV im Millerntor-Stadion richtig und was St. Pauli falsch gemacht hat.

Kauczinski hat sich "vercoacht"

Statt das eigene Selbstvertrauen aus den vorigen beiden Siegen und die zuletzt deutlich zu spürende Verunsicherung der HSV-Profis auszunutzen, igelten sich die Hausherren von Beginn an hinten ein. Bei einem Duell David gegen Golliath durchaus ein bewährtes Mittel. Doch Trainer Markus Kauczinski hatte zuvor doch von einem Duell auf Augenhöhe gesprochen. Die Taktik der St. Paulianer, die allerdings in Mats Möller Daehli (Magen-Darm) auch auf einen ihrer Besten verzichten mussten, war auf Konter ausgerichtet, nach dem Rückstand gelang es allenfalls phasenweise in den Offensivgang zu schalten. Kauczinski hat sich offensichtlich "vercoacht". Hamburg suchte Derbyhelden und bekam braun-weiße Zauderer.

HSV musste das Spiel machen - und tat es

Wie der HSV im Derby mit druckvollen Kiezkickern zurechtgekommen wäre, wird man nie erfahren. Aber mit der aufgezwungenen Rolle, das Spiel machen zu müssen, kam das Team von Trainer Hannes Wolf von Minute zu Minute besser zurecht. "Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht", freute sich der HSV-Coach. Fehler hätte sein Team "selbst wieder ausgebügelt" und vor allem "in den richtigen Momenten Tore geschossen".

Einzelkritik: Kalla als Schnecke - Lasogga kaltschnäuzig

Abstaubertore zeugen von Überzeugung

Kritiker mögen sagen, dass die ersten drei Treffer Abstaubertore gewesen sind. Doch es war eben genau diese Überzeugung, mit der Pierre-Michel Lasogga als einziger dem Freistoß von Aaron Hunt nachjagte, um den Abpraller dann perfekt per Kopf im Netz zu versenken. Khaled Narey und wiederum Lasogga bewahrten später im Strafraum der Gastgeber kühlen Kopf - denselben hatten die St. Paulianer längst verloren.

Wolf: "Wir freuen uns riesig"

"Wir haben die richtige Mischung gefunden", stellte Lasogga zufrieden fest. Das fand auch Wolf: "Wir waren dominant und hatten genug Kampf-, aber auch genug spielerische Elemente. Wir freuen uns riesig, weil wir wissen, wie besonders dieses Spiel ist - für uns, aber auch für die HSV-Fans."

DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach Pyro-Eklat

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Bei aller Freude mit den Fans darf allerdings nicht vergessen werden, dass das Derby von einigen Aktionen der Anhänger mit großer Aggressivität überschattet wurde. Schon bei der Ankunft am Stadion war der HSV-Bus mit Gegenständen beworfen worden. Sowohl Heim- als auch Auswärtsfans lieferten sich vor dem Anpfiff Auseinandersetzungen mit der Polizei. Und es fehlte nicht viel und die Partie wäre wegen des massiven Abbrennens von Pyrotechnik auf beiden Seiten abgebrochen worden. Der FC St. Pauli nahm am Montag kritisch Stellung und sprach von einer "Selbstinszenierung von Teilen der Fanszene": "Die Vorfälle stellen eine Zäsur beim FC St. Pauli dar, spiegelt zum Beispiel das Präsentieren von Fanutensilien des Gegners in keiner Weise den Umgang wider, den wir hier in unserem Stadion in der Vergangenheit gepflegt haben. (...) Aufgrund der Vorfälle werden Form und Inhalt des weiteren Umgangs miteinander und Konsequenzen kritisch diskutiert." Der Verein bot an, für nachweisliche Schäden aufzukommen.

Die Vorfälle werden nicht nur intern ein Nachspiel haben. Der DFB-Kontrollausschuss hat beide Clubs am Montag zu Stellungnahmen aufgefordert. Der HSV und St. Pauli müssen sich auf ein hartes Durchgreifen des Verbands und hohe Geldstrafen einstellen.


11.03.2019 17:08 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags schrieben wir: "Für den Tiefpunkt sorgten St.-Pauli-Fans auf der Südtribüne. Sie schossen Raketen in Richtung Gegengerade, nachdem sie von den dort stehenden Heim-Fans wegen ihrer Zündelei ausgepfiffen und beschimpft worden waren." Nach Ansicht der Fernsehbilder findet sich hingegen kein Beleg dafür, dass wissentlich und willentlich Raketen mit dem Ziel abgefeuert wurden, Fans in der Gegengerade zu treffen. Daher haben wir diesen Satz wieder gestrichen. Die Augenzeugen, auf deren Schilderung der Passus basierte, bleiben bei ihrer Darstellung.

 

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.03.2019 | 22:50 Uhr